SpOn 31.07.2026
10:01 Uhr

Ceuta: Behörden sprechen von mehr als 40.000 Menschen


Beim massenhaften Grenzübertritt in die spanische Exklave Ceuta sind offenbar 18 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung in Madrid entsendet Militär.

Ceuta: Behörden sprechen von mehr als 40.000 Menschen

Nach ersten Schätzungen aus Sicherheitskreisen sind in den vergangenen Tagen mehr als 40.000 Migranten auf irregulärem Weg nach Ceuta gelangt. Die Mehrheit von ihnen am vergangenen Donnerstag. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf das spanische Innenministerium sogar von 49.000 Menschen binnen 24 Stunden.

Es handelt sich wohl um die größte Zahl an Migranten, die je nach Ceuta gekommen ist. Im Jahr 2021 hatten mehr als 10.000 Menschen die Grenze zu der Exklave gestürmt.

Spanien entsandte angesichts der Lage Truppen in die Exklave. Regierungschef Pedro Sánchez will an diesem Freitag gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska den Grenzübergang Tarajal besuchen, wie die Regierung mitteilte. In der Nacht auf Freitag übernachteten in Ceuta Hunderte junge Migranten auf den Straßen, wie eine Reporterin der Zeitung »El País« berichtet.  Viele von ihnen trügen kaum etwas am Leibe.

Offenbar gab es beim massenhaften Grenzübertritt auch Tote. Mindestens 18 Migranten seien beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen, heißt es aus Polizeikreisen.

»Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands« sagte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas im Fernsehen.

Hunderte Migranten gelangen auch in zweite spanische Exklave

Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben Hunderte Migranten die Grenze überwunden. Etwa 400 Menschen seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope am Donnerstagabend. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.

Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven, Ceuta und Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Menschen – vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara – auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen.

Was ist der Grund für den plötzlichen Andrang?

Spaniens oberster Gerichtshof fällte am 8. Juli ein Urteil, das die Praxis der »heißen Rückkehr« für unrechtmäßig erklärte. Nach einem »devoluciones en caliente« genannten Verfahren schickten Grenzschützer Migranten in Ceuta und anderswo direkt an der Grenze zurück – ohne ein längeres Verfahren.

Bei Menschen, die schwimmend ankommen und damit keine Grenzanlagen überwinden, darf diese Praxis nun nicht mehr direkt angewendet werden.

Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni plädiert deswegen mittlerweile sogar dafür, Spanien aus dem Schengenraum auszuschließen.

Weitere Hintergründe zum Chaos in Ceuta und welche Rolle Marokko dabei spielt, lesen Sie hier. 

fhi/wal/Reuters/AP/AFP