Erneute Übernahmespekulationen nach einem Bericht der »Financial Times« (»FT«) haben die Aktien von Evonik am Freitagmittag in die Höhe getrieben. Mit elf Prozent Plus auf knapp über 20 Euro erklommen sie das höchste Niveau seit Mai 2025. Aktien von BASF sackten am frühen Nachmittag um mehr als drei Prozent ab.
Die Ludwigshafener wollen mit einer Übernahme von Evonik ihren globalen Fußabdruck und ihr Portfolio vertiefen, um im schwierigen Branchenumfeld besser zu bestehen, meldete die Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. Bei BASF hieß es dazu nur: »Grundsätzlich kommentieren wir keine Marktgerüchte oder Spekulationen.« Evonik und die RAG-Stiftung als Großaktionär von Evonik wollten der »FT« zufolge keine Stellung nehmen. Der Deutschen Presse-Agentur bestätigte Evonik eine unverbindliche Ansprache durch die BASF SE zu einem möglichen Übernahmeangebot.
Bereits Anfang der Woche hatte das Magazin »Dealreporter« über angebliches Interesse von BASF an Evonik berichtet. Seither haben sich Evonik-Aktien sukzessive erholt, nun mit kräftigem Schwung.
Der »FT« zufolge würde die mit einer Marktkapitalisierung von 8,4 Milliarden Euro bewertete Evonik auf eine erhebliche Übernahmeprämie dringen. Der Unternehmenswert einschließlich Nettoverschuldung belaufe sich auf rund zwölf Milliarden Euro, hieß es. BASF führe seit Anfang des Jahres Gespräche mit Banken über eine mögliche Übernahme und arbeite weiterhin an einer potenziellen Transaktion, berichtete die »FT«.
Ankeraktionär von Evonik ist die Essener RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile hält. Sie will aber ihre Abhängigkeit von der Chemieindustrie verringern und hatte erklärt, den Anteil perspektivisch auf 25,1 Prozent abschmelzen zu wollen. Ein Zusammenschluss könnte eine Konsolidierung der zersplitterten europäischen Chemieindustrie anschieben. Zusammen kämen die Unternehmen auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 75 Milliarden Euro.
Evonik befindet sich aktuell mitten im Umbau. Der Essener Konzern hatte bereits im Juni angekündigt, bis Ende 2029 rund 3200 Arbeitsplätze zu streichen, 2150 davon in Deutschland. Von den Töchtern Oxeno und Syneqt mit rund 4300 Beschäftigten will sich der Konzern trennen. Inklusive bereits umgesetzter Sparprogramme könnte die Belegschaft von Evonik damit um insgesamt rund 10.000 Menschen schrumpfen.
Interimschef Claus Rettig will den Konzern auf profitable Kerngeschäfte konzentrieren und mit den Einsparungen Raum für neue Investitionen schaffen. Zwar lasten hohe Energiekosten und Preisdruck aus Asien auf der Branche in Deutschland, doch hatte Evonik in den vergangenen Monaten von Lieferengpässen asiatischer Konkurrenten profitiert, die unter den Folgen des Irankriegs leiden. Evonik hatte deshalb im August von einer »Sonderkonjunktur« gesprochen, die Essener hatten ihre Jahresprognose angehoben. »Wir werden ein gutes Jahr haben«, hatte Rettig erst Anfang der Woche gesagt.
Auch BASF baut seit einiger Zeit Stellen ab, um die Kosten im Griff zu halten. Von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 habe das Unternehmen weltweit rund 7000 Stellen abgebaut, teilte das Unternehmen Ende Juli zur Halbjahresbilanz mit. Dank steigender Preise konnte BASF-Chef Markus Kamieth allerdings die Gewinnprognose für das laufende Jahr anheben.
