SpOn 08.09.2026
12:20 Uhr

Erziehung: Warum falsches Lob Kinder eher zum Schummeln verleitet


»Du bist so schlau«: Viele Eltern preisen ihre Kinder nach Erfolgen, um sie anzuspornen. Die Komplimente können jedoch ungewollt nach hinten losgehen.

Erziehung: Warum falsches Lob Kinder eher zum Schummeln verleitet

Wenn Kinder Erfolg haben, freuen sich die Eltern teils mehr als die Kinder. Sie lobpreisen den Nachwuchs für seine Leistungen, würdigen überschwänglich deren Intelligenz und Geschick – in der Hoffnung das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken. Laut einem Verhaltenstest kann das jedoch unbeabsichtigte Konsequenzen haben.

In einer Studie  mit mehr als 200 Fünf- bis Sechsjährigen schummelten Kindern häufiger, wenn man sie zuvor für ihre Intelligenz gelobt hatte.

Während des Experiments sollten die Kinder zunächst eine einfache Zählaufgabe lösen. Einem Teil der Kinder wurde daraufhin gesagt, sie hätten die Aufgabe richtig gelöst, weil sie so schlau seien. Anderen wurde ihr Erfolg damit erklärt, dass sie sich angestrengt hätten oder die Aufgabe einfach war. Bei den übrigen wurde das Ergebnis nicht weiter kommentiert.

Erst loben, dann schummeln

Dann begann der eigentliche Teil des Experiments: Die Kinder sollten einfache Aufgaben auf einem Zettel lösen. Sie bekamen dafür fünf Minuten Zeit. Dann gab der Betreuer vor, er müsse den Raum verlassen – ein Wecker würde aber klingeln, wenn die Zeit um sei. Das Kind solle dann unbedingt aufhören.

Gut zwei Drittel der Kinder, die zuvor für ihre Intelligenz gelobt worden waren, nutzten die Chance zum Betrügen und knobelten auch nach den fünf Minuten weiter. Bei den anderen Kindern waren es nur halb so viele.

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Das Forschungsteam schließt daraus, dass durch das Lob zur Intelligenz wahrscheinlich der Druck auf das Kind steige, weiterhin gute Leistungen zu erbringen und sie deshalb eher schummeln. Auch andere Experten warnen, solch ein Druck könne dazu führen, dass Kinder von vornherein Aufgaben verweigern, wenn sie merken, dass sie diese nicht perfekt lösen können. Statt die Intelligenz könnten Eltern etwa loben, wie sehr sich ein Kind angestrengt habe.

Die aktuelle Studie ist nicht repräsentativ, dafür haben zu wenige Kinder teilgenommen. Aber sie reiht sich ein in ähnliche Forschungsergebnisse : Laut einer Untersuchung schummeln etwa Kinder häufiger, wenn sie streng erzogen werden.

Schummeln ist normal

Grund zur Sorge ist Schummeln an sich jedoch nicht. Laut Fachleuten gehören harmlose Betrügereien zum normalen Reifeprozess. So gibt es etwa Hinweise, dass schon Grundschüler strategische Entscheidungen beim Schummeln treffen: Sie müssen etwa abwägen, wie wahrscheinlich es ist, erwischt zu werden und welche Folgen das hätte. Mit der Zeit lernen Kinder dadurch, wann es okay ist, mal zu schummeln und wann nicht.

Auch Neugier kann zum Schummeln verleiten. In einem Standardtest etwa wird Kindern eine verschlossene Kiste vorgesetzt, mit dem Hinweis, darin sei Spielzeug. Dann werden die Kinder allein im Raum gelassen und gebeten, nicht in die Kiste zu schauen. Meist öffnen mehr als 90 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen die Kiste, sobald sie allein sind.

Spielen ist essenziell für die Entwicklung, wird aber meist aus erwachsener Perspektive betrachtet. Hier lesen Sie, wie Kinder wirklich spielen wollen und was das für Eltern bedeutet.

koe