SpOn 20.09.2026
18:49 Uhr

Antonio Tajani: Italiens Außenminister empört mit frauenverachtenden Stereotypen


Eigentlich wollte der Chef der italienischen Christdemokraten nur Werbung für seine Forza Italia machen. Stattdessen präsentierte Antonio Tajani bei einer Parteiveranstaltung frauenverachtende Stereotype.

Antonio Tajani: Italiens Außenminister empört mit frauenverachtenden Stereotypen

Das war mal ein vielsagender Ratschlag, den Italiens stellvertretender Ministerpräsident Antonio Tajani da am Wochenende zum Besten gab. Auf einer Parteiveranstaltung der christdemokratischen Partei Forza Italia, die Tajani seit dem Tod von Parteigründer Silvio Berlusconi im Juni 2023 führt, trug er folgende Heiratsempfehlung vor: lieber eine »weniger hübsche, mit einem etwas längeren Rock«.

Mit einer bezaubernden Frau könne man vielleicht »ein paar Abenteuer« erleben, dürfe aber nicht überrascht sein, wenn sie einem später fremdgeht, sagte Tajani sinngemäß. Die andere jedoch sei »zuverlässiger und ernsthafter«, sicherlich »eine gute Mutter«, so der 73-Jährige.

Drei Dinge daran sind bemerkenswert. Erstens das mittelalterliche Frauenbild, das kurze Röcke mit Liederlichkeit gleichsetzt. Zweitens die Gleichung, die Tajani aufmacht: »Weniger hübsch« bedeutet für ihn verlässlich. Drittens scheint Attraktivität für ihn eine rein äußerliche Angelegenheit zu sein.

Dass die ganze Nummer zudem als Parabel auf die italienische Parteienlandschaft gemeint war, machte die Sache für Tajani nur noch schlimmer. Andere Parteien mögen vielleicht faszinieren und verlockende Angebote machen, so Tajanis Lesart. Ehrlichkeit, Treue und Stabilität gebe es aber nur bei seiner Forza Italia. Bedeutet natürlich im Umkehrschluss: Die Opposition besteht aus Schlampen.

Renzi: »Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert«

Das konnte und wollte die Linke natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Die sozialdemokratische Oppositionsführerin Elly Schlein nannte es eine »Schande«, dass Tajani Frauen »nach der Länge ihrer Röcke« beurteile.

Tajani, der auch Außenminister ist, solle sich lieber »mit den Burkas afghanischer Frauen und nicht mit den Miniröcken italienischer Mädchen beschäftigen«, forderte denn auch der ehemalige Ministerpräsident und einstige Chef der Sozialdemokraten, Matteo Renzi. Tajani hänge »einem Frauenbild aus dem 19. Jahrhundert« nach.

Chiara Braga, Fraktionschefin der Sozialdemokraten in der Abgeordnetenkammer, verwies auf die steigende Zahl von Männern in Italien, die Frauen töten: »Diese schlimme Botschaft wirkt in eine Gesellschaft hinein, in der Frauen jeden Tag Opfer von Gewalttaten aufgrund männlichen Besitzdenkens werden.«

löw