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20.03.2026
15:52 Uhr
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Die Ermittler haben mehr als 373 000 Darknet-Domains abgeschaltet. Hunderte Nutzer wurden bereits identifiziert, auch aus dem Freistaat. Nach dem Betreiber wird international gefahndet.

Die Operation wurde auf internationaler Ebene von Europol koordiniert, federführend waren die Behörden aus Bayern. Foto: Imago
Ermittlungserfolg im Kampf gegen Kinderpornografie: Bayerische Behörden haben das nach ihren Angaben größte zusammenhängende Netzwerk von Betrugsplattformen im Darknet zerschlagen. Auf den Seiten lockte der Betreiber unter anderem mit kinderpornografischen Inhalten Pädokriminelle an, lieferte aber nach Bezahlung keine weiteren Inhalte aus. Die Lockangebote der Fake-Shops beinhalteten allerdings echte Abbildungen schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Mehr als 373 000 Darknet-Domains in dem Netzwerk wurden abgeschaltet und Hunderte Nutzer enttarnt, teilte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) auf einer Pressekonferenz am Freitag mit.
Auf insgesamt 122 Plattformen lockte der Betreiber die Nutzer an. Eine Gegenleistung erhielten diese für ihre Zahlung nicht, es handelte sich laut den Ermittlern um Betrugsplattformen. Jede Plattform wurde wiederum über Tausende Domains im Darknet ausgespielt, um dort mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Kinderpornografisches Material – es gab auch andere Inhalte in dem Betrugsnetzwerk – wurden über 90 000 Domains von 32 Plattformen verbreitet. Auf Seiten mit entsetzlichen Namen wurden Bilder von „Boys“ für 23 US-Dollar oder von „Girls“ für 45 US-Dollar angeboten, berichtete Justizminister Eisenreich. Zahlen mussten die Pädokriminellen in Bitcoin. Der Täter gelangte nach Angaben der Behörden so an Zahlungen von rund 10 000 Nutzern, im Wert von umgerechnet etwa 1,1 Millionen Euro.
„Das Verfahren zeigt auch, wie erschreckend groß die Nachfrage in diesem Bereich ist“, sagte Eisenreich. Derzeit wird gegen etwa 600 Nutzer weltweit ermittelt, 440 von ihnen konnten die Behörden schon identifizieren. An der Operation beteiligten sich insgesamt 23 Staaten. In Deutschland fanden bereits 14 Durchsuchungen gegen Verdächtige aus neun Bundesländern statt, davon in Bayern in den Landkreisen Forchheim und Main-Spessart.
Während der Ermittlungen griffen Justiz und Polizei ein, sobald sie eine Gefahr für Kinder erkennen konnten, hieß es. So wurde bereits Anfang August 2023 die Wohnung eines Familienvaters im Landkreis Starnberg durchsucht. Der 31-Jährige hatte Geld an eine Darknet-Plattform gezahlt, um kinderpornografische Videos und Bilder zu kaufen. Die Beamten konnten den Mann bei ihrem Zugriff daran hindern, entsprechende Daten zu löschen. Der 31-Jährige ist bereits rechtskräftig verurteilt, hieß es.
Die Straftaten seien weniger, die Aufklärungsquote höher, sagt Innenminister Joachim Herrmann. Doch das gilt nicht für alle Delikte.
Auf internationaler Ebene wurde die Operation von Europol koordiniert, federführend waren die Behörden aus Bayern. Am 17. März beschlagnahmten die Ermittler insgesamt 105 Server, auf denen sich die 373 000 Darknet-Seiten befanden. „Wir gehen davon aus, dass wir tatsächlich die Mehrheit aller Domains, die überhaupt im Darknet online sind, unter unserer Kontrolle haben“, sagt Stephan Schäl, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI). Diese Schwerpunkteinheit der bayerischen Justiz ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt. Allein vergangenes Jahr hat das ZKI mehr als 7500 Verfahren aus dem Bereich Kinderpornografie und sexueller Missbrauch von Kindern erfasst.
Um das gewaltige Netzwerk ausleuchten zu können, nutzte das ZKI Tools wie den „Dark Web Monitor“, eine Art Suchmaschine für das Darknet, oder „GraphSene“ zur Analyse von Zahlungsströmen mit Bitcoins. Die Behörden können dadurch die Kryptowährungsströme auswerten und so zu legalen Zahlungsdienstleistern gelangen. Die dortigen Daten echter Personen konnten mit Käufen auf Darknet-Plattformen verknüpft werden.
Dem bayerischen Landeskriminalamt und dem ZKI gelang es mit der Unterstützung weiterer Behörden auch, den mutmaßlichen Betreiber des Netzwerks zu identifizieren. Es handelt sich dabei laut der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg um einen 35-jährigen Chinesen. Die Staatsanwaltschaft konnte einen Haftbefehl gegen den Mann erwirken, nach ihm wird international gefahndet. Ob bei einer möglichen Verhaftung des Mannes eine Auslieferung nach Deutschland erfolgt, ist nach Angaben von ZKI-Leiter Schäl unklar. Die Ermittlungen in dem Komplex werden noch einige Zeit andauern.
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