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03.09.2026
15:11 Uhr
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Die besten Spielerinnen wechseln nach England, in die Champions League schafft es nur noch der FC Bayern. Deutschland erlebt schwere Zeiten für Profi-Fußballerinnen – die Bundesliga erwägt eine Revolution.

Am Mittwochabend wurden dem deutschen Frauenfußball einmal mehr die Grenzen aufgezeigt, wie schon den ganzen Sommer über. Diesmal spielte sich das Drama in Mailand und Paris ab, in der Qualifikation für die Champions League – die wie im Männerfußball der effizienteste Weg ist, um an die größeren Geldtöpfe zu kommen, wenn auch auf viel niedrigerem Niveau. Doch darauf dürfen nun Inter Mailand und Paris Saint-Germain hoffen, die am Mittwoch den VfL Wolfsburg (4:5 im Elfmeterschießen gegen die Italienerinnen) und Eintracht Frankfurt (1:5 nach Verlängerung gegen die Französinnen) in Rückspielen besiegten.
Die Frauen-Bundesliga hat damit an einem Abend zwei mögliche Vertreterinnen im wichtigsten internationalen Wettbewerb verloren, was insbesondere für Wolfsburg bitter ist. Aus italienischer Sicht nämlich war das Ergebnis beinahe eine Sensation: Die Frauenabteilung von Inter Mailand galt bislang nicht als internationaler Maßstab und hatte sich noch nie zuvor für die Königsklasse qualifiziert, während die Wolfsburgerinnen 2013 und 2014 sogar den Titel gewannen. „Jetzt fühlt sich alles erst mal sehr leer an“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch nach dem Ausscheiden. Was nicht nur für die Wolfsburgerinnen ein passendes Fazit war, nach diesem Sommer.
Die gesamte Bundesliga fühlt sich seit dem Saisonstart etwas leerer an. Ein Blick in die Transferbilanz gibt Aufschluss: Da ist in den vergangenen Monaten ein beachtlicher Ausverkauf erfolgt, inklusive prominenter Namen und deutscher Nationalspielerinnen. Nicole Anyomi etwa wechselte aus Frankfurt zu den London City Lionesses, Selina Cerci von der TSG Hoffenheim und Lisa Baum aus Leipzig schlossen sich dem FC Arsenal an. Und vor wenigen Tagen erst verabschiedete sich Carlotta Wamser aus Leverkusen. Die kolportierte Ablösesumme von 650 000 Euro für ihren Transfer zu Manchester City war die höchste, die bisher für eine Bundesligaspielerin bezahlt wurde. Dicht gefolgt allerdings von den 600 000 Euro für Lisa Baum.
Der Trend geht im Frauenfußball klar zu Transfers nach England, und das seit Jahren: Eine ganze Auswahl an Nationalspielerinnen hat in der Women’s Super League (WSL) angeheuert: Sjoeke Nüsken (FC Chelsea), Lea Schüller (Manchester United) oder Sydney Lohmann (Manchester City) sind den Weg schon in den vergangenen Jahren gegangen. Aus nachvollziehbaren Gründen.
Die WSL stellt eindeutig das attraktivste Frauenfußball-Produkt in Europa dar, mit großer Konkurrenz um die Ligaspitze und entsprechend hoher Wettbewerbsqualität. Das liegt in erster Linie an den bemerkenswerten finanziellen Möglichkeiten auf der Insel, allen voran in London: Die City Lionesses wurden kürzlich von der amerikanischen Milliardärin und Multi-Klub-Besitzerin Michele Kang gekauft, was unter anderem den Transfer der mehrmaligen Weltfußballerin Alexia Putellas ermöglichte. Putellas verdient nun in London nach Medienberichten 1,7 Millionen Pfund im Jahr. Dazu kommt der infrastrukturelle Aufwand, der in England inzwischen betrieben wird: Brighton & Hove Albion etwa kündigte im Frühjahr an, ein eigenes Stadion für die Frauenmannschaft zu bauen. Nicht minder sensationell: Manchester City, darauf verwies der Spielerinnenberater Jörg Neblung kürzlich im NDR, habe sogar „einen eigenen Koch“.
Große und kleine Faktoren tragen also dazu bei, dass inzwischen nahezu alle anderen Ligen in Europa (mit Ausnahme weniger Spitzenvereine wie FC Barcelona, Olympique Lyon oder Bayern München) eine neue Rolle eingenommen haben: Frankreich, Italien, Spanien und die deutsche Bundesliga sind zu Ausbildungsstandorten geworden. Wolfsburgs Trainer Lerch sah das bereits vor der Saison kritisch: „Ich habe schon Sorge. Da sind die Vereine gefragt, ein attraktives Umfeld zu schaffen. Auch die ganze Liga, um auf ein anderes Niveau zu kommen. Das ist eher die Warnung, dass wir da wach sein müssen.“
Die Neuaufstellung der Frauen-Bundesliga in einem vom Deutschen Fußball-Bund losgelösten Ligaverband ist bereits in vollem Gange: Am 18. September sollen auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag die Satzungsänderungen auf den Weg gebracht werden, die die Ausgliederung des Spielbetriebs möglich machen. Den Beschluss, sich vom DFB loszusagen und auch kein Joint-Venture mit dem Verband einzugehen, hatten die 14 Bundesligisten Ende Juni einstimmig gefasst. Doch womöglich bleibt das nicht die einzige Reform.
Seit einigen Wochen bestimmt eine Debatte um die Einführung von Playoffs ab der kommenden Saison die Liga. „Wir haben die Idee leidenschaftlich diskutiert im Kreise der 14 und haben uns am Ende 12:2 dafür entschieden, es zu tun“, sagte damals Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin. Die Opposition kam allerdings von der Spitze, vom VfL Wolfsburg und dem FC Bayern: „Der Versuch, die Attraktivität der Liga allein durch K.-o.-Spiele am Saisonende zu steigern, greift aus unserer Sicht zu kurz“, sagte Bianca Rech, Direktorin der Münchner Frauenfußballabteilung. Dieter Hecking, Sportchef in Wolfsburg, ergänzte: Dass womöglich die beste Mannschaft der Liga am Ende nicht Meister wird, könne „nicht im Sinne des Sports sein“. Auch Bundestrainer Christian Wück und Nationalspielerin Klara Bühl zählen zu den Kritikern: „Playoffs hast du im Pokal und am Ende in der Champions League“, sagte Bühl: „Deswegen würde ich mich als Spielerin dagegen aussprechen.“
Ein Playoff-Format soll laut den Befürwortern eine Situation wie bei den Männern verhindern, mit einem übermächtigen FC Bayern als Dauermeister an der Spitze. Bleibt tatsächlich die Frage, ob das im Sinne der Liga ist – immerhin sind die Münchnerinnen in dieser Saison nun der einzige Verein, der auf allerhöchstem Niveau mitspielen wird. Wolfsburg und Frankfurt bleibt nach dem Mittwochabend nur der Women’s Europa Cup, der kleine Schwesterbewerb der Champions League.
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