SpOn 02.10.2026
00:56 Uhr

Äthiopien und Eritrea: Einstige Kriegskoalition bricht Beziehungen ab


Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Afewerki galten einst als Versöhnungsmodell am Horn von Afrika. Jetzt brechen beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen ab – und ein neuer Krieg rückt näher.

Äthiopien und Eritrea: Einstige Kriegskoalition bricht Beziehungen ab

Äthiopien und Eritrea haben am Donnerstag ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Die äthiopische Botschaft in Asmara werde geschlossen, teilte die Regierung in Addis Abeba mit. Äthiopien wirft Eritrea die Unterstützung der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor. Die TPLF hatte Ende September eine Offensive in den an die Region Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar im Nordwesten Äthiopiens gestartet.

Das eritreische Außenministerium kündigte daraufhin seinerseits den Abbruch »aller diplomatischen Beziehungen mit Äthiopien an«.

Eritrea hatte sich Anfang der 90er Jahre nach einem drei Jahrzehnte währenden Krieg von Äthiopien abgespalten und sich 1993 für unabhängig erklärt. Das weit größere Äthiopien verlor dadurch den direkten Zugang zum Roten Meer.

Wegen eines Grenzkonflikts führten die beiden Länder am Horn von Afrika von 1998 bis 2000 erneut Krieg gegeneinander. Rund 80.000 Menschen starben. 2018 nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf. Äthiopiens Premier Abiy Ahmed hatte 2019 den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen zur Versöhnung mit dem verfeindeten Nachbarn Eritrea erhalten. Die Annäherung ging so weit, dass äthiopische und eritreische Truppen gemeinsam gegen Abiys politischen Gegner vorgingen.

Einstige Kriegskoalition hat Risse bekommen

Die ungewöhnliche Allianz ist längst zerfallen. Heute wirft Abiy Ahmed Eritrea vor, Waffen an die »Volksbefreiungsfront von Tigray« (TPLF) zu liefern. Nach dem Waffenstillstand 2022 hatte die einstige Kriegskoalition Risse bekommen, da sich Eritreas Regierung in Asmara beim Vertrag übergangen fühlte.

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Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 wurden nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete die Kämpfe zwar, zentrale Vereinbarungen wurden aber nicht umgesetzt. Dazu gehören die Entwaffnung der TPLF unddie Rückkehr hunderttausender Vertriebener.

Für seine Annäherung an den Erzfeind Eritrea erhielt Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed einst den Friedensnobelpreis. Nun könnte der alte Konflikt wieder aufbrechen – und die ganze Region in die Krise stürzen. Lesen Sie hier  mehr.

jon/AFP