Blender oder Macher? Wenn Menschen besonders selbstsicher auftreten, kommt schnell die Frage auf, wie viel Können tatsächlich dahintersteckt. Laut einer gängigen Theorie in der Psychologie sind es gerade die Inkompetenten, die sich allzu oft maßlos selbst überschätzen.
Doch stimmt das überhaupt? Zwei britische Forscher haben zumindest Zweifel daran: Der bekannte Dunning-Kruger-Effekt könnte laut ihnen auf einem statistischen Irrtum beruhen. Es spreche viel dafür, dass es im Gegenteil eher die Fähigsten sein könnten, die sich stark überschätzen. Zuvor hatte die »Welt« darüber berichtet.
Zu dumm, um es zu merken?
Aufgestellt hatten die Theorie die Sozialpsychologen David Dunning und Justin Kruger vor fast dreißig Jahren. Sie hatten in Studien festgestellt, dass Menschen mit wenig Wissen ihre Fähigkeiten erstaunlich hoch einschätzten – bei Grammatik, logischem Denken, Humor. Die beiden präsentierten dafür auch eine mögliche Erklärung, die sich grob so zusammenfassen lässt: Wer inkompetent ist, merkt es eben nicht.
Doch an dieser Deutung haben die Verhaltensforscher Chris Dawson von der University of Bath und David de Meza von der London School of Economics and Political Science ihre Zweifel.
Gemessen wird der Dunning-Kruger-Effekt etwa mit einem Multiple-Choice-Wissenstest. Die Testpersonen werden gebeten, die richtigen Antworten anzukreuzen. Danach sollen sie einschätzen, wie gut sie abgeschnitten haben. In den Tests gaben sich in der Regel diejenigen besonders selbstbewusst, die in Wahrheit die wenigsten Punkte hatten. Menschen, die hohe Punktzahlen erreichten, schätzten ihre eigene Leistung dagegen eher verhaltener ein.
Alles nur Glück?
Allerdings, so argumentieren nun die britischen Forscher, werde in der Rechnung ein entscheidender Faktor nicht ausreichend berücksichtigt: der Zufall. So könnten einige etwa durch reines Pech schlechter abschneiden als andere oder an missverständlichen Fragen scheitern. Andere dagegen könnten einfach durch Glück besonders häufig richtig liegen.
Die Forscher nutzten ein statistisches Modell, das neben den Testergebnissen und der Selbsteinschätzung auch zufällige Schwankungen berücksichtigte. Nach dieser Korrektur verschwindet der Dunning-Kruger-Effekt – und kehrt sich laut der Analyse womöglich gar ins Gegenteil: Demnach waren die leistungsstarken Menschen eher selbstsicher als diejenigen, die im Test eher schlecht abschnitten. Auch vorherige Studien hatten Zweifel ergeben, wie stark der Dunning-Kruger-Effekt wirklich ist.
Ihr Ergebnis schließe nicht aus, dass einige inkompetente Menschen nicht in der Lage seien, ihre eigenen Fehler zuverlässig zu erkennen, schreiben die britischen Forscher im Fachblatt »Psychological Review« . Vielmehr bezweifeln sie, dass sich allein aus der Statistik direkt Eigenschaften ablesen lassen.
Es gibt andere Tests, mit denen Forscher messen können, wie egoistisch, gierig und gehässig Menschen sind. Hier können Sie testen, wie viel Böses in Ihnen steckt.
