SZ 05.07.2026
08:15 Uhr

(+) WM-Kolumne „American Football“: Lionel Messi jagt Kaiserslautern


Erst war Miroslav Klose dran, als Nächster folgt Fritz Walter: Lionel Messi hat kein Erbarmen mit den alten Helden aus der Pfalz.

(+) WM-Kolumne „American Football“: Lionel Messi jagt Kaiserslautern
Fritz Walter, Kapitän der deutschen Mannschaft 1954, nach dem Gewinn des WM-Finales in Bern gegen Ungarn. Pressefoto Baumann/Imago

Beim denkwürdigen Spiel Argentinien gegen Kapverden wurde sogar bei der Liveübertragung im US-Sender Fox ganz kurz der Name Fritz Walter erwähnt. Was der Pfälzer Bub, der Held von Bern, der Kapitän von 1954 zu schaffen hat mit der Weltmeisterschaft von 2026?  Der hidden link ist, wie bei vielen Rätseln, in den Papierbergen der Statistikabteilung verborgen: Fritz Walter ist der beste Vorlagengeber der WM-Geschichte, von Assists sprechen die jungen Leute.

Walter, Verkörperung des Begriffs „mannschaftsdienlich“, hat in der fußballerischen Vorvergangenheit 1954 und 1958 neun Assists zustande gebracht, in anderen Bilanzen stehen sogar zehn, die Datenlage jener Epoche ist nicht so eindeutig wie heute. „Wir sind wieder wer“: Dieses bundesdeutsche Nachkriegsgefühl hat auch er geweckt. Aber zurück in die Gegenwart: Als Lionel Messi per Eckball das 3:2 Argentiniens gegen die Kapverdier vorbereitete, schien das seine neunte Torvorbereitung bei einer Weltmeisterschaft zu sein, wodurch er mit dem Pfälzer gleichgezogen wäre.

An dieser Stelle die nächste Neben-Statistik: die Löschung von Kaiserslauterer WM-Bestmarken. Hier wäre Messi uneinholbar vorne, nachdem es ihm bei diesem sagenhaften Turnier bereits gelungen war, den Lauterer Helden Miroslav Klose als WM-Rekordtorschütze zu entthronen. Jetzt auch noch Fritz Walter: Messi packt – vermutlich ohne es zu wissen – die Roten Teufel gleich beim rechten und beim linken Horn.

Als Deutscher muss man sich daran gewöhnen, aus allen fußballerischen Bestenlisten verdrängt zu werden. Dass es allmählich auch dem großen Fritz Walter an den Kragen geht, ist besonders schmerzhaft. Was bleibt denn eigentlich noch? Immerhin der Fritz Walter-Riesling-Sekt (aromatisch und verspielt) und natürlich das Fritz Walter-Wetter (regnerisch und windig) – in klimatisch aufgeladenen Zeiten wie diesen ohnehin dringend herbeigesehnt. Und Lionel Messi mag achtmaliger Weltfußballer sein – ein Wetter ist nach ihm bisher nicht benannt worden.

Der Weltfußballverband Fifa war es dann allerdings, der dem Vorlagenkönig Walter eine letzte Gnadenfrist einräumte. Im offiziellen Spielbericht wird Argentiniens 3:2 als kapverdisches Eigentor gewertet, weshalb Messi auch der Assist wieder weggenommen wurde. Für den langen Rest des Turniers haben deutsche Fans nun immerhin etwas, auf das sie hoffen dürfen: dass Messi keine Vorlage mehr gelingen möge und der alte Fritz in dieser Statistik vorn bleibt. Sie können uns doch nicht alles nehmen, die Berner Heldentaten sollen noch etwas weiterleben, wir waren doch mal wer.

A wie African Power, J wie Julsi, U wie Undav-Märchen – und immer wieder P wie Paraguay: Ein Glossar der wichtigsten Begriffe der Fußball-WM.

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