In Gaza-Stadt ist in der vergangenen Nacht ein baufälliges Gebäude eingestürzt. Dabei gab es palästinensischen Angaben zufolge viele Tote: Mindestens zwölf Menschen, darunter auch Kinder, seien ums Leben gekommen und weitere verletzt worden, teilte der Sprecher des von Hamas kontrollierten Zivilschutzes, Mahmoud Bassal, mit. Demnach werden noch rund hundert Menschen in den Trümmern des Wohnhauses vermutet, Helfer suchen derzeit nach ihnen.
Das sechsstöckige Gebäude war palästinensischen Angaben zufolge durch israelische Angriffe stark beschädigt worden. Seit Oktober 2025 herrscht im Gazakrieg eigentlich eine Waffenruhe. Zuletzt hat Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen jedoch wieder verstärkt – nach eigener Darstellung, um gezielt ranghohe Hamas-Mitglieder ins Visier zu nehmen.
Graben mit bloßen Händen
Laut Anwohnern haben sich mehr als 60 Menschen, vor allem im Krieg Vertriebene, in der Nacht in dem Haus aufgehalten. Der Zivilschutz teilte mit, dass auch Menschen, die in Zelten neben dem Gebäude genächtigt hatten, unter den Opfern sein dürften. Raed Al-Dahshan, Leiter des Zivilschutzdienstes von Gaza-Stadt, sagte zur Nachrichtenagentur Reuters, die begrenzte Verfügbarkeit von Notunterkünften habe die Menschen in Gaza »dazu gezwungen, in dieses Gebäude zu ziehen, da sie es für sicher hielten. Doch dann stürzte es tragischerweise vollständig ein und begrub die schlafenden Menschen unter sich.«
In palästinensischen und sozialen Medien verbreitete Aufnahmen sollen Schuttberge nach dem Hauseinsturz zeigen. In einem Video ist zu sehen, wie Helfer versuchen, ein zwischen Trümmern feststeckendes weinendes Kind zu befreien.
Alessandro Mrakic, Leiter des Büros des Uno-Entwicklungsprogramms in Gaza, erklärte, dass Rettungskräfte verschiedener Uno-Organisationen an den Rettungsmaßnahmen beteiligt seien, die er aufgrund fehlender geeigneter Ausrüstung als schwierig bezeichnete. »Die Situation ist tragisch, weil uns die nötigen Geräte und Maschinen fehlen. Deshalb graben manche Menschen tatsächlich mit bloßen Händen. Wir müssen uns auf weitere Todesfälle einstellen«, sagte Mrakic.
Israelische Restriktionen für Einfuhr von Hilfsgeräten
Etwa 400 Gebäude seien einsturzgefährdet, so Mrakic weiter. »Und wir wissen, dass diese Gebäude einstürzen werden, insbesondere jetzt mit Blick auf den bevorstehenden Winter.« Der örtliche Rettungsdienst gab an, dass etwa 2000 der beschädigten Gebäude von Familien bewohnt seien.
Palästinensische und Uno-Vertreter machen Israels Restriktionen gegen Gaza für den Mangel an schwerem Gerät in dem Gebiet verantwortlich. Israel argumentiert, die Beschränkungen dienten dazu, zu verhindern, dass militante Gruppen an die Ausrüstung gelangen.
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