SZ 08.03.2026
22:07 Uhr

Kommunalwahlen in Bayern 2026: Freudenstein und Burger in Regensburg in der Stichwahl – Rother führt in Passau


CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein führt nach der Wahl deutlich, muss aber gegen SPD-Bewerber Thomas Burger in die Stichwahl. Auch in Passau entscheidet das Rennen zwischen SPD und CSU in zwei Wochen.

Kommunalwahlen in Bayern 2026: Freudenstein und Burger in Regensburg in der Stichwahl – Rother führt in Passau

Ihren Wahlerfolg hatten viele Beobachter bereits erwartet: In Regensburg liegt nach Auszählung aller Wahllokale die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein mit 37,5 Prozent der Stimmen deutlich an der Spitze. Thomas Burger von der SPD und Helene Sigloch von den Grünen lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den zweiten Platz. Am Ende setzte sich Burger mit 19,1 Prozent ganz knapp gegen Sigloch mit 18,9 Prozent durch.

Für Sigloch, die erst 2024 als Nachrückerin in den Stadtrat kam, war dieses knappe Ergebnis dennoch ein beachtlicher Erfolg. Die Wahlbeteiligung in Regensburg lag bei 56,5 Prozent. Somit gehen Astrid Freudenstein und Thomas Burger, der dem Regensburger Stadtrat seit 2002 angehört, in zwei Wochen in die Stichwahl.

In Regensburg endet mit der Kommunalwahl eine ungewöhnliche Phase der Stadtpolitik. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz‑Schwarzfischer trat nicht mehr an. Die Sozialdemokratin war 2017 ungeplant an die Spitze der Stadt gerückt, nachdem ihr Vorgänger Joachim Wolbergs (damals ebenfalls SPD) im Zuge der Regensburger Korruptionsaffäre verhaftet und suspendiert worden war. Maltz-Schwarzfischer führte die Stadt zunächst kommissarisch und wurde 2020 schließlich offiziell zur Oberbürgermeisterin gewählt. Ihre Amtszeit wurde allerdings immer wieder von der Debatte geprägt, in Regensburg gehe politisch zu wenig voran. Der Vorwurf des „Stillstands“ spielte deshalb auch im Wahlkampf eine zentrale Rolle.

Als aussichtsreichste Bewerberin galt schon lange die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein. Die frühere Bundestagsabgeordnete ist seit 2020 zweite Bürgermeisterin der Stadt und hatte die Oberbürgermeisterwahl damals nur knapp verloren – ihr fehlten weniger als tausend Stimmen. Viele Beobachter sahen sie deshalb im neuen Anlauf als Favoritin. Insgesamt traten elf Kandidatinnen und Kandidaten an. Für die SPD ging Entwicklungsingenieur Thomas Burger ins Rennen, der seit vielen Jahren im Stadtrat aktiv ist. Für die Grünen kandidierte die IT-Sicherheitsexpertin Helene Sigloch.

In Passau haben sich so manche Beobachter getäuscht, die ein knappes Rennen zwischen der CSU und der SPD vorhersagten. Dort darf die SPD das Rathaus möglicherweise weiter führen. Nach Auszählung aller Wahllokale lag Andreas Rother (SPD) mit 33,7 Prozent in Führung. Auf Platz zwei kam CSU-Kandidat Armin Dickl mit 20,3 Prozent. Beide müssen in zwei Wochen in die Stichwahl. Die Wahlbeteiligung in Passau lag am Sonntag bei 55,3 Prozent. SPD-Kandidat Andreas Rother klang am Telefon erleichtert und glücklich, als „deutlich erster“ in die Stichwahl zu gehen und sprach von einem „richtig schönen Ergebnis“. „Ich werde in den nächsten zwei Wochen richtig Gas geben und alle mobilisieren, die ich noch nicht überzeugen konnte“. Er sei ohnehin viel bei den Leuten seiner Stadt, werde aber verstärkt auch auf die Sozialen Medien wie Instagram und Facebook setzen.

Einen Schwerpunkt will Rother auf den sozialen Wohnungsbau legen, wie er noch vor seinem Sieg im Gespräch mit der SZ sagte: „Jedem soll die für ihn richtige Wohnform ermöglicht werden, sodass jeder in Passau sein Zuhause finden kann.“ Er werde den Ausbau von sozialen und bezahlbaren Wohnungen durch die städtische Wohnungsgesellschaft vorantreiben, die Nachverdichtung im Innenstadtbereich unterstützen, sowie die weitere Ausweisung von Wohngebieten in den Stadtteilen in die Wege leiten.

Die Stadt Passau nimmt politisch in Niederbayern seit Jahren eine Sonderrolle ein. Während im umliegenden Landkreis traditionell die CSU dominiert, wurde die Dreiflüssestadt fast zwei Jahrzehnte lang von einem Sozialdemokraten geführt. Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) prägte die Stadtpolitik seit 2006 und genoss über Parteigrenzen hinweg Rückhalt. Bei der Kommunalwahl trat der 65-Jährige nun nicht mehr an. Seine Nachfolge war entsprechend umkämpft.

In Dingolfing-Landau haben sich die Stichwahl-Hoffnungen von AfD-Kandidat Protschka nicht erfüllt. Ex-Ministerin Huml kommt in Bamberg nur auf den dritten Platz. In Nürnberg könnte eine CSU-Ära beginnen. Die Entwicklungen im Liveticker.

Insgesamt acht Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich um das Amt. Neben Vertretern von Grünen, FWG, ÖDP, FDP, Passauer Liste und Linken standen mit SPD-Kandidat Andreas Rother und CSU-Kandidat Armin Dickl zwei Bewerber im Fokus, die im politischen Passau schon bekannt sind. Beide gehörten bereits zur Stadtspitze – Rother als zweiter Bürgermeister, Dickl als dritter Bürgermeister – und waren mit den zentralen Themen der Stadtpolitik vertraut.

Die neue Rathausspitze übernimmt ihr Amt in einer Phase mit mehreren großen Herausforderungen. Beim Hochwasserschutz stehen wichtige Entscheidungen an. Nach den Erfahrungen mit dem verheerenden Hochwasser von 2013 werden zusätzliche Schutzmaßnahmen vorbereitet.

Hinzu kommen weitere große Aufgaben bei der Infrastruktur. Zahlreiche Brücken im Stadtgebiet gelten als sanierungsbedürftig. Besonders deutlich wurde der Handlungsbedarf zuletzt bei der Schanzlbrücke, die wegen Schäden für schwere Lastwagen gesperrt werden musste. Bereits 2024 sorgte die monatelange Sperrung der Franz-Josef-Strauß-Brücke für Sanierungsarbeiten für Frust bei vielen Autofahrern. Auch wirtschaftliche Fragen beschäftigen die Stadt. In Passau arbeiten viele Menschen in der Autozulieferindustrie, etwa beim Konzern ZF mit rund 4000 Beschäftigten am Standort. Wie sich diese Arbeitsplätze angesichts des Umbruchs in der Branche langfristig entwickeln, ist derzeit offen. In der Vergangenheit war jedenfalls immer wieder von Stellenstreichungen bei ZF die Rede.

Wer sind die neuen Bürgermeister und Landräte, wo kommt es zu einer Stichwahl und welche Mehrheiten gibt es in den Stadträten und Kreistagen? Ein Überblick in Karten und Grafiken.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: