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19.06.2026
09:48 Uhr
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Wer in den USA genau hinsieht, findet Geld an Stellen, wo es selbst die Fifa nicht erwartet. Die Frage ist nur: Bringt es Glück – oder sagt es gar etwas über die US-Amerikaner aus?

Alte Gewohnheit: Jede auf der Straße oder sonst wo herumliegende Cent-Münze auf jeden Fall mitnehmen, zur Not sogar vom Fahrrad absteigen, um sie einzusammeln. Und sie daheim dann zu den anderen irgendwann mal aufgeklaubten Münzen in ein dafür bereitstehendes Schälchen legen. Gefundene Geldstücke bringen Glück, heißt es, und der Glaube an diese Maxime ist nicht schwächer geworden, als das neue Geld eingeführt worden ist. Was früher der Glückspfennig war, ist heute der Glückscent. Absolut undenkbar, jemals auch nur einen einzigen in freier Wildbahn zurückzulassen. In Deutschland findet man so viele davon übrigens nicht, die Leute halten ihr Geld zusammen.
Bei dieser Weltmeisterschaft, man hat davon gehört, geht es vor allem ums Geld, und so gesehen war das bisher, persönlich betrachtet, ein absolut herausragendes Turnier. Gefunden wurden, nur in der ersten Woche, 4 (in Worten: vier) amerikanische Ein-Cent-Münzen mit Lincolns Profilbild vorne drauf. Eine nahe der Akkreditierungsstelle beim Denkmal des Boxers Evander Holyfield in Atlanta. Eine bei der Tankstelle hier gleich neben der Unterkunft. Die zwei anderen – eine davon etwas angeschmuddelt – in der U-Bahn von Atlanta zwischen den Stationen „Five Points“ und „King Memorial“. Vier Cent in sieben Tagen, das ist eine sensationelle Quote, und auch als tendenziell pessimistischer Mensch kann man da zuversichtlich in das komplizierte Turnier starten. Was soll denn schiefgehen? Sogar das finstere Wort Geldmeisterschaft hat auf einmal einen sanfteren Klang.
Es gibt aber eine Ursache für so viele Glücksfunde. Für einen Cent – Penny nennen ihn die Amis – kriegt man nichts mehr, er ist deshalb vielen nicht mehr wichtig. „Die Amerikaner verlieren jährlich 62 Millionen Dollar, weil sie Münzen in den Müll werfen“, berichtete vor Jahren schon CBS. Und abgeschafft wird er sowieso, der letzte Penny wurde im November 2025 geprägt. Wobei aber doch eine Münze, die ihre beste Zeit zwar hinter sich hat, aber immer noch offizielles Zahlungsmittel ist, auch immer noch offiziell Glück bringen kann. Jedenfalls dem, der sie aufhebt. Und wenn es stimmt, dass viele Amerikaner sich nach dem Kleingeld nicht mehr bücken: Könnte das dann nicht auch ein Grund dafür sein, dass das Land im Ganzen inzwischen so eine unglückliche Figur abgibt?
Was die vier gefundenen Münzen aus der ersten Weltmeisterschaftswoche angeht: Sie liegen hier im Regal, schön im Trockenen, auch der runtergerockte Penny sieht wieder ganz manierlich aus. Und schon in einem Monat, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist, fliegen sie dann mit zurück nach Germany. Dort kann man Glück gebrauchen.
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