SpOn 09.09.2026
13:15 Uhr

Covenant: US-Rüstungsfirma will Marschflugkörper bei Leipzig produzieren


Ab Anfang 2027 will das Rüstung-Start-up Covenant mit der Massenproduktion von günstigen Marschflugkörpern im Raum Leipzig beginnen. Nach SPIEGEL-Informationen zeigt die Bundeswehr großes Interesse an den Systemen.

Covenant: US-Rüstungsfirma will Marschflugkörper bei Leipzig produzieren

Das US-Rüstungsunternehmen Covenant will in Sachsen eine umfangreiche Produktion weitreichender Marschflugkörper aufbauen. Im ersten Jahr sollen etwa tausend Stück entstehen, später bis zu 5000 pro Jahr, teilte Covenant-Chefin Abigail Denburg mit.

Die Produktion des Marschflugkörpers »Anthem« soll demnach Anfang 2027 im Raum Leipzig für europäische Kunden beginnen. Das Unternehmen hat auch noch eine Fabrik in Dallas zur Versorgung der US-Streitkräfte. »Anthem« kann einen 200 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen. Zu Medienberichten, wonach die Reichweite 1500 Kilometer beträgt, äußert sich das Unternehmen nicht. »Anthem« wird als Waffe für Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet (»deep strike«) bezeichnet.

Das Unternehmen will das Waffensystem deutlich günstiger anbieten als bislang auf dem Markt verfügbare Systeme. Covenant erklärt dazu, »Anthem« werde einen sechsstelligen Betrag kosten, also weniger als eine Million, während andere Waffensysteme dieser Art üblicherweise mehrere Millionen Dollar pro Stück kosten.

Erste Gespräche mit der Bundeswehr laufen schon

Nach SPIEGEL-Informationen ist die Bundeswehr sehr interessiert, Marschflugkörper von Covenant zu kaufen. Bei einem Besuch in Israel hat sich Rüstungsstaatssekretär Jens Plötner kürzlich bereits die Produkte der US-Firma vorführen lassen. Die Militärs bei der Bundeswehr wollen so schnell wie möglich weitreichende Marschflugkörper einkaufen, da die Truppe bisher bis auf das System »Taurus«, das gegen militärische Ziele in einer Entfernung bis zu 700 Kilometer treffen kann, über keine Fähigkeiten dieser Art verfügt.

Die deutlich günstigeren Modelle von Covenant wären für die Bundeswehr eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Fähigkeiten für Angriffe weit hinter den feindlichen Linien. Im Ministerium heißt es dieser Tage, die Covenant-Marschflugkörper würden intensiv betrachtet. Auch das Beschaffungsamt der Bundeswehr sei schon mit dem Unternehmen in Kontakt, konkrete Vertragsverhandlungen aber gebe es noch nicht. Attraktiv an Covenant sei vor allem, dass die Firma in Deutschland schon 2027 mit der Produktion beginnen will.

Generalleutnant a.D. Andreas Marlow (Mitte) 2023

Generalleutnant a.D. Andreas Marlow (Mitte) 2023

Foto: Christian Charisius / dpa

In Deutschland hat Covenant nach eigenen Angaben Generalleutnant a.D. Andreas Marlow als Berater. Er war bis 2025 Stellvertreter des Heeresinspekteurs und leitete von 2022 an auch die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper sei »das fehlende Puzzlestück in unserer Abschreckungsarchitektur«, wird Marlow zitiert.

Deutschland und die europäischen Nato-Verbündeten bemühen sich derzeit, weitreichende Waffensysteme als Antwort auf die russische Bedrohung zu beschaffen und auch selbst zu entwickeln. Beim Nato-Gipfel in Ankara hatte sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk geeinigt.

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Covenant wurde erst 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Millionen Dollar (215 Millionen Euro) von Investoren eingeworben. Unter den Geldgebern ist auch der Founders Found, bei dem Peter Thiel zu den Mitgründern zählt. Er ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien.

Anmerkung: In einer früheren Version des Beitrags wurde Covenant als amerikanisch-israelische Firma bezeichnet. Covenant weißt darauf hin, dass die Firma rein amerikanisch ist und in Israel lediglich eine Tochtergesellschaft hat. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert.

luc/mgb/dpa/Reuters