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30.06.2026
07:40 Uhr
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Die Brawo verschiebt ihre Vertreterversammlung erneut. Damit bleibt unklar, wie es um die kriselnde Volksbank steht, die inzwischen zu den großen Sorgenfällen des Sektors zählt.

Volksbanken stützen sich im Krisenfall gegenseitig, damit der Staat nicht einspringen muss. Michael Gstettenbauer /Imago
Eine Vertreterversammlung bei Genossenschaftsbanken ist in etwa das, was einer Hauptversammlung bei einer Aktiengesellschaft am nächsten kommt: Es ist der Ort, an dem sich Vorstände den Mitgliedern erklären müssen und der Jahresabschluss festgestellt wird. Wenn eine große Volksbank diesen Termin verschiebt, ist das deshalb mehr als eine Formalie, erst recht, wenn es sich um die Volksbank Braunschweig Wolfsburg, kurz Brawo, handelt, die derzeit in der Genossenschafts-Familie für erhebliche Unruhe sorgt.
Das gilt umso mehr, wenn die Versammlung gleich zum zweiten Mal verschoben wird. Nach SZ-Informationen sollen die Vertreter in dieser Woche die Mitteilung erhalten, dass die ursprünglich für den 16. Juli geplante Versammlung auf den Herbst verlegt werden muss. Dem Vernehmen nach will sich das neue Vorstandsmitglied Heiner Arnoldi, den der Aufsichtsrat gerade als Sanierungsexperten in das Führungsgremium geholt hat, zunächst einen Überblick über das Ausmaß des Schadens verschaffen, den Insider inzwischen auf einen „satten dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“ schätzen. Ein Brawo-Sprecher bestätigte die Verschiebung, wollte sich aber nicht weiter zu den möglichen Verlusten äußern.
Für die rund 670 Volksbanken in Deutschland bleibt damit weiter unklar, wie groß der Schaden bei der Brawo tatsächlich ist, und welcher Teil davon womöglich von der Gruppe ausgeglichen werden muss. In den vergangenen Jahren hatte bereits mehrere kleinerer Volksbanken teils aberwitzige Skandale produziert, allen voran eine als „Effenberg-Bank“ bekannte Volksbank in Schmalkalden in Thüringen. Mit der Brawo ist nun aber erstmals ein größeres Institut unter den Sorgenkindern.
Ihr langjähriger Vorstandschef Jürgen Brinkmann hatte aus der Volksbank einen kleinen Konzern mit ungewöhnlich vielen Beteiligungen geformt: Die Brawo ist nicht nur an Immobilien beteiligt, sondern auch an Fitnessstudios, Restaurants und Villen auf Mallorca, bei denen teils unklar ist, wie viel sie noch wert sind. Brinkmann, der Insidern zufolge wie ein Sonnenkönig geherrscht haben soll, musste seinen Posten jüngst räumen. Damals hieß es zudem, die Bank wolle vorsorglich bei der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) ein Antrag auf Deckungsmaßnahmen stellen. Mit anderen Worten: die Volksbank kann Verluste wohl nicht mehr eigenständig ausgleichen. Hinzu kommen wachsende Sorgen in der Gruppe, dass die Probleme von Volkswagen auch das Immobiliengeschäft der örtlichen Volksbank belasten könnten, weil die Immobilienpreise in der Region davon nicht unberührt bleiben.
Die Nervosität unter den Genossenschaftsbankern ist nicht unbegründet. Volksbanken versprechen, sich im Krisenfall gegenseitig zu stützen, damit weder der Staat einspringen muss noch die Kunden ihre Spareinlagen verlieren. Ihr Notfalltopf ist nach mehreren verlustreichen Skandalen jedoch erheblich geleert. Insgesamt mussten die Volksbanken bereits Schäden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro ausgleichen. Zwar verfügen die Volksbanken in ihren Bilanzen insgesamt über hohe stille Reserven, also Rücklagen, die nicht unmittelbar sichtbar sind. Gleichwohl ächzen gerade viele kleinere Institute unter den hohen Regulierungskosten. Sie spüren es deutlich, wenn die Beiträge zur Sicherungseinrichtung steigen.
Um künftige Stützungsfälle zu verhindern und die Solidargemeinschaft besser vor Missmanagement zu schützen, hat der Bundesverband BVR daher mehr als ein Jahr an einem Maßnahmenkatalog gearbeitet, der deutlich mehr Eingriffsrechte gegenüber einzelnen Instituten sowie einen Wertekodex vorsieht. Mitte Juni stimmte die Mitgliederversammlung des BVR der Reform der Institutssicherung mit „sehr großer Mehrheit“ zu, wie es hieß. Für die Brawo kommen die neuen Regeln aber wohl zu spät.
Fünf Rettungsfälle haben zuletzt die genossenschaftliche Bankengruppe erschüttert. Strengere Regeln sollen nun verhindern, dass aus einzelnen Krisen-Volksbanken ein Systemrisiko wird. Doch schon kündigt sich das nächste Problem an.
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