SpOn 05.10.2026
11:14 Uhr

Altes Ägypten: Analyse von 5000 Jahre alten Knochen stützt These zu Menschenopfern


Eine Forscherin hat 5000 Jahre alte Knochen aus einer ägyptischen Grabstätte analysiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass Bedienstete oft eines gewaltsamen Todes starben, um ihre Herrscher im Jenseits zu begleiten.

Altes Ägypten: Analyse von 5000 Jahre alten Knochen stützt These zu Menschenopfern

Eine neue Studie stützt die Vermutung, dass es in der Frühzeit des Alten Ägyptens Menschenopfer gab. Demnach sind Bedienstete eines Königs aus der 1. Dynastie um 3000 vor Christus zumindest teilweise eines gewaltsamen Todes gestorben. Das zeigt eine erneute Untersuchung  von 46 Schädeln aus Gräbern der Nekropole Umm el-Qaab nahe der archäologischen Stätte Abydos am Nil: 18 davon – 39 Prozent – wiesen potenziell tödliche Knochenverletzungen auf, wie Roselyn Campbell von der US-amerikanischen Purdue University im Fachjournal »Frontiers in Environmental Archaeology« schreibt.

Überwiegend handelt es sich um längliche Brüche im Schädeldach. Eine Verletzung entstand vermutlich durch das seitliche Eindringen eines Gegenstands, eine weitere durch einen Schlag im Augenbereich. Die 46 Schädel stammen aus einer Sammlung der Universität Cambridge.

Der britische Ägyptologe Flinders Petrie, der von 1853 bis 1942 lebte, hatte sie in den 1920er-Jahren nahe Abydos aus Hunderten Nebengräbern der dortigen Königsgräber der 1. Dynastie entnommen. Die frühdynastische Periode begann mit der Vereinigung Ober- und Unterägyptens. Petrie dokumentierte die gefundenen Skelette und sandte eine Auswahl an Schädeln in seine Heimat.

Handelte es sich um eine Gefolgschaftsbestattung?

»Die meisten Verstorbenen wurden mit wenigen Grabbeigaben, etwa Keramikgefäßen, bestattet«, wird Campbell in einer Mitteilung  des Fachjournals zitiert. »Viele Gräber enthielten zudem kleine Gegenstände wie Kupferwerkzeuge, Pfeilspitzen oder kleine Elfenbeinfiguren.«

Aus Grabmarkierungen mit Namen und teilweise auch offiziellen Titeln hatte Petrie damals geschlossen, dass in den Gräbern vorwiegend Beamte der unteren oder mittleren Ebene sowie Handwerker lagen. Er vermutete eine Gefolgschaftsbestattung: Dabei werden Personen aus dem Umfeld eines Herrschers nach dessen Tod getötet.

Campbell erläutert: »In vielen Kulturen wird diese Praxis ausgeübt, weil man glaubt, dass die geopferten Personen dem Herrscher auch im Jenseits dienen werden. Zugleich kann sie jedoch auch als eindrucksvolle Machtdemonstration des Herrschers dienen.«

Analyse mit modernen Untersuchungsmethoden

Petrie hatte in seinen Beschreibungen angegeben, keine Hinweise auf Gewalteinwirkung an den Skeletten gefunden zu haben. Mit modernen Untersuchungsmethoden stellte Campbell nun jedoch an 18 Schädeln Verletzungen fest, die mutmaßlich um die Todeszeit herum entstanden. Typische Merkmale dafür sind Campbell zufolge unvollständige Brüche oder Scharnierfrakturen, scharfe Kanten sowie eine abgewinkelte Bruchfläche. Sie lassen sich von früheren Verletzungen oder Schädigungen erst nach dem Tod unterscheiden.

»Bei den Verletzungen an den erhaltenen Schädeln handelt es sich überwiegend um lineare Frakturen, die wahrscheinlich rasch zu Bewusstlosigkeit, inneren Blutungen und zum Tod führen würden«, erläuterte sie. Was genau die Verletzungen verursachte, weiß sie nicht.

Eine Steinkeule, wie sie auf verschiedenen altägyptischen Darstellungen zu sehen ist, scheidet für Campbell aus – ein Schlag damit hätte den Schädel zertrümmert. Ebenso schließt sie Stürze weitgehend aus, weil dann auch andere Knochen gebrochen wären – was Petrie vermutlich gesehen hätte.

Campbell hofft auf weitere ähnliche Untersuchungen: »Diese Studie zeigt, wie viele neue Erkenntnisse sich über die Vergangenheit gewinnen lassen, wenn wir frühere Daten mithilfe aktualisierter Methoden und neuen Wissens wieder untersuchen – selbst bei Datensätzen, die wie dieser unvollständig und lückenhaft sind.«

lki/dpa