SZ 08.03.2026
19:12 Uhr

Franken: SPD-Triumph in Fürth, Stichwahlen in Nürnberg und Erlangen


In Fürth geht der Sozialdemokrat Thomas Jung in seine fünfte Amtszeit – nahezu unangefochten. In Erlangen wird’s spannend, in Nürnberg führt CSU-Amtsinhaber Marcus König.

Franken: SPD-Triumph in Fürth, Stichwahlen in Nürnberg und Erlangen

In die zweitgrößte Stadt Bayerns, nach Nürnberg, blicken die Parteien stets mit gesteigerter Aufmerksamkeit. Bei OB-Wahlen kam die CSU dort lange nicht über die Rolle des Herausforderers hinaus. Und als es ihr doch einmal gelang, den Oberbürgermeister zu stellen – 1996 wurde CSU-Mann Ludwig Scholz Rathauschef – übernahmen nach einer Amtszeit wieder die Sozialdemokraten. Und begründeten mit Ulrich Maly eine Ära.

Genau das, eine Ära zu begründen, ist noch keinem CSU-Bewerber gelungen. Würde es dem amtierenden OB Marcus König gelingen, so wäre das historisch. In der CSU haben sie sich Chancen ausgerechnet, dass König, 45, bereits im ersten Wahlgang bestätigt werden könnte. Das gelang nicht, König kam auf rund 46 Prozent, zeigte sich aber euphorisch. Für einen ersten Wahlgang sei dies „das beste Ergebnis überhaupt“ für die CSU, er selbst sei „happy“. Man werde sich einen Sekt gönnen – und danach kämpfen.

König muss in eine Stichwahl gegen Nasser Ahmed, 37. Nach der SPD-Schlappe 2020 hatten manche vorausgesagt, die lokale Sozialdemokratie werde sich davon so schnell nicht mehr erholen. Immerhin war CSU-Mann König bei seiner Wahl erst 39 Jahre alt und gilt schon aufgrund seiner Biografie auch für jene als wählbar, die es üblicherweise mit den Werten der Sozialdemokratie halten. Als Jugendlicher besuchte König die Hauptschule und arbeitete sich in der Folge sukzessive nach oben. Auch bei der SPD sah er sich als junger Mann um, entschied sich aber für die CSU.

Alles andere als ein Lieblingsgegner also für die SPD. Zumal sich deren OB-Kandidat Ahmed erst in zwei parteiinternen Kampfkandidaturen durchsetzen musste, um zur unangefochtenen Führungsfigur der Nürnberg-SPD zu werden. Der Sohn eritreischer Einwanderer wäre, würde er Rathauschef, erster schwarzer OB einer deutschen Großstadt. Ernsthafte Hoffnungen, König im ersten Wahlgang zu überflügeln, hatte die SPD nicht. Als Hauptziel galt, einen CSU-Durchmarsch zu verhindern und möglichst viel Abstand zwischen Ahmed und die Grünen-Kandidatin Britta Walthelm zu legen. Zumindest Letzteres ist gelungen, Ahmed kommt auf 26,5, Walthelm auf gut zehn Prozent.

Ahmed zeigt sich nicht enttäuscht. An einem „herausfordernden Tag“ für die SPD sei Nürnberg eher ein „Lichtblick“. Viele hätten prognostiziert, König ziehe gleich in der ersten Runde durch. Das sei ihm deutlich nicht gelungen.

Die Grünen-Kandidatin Walthelm, Umweltreferentin der Stadt, ist als Fachpolitikerin anerkannt. In den OB-Triellen mit ihren beiden sendungsbewussten Konkurrenten aber wurde sie förmlich zerrieben. Der langgehegte Wunsch der Grünen, bei OB-Wahlen nicht vor allem Universitätsstädten ihren Stempel aufzudrücken, sondern auch in einer historischen Arbeiterstadt wie Nürnberg einen Achtungserfolg zu erringen, ist nicht gelungen.

Zur Stichwahl kommt es auch in Erlangen. Hier sind die Vorzeichen genau andersherum. In der Siemensstadt spielte die CSU in der Vergangenheit eine maßgebliche Rolle. Dass sich Florian Janik (SPD) 2014 gegen den CSU-Amtsinhaber Siegfried Balleis durchsetzte, galt als Triumph. Allerdings ist die politische Szene in Erlangen unruhig, die andauernde Debatte um die Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach hat das Klima vergiftet. CSU-Herausforderer Jörg Volleth profiliert sich als Skeptiker der Trambahn. Nach dem ersten Wahlgang liegt er mit knapp 36 Prozent vorn, der Amtsinhaber kommt auf 29 Prozent.

Wenig Spannung versprach die Wahl in Fürth. Dort kommt es zu einer fünften Amtszeit des dienstältesten Oberbürgermeisters einer Großstadt in Bayern, Thomas Jung (SPD). Er konnte in der Vergangenheit Ergebnisse von bis zu 80 Prozent einfahren, am Sonntag kam er auf 72 Prozent – ein weiterer Triumph. Jung nennt das Ergebnis selbst „sensationell“. Mit einem „schönen Ergebnis“ habe er gerechnet, damit nicht.

Außerhalb der Metropolregion Nürnberg lag der Fokus des fränkischen Interesses vor allem auf Schweinfurt und der Frage, ob dort ein AfD-Kandidat, der Hochschullehrer Thomas Felsner, in die OB-Stichwahl einzieht. In den prekären Quartieren der Arbeiterstadt ist die AfD stark. Am Ende führte Ralf Hofmann (SPD) klar, Felsner lag als Dritter sieben Prozentpunkte hinter Oliver Schulte (CSU).

Im Kreis Kulmbach wiederum endete mit dieser Wahl eine Ära: Landrat Klaus Peter Söllner von den Freien Wählern ist seit 1996 im Amt, einer der beiden dienstältesten Landräte in Bayern, gewählt mit zum Teil überragenden Ergebnissen. 2014 gewann Söllner den Landkreis mit 96,4 Prozent der Stimmen.

In Dingolfing-Landau haben sich die Stichwahl-Hoffnungen von AfD-Kandidat Protschka nicht erfüllt. Ex-Ministerin Huml kommt in Bamberg nur auf den dritten Platz. In Nürnberg könnte eine CSU-Ära beginnen. Die Entwicklungen im Liveticker.

Nun könnte erneut eine Ära beginnen. Allerdings nicht eines FW-Bewerbers, sondern eines 27-jährigen CSU-Mannes: Jonas Gleich (CSU), bislang Sprecher der Stadt Kulmbach, galt in der CSU zunächst nicht als erste Kandidatenwahl. Mehrere potenzielle Bewerber hatten eine Kandidatur ausgeschlagen, am Ende sollte der Newcomer Gleich die 30 Jahre alte CSU-Scharte auswetzen. Und hat jetzt mit 51 Prozent der Stimmen einen triumphalen Sieg hingelegt.

In Miltenberg wiederum hatten die Grünen keine großen Hoffnungen, den Landkreis für ihre Partei zu verteidigen. Vor zwölf Jahren war dort Jens Marco Scherf zum Landrat gewählt worden, damals eine mittelgroße Sensation. Scherf aber ist schwer erkrankt und hat sich aus der aktiven Politik zurückgezogen.

Diesmal hatte der Grünen-Kandidat, der 33-jährige Peter Weis, keine Chance. Der kommunalpolitisch kaum profilierte Jurist landete bei gut zehn Prozent. Beim Kampf um Scherfs Nachfolge siegte der Rettungsingenieur Björn Bartels mit 51 Prozent, er wurde unter anderem von der CSU nominiert.

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