SpOn 01.10.2026
03:50 Uhr

Flydubai: Benjamin Netanyahu würdigt Piloten nach Angriff als »wahren Helden«


Laut Israels Premier hat der indische Kapitän der Flydubai-Maschine eine »Katastrophe« verhindert. Inzwischen melden sich auch mehrere Passagiere zu Wort. Darunter der Mann, der den mutmaßlichen Angreifer im Cockpit überwältigt haben will.

Flydubai: Benjamin Netanyahu würdigt Piloten nach Angriff als »wahren Helden«

Nach der Gewalttat auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu die Furchtlosigkeit des Piloten gewürdigt. »Er ist ein wahrer Held«, schrieb Netanyahu am Mittwochabend auf X . Trotz schwerer Stichverletzungen habe der indische Flugkapitän Widerstand geleistet, die Cockpittür geöffnet und es Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen.

Damit habe er eine Katastrophe verhindert, schrieb Netanyahu weiter. »Er hat die Leben von 174 Menschen gerettet, darunter israelische Bürger und andere Staatsangehörige.« Er wünschte dem Mann eine schnelle Genesung.

Die indische Botschaft in Saudi-Arabien, wo das Flugzeug notgelandet war, erklärte  am Abend, der Zustand des Piloten sei stabil.

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Im Interview mit dem Sender CNN sagte Netanyahu, dem Kapitän sei es gelungen, ein »9/11-Desaster« zu verhindern. »Was diesen Vorfall von den anderen tragischen Anschlägen unterscheidet, ist, dass diesmal die Guten gewonnen haben.« Israel habe keinerlei Vorwarnung oder Geheimdienstinformationen zu dem Vorfall gehabt, so Netanyahu. Die Ermittlungen dazu liefen. Gegenüber Fox News sagte Israels Premier kurz darauf, es sei noch zu früh, um etwas über mögliche Hintergründe sagen zu können.

Passagiere nach der Ankunft am Flughafen in Tel Aviv

Passagiere nach der Ankunft am Flughafen in Tel Aviv

Foto: Nir Keidar / Anadolu / picture alliance

Der Flug der emiratischen Gesellschaft Flydubai war am Mittwoch auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als es zu der Auseinandersetzung im Cockpit kam. Israels Regierung geht von einem versuchten dschihadistischen Terroranschlag aus – wichtige Fragen sind aber noch offen.

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Nach früheren Aussagen Netanyahus hatte einer der beiden Piloten auf seinen Kollegen eingestochen, als die Maschine sich am Morgen Israel näherte. Er habe offenbar vorgehabt, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu bringen. Nach übereinstimmenden Berichten war die Maschine in einen Sinkflug geraten: Sie soll in weniger als zwei Minuten rund fünf Kilometer an Höhe verloren haben. Nachdem der mutmaßliche Angreifer überwältigt war, konnte das Flugzeug in Saudi-Arabien notlanden – eine zweite Besatzung, die in der Kabine mitreiste, übernahm das Steuer.

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Die Passagiere wurden am Abend mit einem Ersatzflug vom saudi-arabischen Tabuk nach Tel Aviv gebracht und dort unter Jubel begrüßt. Ein solcher Direktflug ist eine Seltenheit zwischen den beiden Ländern, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

  • Eine Frau, die mit ihren vier Töchtern im Flugzeug saß, sagte der Zeitung »Times of Israel« , es habe »zwei Wunder« gegeben: dass Israelis an Bord waren, die heldenhaft ins Cockpit gegangen seien. Und dass weitere Piloten an Bord waren, die das Flugzeug landen konnten.

  • Netanyahu traf am Flughafen von Tel Aviv einen Passagier, der ins Cockpit eingedrungen war. Der US-Sender CNN  veröffentlichte ein Video des Treffens, in dem Yaniv Hayun in blutverschmierter Kleidung schildert, wie er und andere den Angreifer gestoppt hätten. Als er ins Cockpit kam, sei der Angreifer an Bordinstrumenten zugange gewesen. Hayun vermutete eigenen Angaben zufolge, dass der Mann das Flugzeug unbrauchbar machen wollte.

Er habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und aus dem Cockpit gezerrt, sagte der Israeli. Danach – das Flugzeug war zu dieser Zeit im Sinkflug – habe er im Cockpit die Steuerung ergriffen und begonnen, die Hebel zurückzuziehen. Dann habe ein Pilot übernommen. Auf die Frage, woher er gewusst habe, was er tun sollte, verwies Hayun auf eine TV-Dokuserie über Flugunfälle, die er gesehen habe.

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  • Assaf Rajuan war ebenfalls an Bord der Maschine. Er sagte dem Sender CNN, der Angreifer sei »sehr schnell« von einer Gruppe von Passagieren und der Flugbesatzung überwältigt worden. »Es gab keinen richtigen Kampf, keine Schlägerei, nichts dergleichen.«

  • Eine weitere Passagierin, Hila Gaier, beschrieb die Szenen an Bord der Maschine als »Albtraum«. Es habe »komplettes Chaos« geherrscht, sagte sie Kan 11 Radio. Der Strom, die Kommunikationssysteme sowie alle Bildschirme seien ausgefallen. Das Flugzeug sei voller »erschreckender Schreie« gewesen. »Man hat keine Ahnung, was gerade passiert, und es hört einfach nicht auf.«

Flydubai setzt Flüge von und nach Israel aus

Nach Angaben Netanyahus wurde der Angreifer festgenommen und von den saudi-arabischen Sicherheitsbehörden befragt. Die zuständigen Behörden in dem Golfstaat äußerten sich zunächst nicht zu dem Geschehen.

Gesicherte Angaben zum Motiv des mutmaßlichen Angreifers gibt es bislang nicht. Das israelische Nachrichtenportal »ynet« meldete, der tatverdächtige Co-Pilot stamme aus Oman. Nach erster israelischer Einschätzung soll es sich um einen Einzeltäter handeln, wie der TV-Sender Kan berichtete. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation Drahtzieher des Vorfalls sein könnte, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Flydubai teilte mit , dass die Flüge von und nach Israel ausgesetzt werden, solange die Untersuchungen andauerten.

Modi: »Indien ist stolz«

Der indische Premierminister Narendra Modi hat den großen Mut und Einsatz des Flugkapitäns gewürdigt. Der indische Kapitän sei ein »Held«, schrieb Modi auf der Plattform X . Indien sei stolz auf ihn. Mit seinem heldenhaften Einsatz habe er dazu beigetragen, Hunderte von Leben zu retten und eine große Tragödie abzuwenden. »Wir beten für seine schnelle Genesung, neue Kraft und Gesundheit«, schrieb der indische Premierminister weiter.

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul zeigte sich nach einem Telefonat mit seinem israelischen Kollegen Gideon Sa’ar erleichtert, »dass die versuchte Entführung und womöglich noch weit Schlimmeres verhindert werden konnte«. Nun müssten die Hintergründe schnell und vollständig aufgeklärt werden.

Es sei der Tapferkeit des Piloten und weiterer Passagiere zu verdanken, dass ein Absturz in letzter Sekunde habe verhindert werden können, so Wadephul. Ein Absturz wäre eine »totale Katastrophe« gewesen, die sehr viele Menschenleben gekostet, aber auch in der angespannten Situation in der Region und im israelischen Wahlkampf für erhebliche Unruhe gesorgt hätte. In Israel wird Ende Oktober das Parlament neu gewählt.

aar/fhi/dpa