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09.03.2026
16:00 Uhr
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Bei der Kommunalwahl in Bayern sind mehrere Mönche in Kommunalparlamente eingezogen und wilde Wähler haben eine Bürgermeisterin bestimmt. Der SPD und den Grünen waren in kleinen Gemeinden große Triumphe vergönnt.

Die Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Unterfranken ist eines der größten deutschen Klöster. Die Mönche reden auch in der weltliche Gemende mit. Inago
Insgesamt rund 39 000 Ämter und Mandate in Städten, Gemeinden und Landkreisen haben Bayerns Wählerinnen und Wähler bei der Kommunalwahl am Sonntag vergeben. Die Gewählten sind so verschieden wie die Wähler – und wie die Arten, auf die sie mancherorts ins Amt gekommen sind.
Die „wilden Wähler“ in der unterfränkischen Gemeinde Tauberrettersheim haben schon im ersten Wahlgang eine neue Bürgermeisterin bestimmt. Die Einwohner des kleinen Weinorts südlich von Würzburg stimmen über ihre Bürgermeister und Gemeinderäte schon seit 30 Jahren in einer sogenannten wilden Wahl ohne vorherige Kandidaturen ab. Informationen, wer sich womöglich wählen lassen würde und wer nicht, kursieren nur informell.
Die Tauberrettersheimer schreiben die Namen ihrer Wahl dann auf leere Stimmzettel. Auf 302 dieser Zettel stand am Ende „Heike Wagner“ – eine satte Mehrheit von 69,7 Prozent für die neue Bürgermeisterin. Auf ähnliche Weise wurde der Bürgermeister im schwäbischen Megesheim gewählt, dort allerdings nicht aus demokratischer Gewohnheit, sondern aus Mangel an Kandidaten. Hier wünschten sich die Wähler mehrheitlich Ulrich Lechner.
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Die Benediktinermönche aus dem unterfränkischen Münsterschwarzach sowie aus den oberbayerischen Klöstern Sankt Ottilien und Scheyern haben ihre Sitze in den jeweiligen Gemeinderäten verteidigt. In Schwarzach am Main kam die Liste des Klosters Münsterschwarzach auf 6,2 Prozent der Stimmen. Pater Christoph Gerhard, der als Cellerar für die wirtschaftlichen Belange der Abtei verantwortlich ist, zieht dort ebenso in den Rat ein wie Pater Tassilo Lengger in den Rat der weltlichen Gemeinde Eresing. Dort holte die Wählergemeinschaft Sankt Ottilien 9,2 Prozent der Stimmen. In Scheyern errang Cellerar Lukas Christoph Wirth als Kandidat der Liste CSU/Bürgerblock Scheyern ein Ratsmandat. Im Gegensatz zu anderen Geistlichen und Ordensleuten schließen die Benediktiner ein direktes politisches Engagement in weltlichen Gremien nicht aus.
Dies gilt auch für die Benediktinerinnen, die auf der Fraueninsel im Chiemsee über Jahrhunderte den Ton angaben. In Bayerns kleinster Gemeinde, die aus der Frauen-, der Herren- und der unbewohnten Krautinsel besteht, bewarben sich die Benediktinerinnen in jüngerer Vergangenheit auch um Ratsmandate. Wegen der sinkenden Zahl an Schwestern verzichteten sie seit 2020 aber auf eine eigene Klosterliste. Cellerarin Elisabeth Barlage bewarb sich dieses Mal auf Platz fünf der Einheitsliste auf der Insel. Sie erhielt aber nur die neuntmeisten Stimmen und verfehlte knapp den Einzug in den achtköpfigen Gemeinderat. Ohne Gegenkandidat war Insel-Bürgermeister Armin Krämmer (CSU) ins Rennen gegangen. Er muss am 22. März trotzdem in die Stichwahl, weil die Wähler mehrheitlich andere Namen auf ihre Stimmzettel geschrieben haben.
Die in Bayern zuletzt nicht allzu erfolgsverwöhnte SPD kann sich ausgerechnet im zutiefst konservativen Mittenwald im oberen Isartal einen regelrechten Triumph zugutehalten. Bürgermeister Enrico Corongiu, der vor sechs Jahren in einer denkbar knappen Stichwahl den damaligen CSU-Bürgermeister verdrängt hatte, hat sein Amt nun mit stolzen 89,6 Prozent der Stimmen gegen einen neuen CSU-Kandidaten verteidigt. Bei der Gemeinderatswahl errang die SPD in Mittenwald 36,6 Prozent der Stimmen und wurde mit acht von 20 Mandaten die größte Gruppe im Rat.
In Eiselfing im Landkreis Rosenheim kann die SPD an einem Triumph des grünen Bürgermeisters Georg Reinthaler teilhaben, der ohne Gegenkandidat mit 94,1 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Beide Parteien hatten Reinthaler gemeinsam nominiert.
Im schwäbischen Günzburg wurde der 30-jährige Sozialdemokrat Michael Jahn mit 56,6 Prozent der Stimmen zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Damit löst er – mindestens bis zur Stichwahl in zwei Wochen – Memmingens Jan Rothenbacher, 33, als jüngsten OB in Bayern ab. Dieser war schon vor drei Jahren außer der Reihe gewählt worden, am Sonntag fand im Memmingen deshalb keine OB-Wahl statt.
Bayerns ehemaliger Umweltminister Marcel Huber hat sich von seiner Partei noch einmal für die Kreistagswahl im Landkreis Mühldorf in die Pflicht nehmen lassen und auf dem 60. und damit allerletzten Platz der CSU-Liste kandidiert. Die Wählerinnen und Wähler häufelten den 68-jährigen Huber dann allerdings weit nach vorn – bis auf Platz Zwei hinter dem wiedergewählten Landrat Max Heimerl.
Es wäre nur noch ein ganz kleines bisschen knapper gegangen: Grob gerundet kamen in Steinhöring im oberbayerischen Landkreis Ebersberg sowohl die amtierende Bürgermeisterin Martina Lietsch (Freie Liste Steinhöring) als auch ihr Gegenkandidat Christian Schächer von der CSU auf 50 Prozent der Stimmen. In absoluten Zahlen hatte Schächer allerdings 1165 Stimmen erhalten – und damit ganze zwei Stimmen mehr als Lietsch. Im niederbayerischen Böbrach im Landkreis Regen blieb Bürgermeister Gerd Schönberger wegen einer einzigen Stimme eine Stichwahl erspart. Er erhielt im ersten Wahlgang 442 von 883 Stimmen.
Bayerns Landräte leiten die untersten Staatsbehörden und müssen draußen im Land all das umsetzen, was in den Münchner Ministerien angeordnet wird. Notfalls bleibt aber immer ein bisschen Raum für Renitenz.
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