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06.09.2026
14:51 Uhr
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Donald Trump schickt seine Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zu Wladimir Putin und Wolodimir Selenskij. Ein Ende des Krieges ist trotz netter Worte und einer kurzen Feuerpause nicht in Sicht.

Am Samstag saßen Donald Trumps Gesandte mal wieder bei Wladimir Putin und seinen Leuten am runden Tisch, ein Foto aus dem Kreml machte in den USA schnell die Runde. Als die Gespräche des russischen Präsidenten mit Trumps Sonderbeauftragtem Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner begannen, wurde der Hausherr in amerikanischen Medien so zitiert: Es sei „keine einfache“ Situation, die man heute bewältigen müsse. „Aber bevor wir damit beginnen, möchte ich Sie bitten, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Herrn Trump, meine besten Wünsche und meinen Dank zu übermitteln“, sagte Putin demnach.
Diese nicht so einfache Situation ist der Angriffskrieg gegen die Ukraine, den Putin 2014 begonnen und seit der russischen Invasion im Februar 2022 zur Katastrophe mit Hunderttausenden Toten gemacht hat. Trump versprach im Wahlkampf 2024, er werde diesen Krieg in 24 Stunden beenden, wenn er gewählt werde. Inzwischen ist er 20 Monate wieder im Amt und führt seit sechs Monaten auch selbst Krieg, gegen Iran. Zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen hat er seine Unterhändler jetzt erstmals seit Januar wieder nach Moskau entsandt – und erstmals seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus tags darauf auch nach Kiew.
Kürzlich war CIA-Direktor John Ratcliffe in der russischen Hauptstadt und soll die Russen gewarnt haben, den Krieg auszuweiten. Der US-Präsident wiegelte derweil ab, trotz des mutmaßlichen Anschlagsversuchs Russlands auf dem Leipziger Flughafen und zahlreicher Verdachtsfälle von Sabotage in Europa. „Ich spreche mit ihm“, sagte er am Freitag. „Ich kenne ihn sehr gut. Putin hat nicht die Absicht, Nato-Gebiet anzugreifen.“ Er will sogar von Europa das Geld für die amerikanische Militärhilfe für die Ukraine einfordern, wie er am Donnerstag in seinem Netzwerk Truth Social verkündete.
Trump preist Putin immer wieder, auch trotz der russischen Unterstützung Irans. Nun schickte er also einmal mehr Witkoff und Kushner nach Moskau, er hält sie für „großartige Verhandlungsführer“. Kritiker haben dagegen den Eindruck, dass den beiden erstens die diplomatische Erfahrung fehlt und sie Putin zweitens wie Trump äußerst wohlwollend gegenüberstehen.
„Sie bringen einen Plan mit, um den Krieg zu beenden“, sagte Trump am Freitag im Oval Office. Der Krieg ist für Trump „ein Persönlichkeitsproblem zwischen Russland und der Ukraine“, denn Selenskij und Putin „hassen sich wirklich“. Außerdem beschwerte sich Trump wie üblich darüber, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen habe.
Das alles hatte man so ähnlich schon mehrfach gehört. Auch ist unklar, wie diese Friedensidee aussehen soll. Im vergangenen Jahr hatten sich Witkoff und Kushner unter anderem in Miami, wo Kushner lebt und eine Investmentfirma betreibt, in Witkoffs Golfklub mit Putins Beauftragtem Kirill Dmitrijew getroffen. Danach präsentierten sie einen 28-Punkte-Plan, der sich las, als sei er im Kreml entstanden. Der Entwurf sah unter anderem vor, dass die Ukraine ihre Streitkräfte verkleinert und außer den bereits von Russland besetzten Gebieten auch die Ansprüche auf einen Nato-Beitritt endgültig aufgibt.
Russland sollte wieder in die Weltwirtschaft aufgenommen werden. Die USA stellten der russischen Führung das Ende der Sanktionen und neue wirtschaftliche Zusammenarbeit in Aussicht. Trump machte aus seiner Sympathie für Putin nie einen Hehl und empfing ihn im August 2025 in Alaska. Witkoff und Kushner sollten offenbar auch Geschäftsbeziehungen knüpfen – Trumps Golffreund Witkoff kommt wie Trump selbst aus der Immobilienbranche, Kushner ist mit einem Finanzunternehmen reich geworden.
Die ukrainische Regierung von Wolodimir Selenskij versuchte, den höchst umstrittenen Vorstoß aus Washington mit europäischer Hilfe zu verändern. Dann ließ Trump erst Venezuela unterwerfen, danach fing sein Krieg gegen Iran an. Da geriet das Thema Osteuropa bei ihm etwas in den Hintergrund. Vereinzelte Kontaktaufnahmen von Witkoff und Kushner mit beiden Seiten brachten in den vergangenen Monaten anscheinend wenig Fortschritte.
Im September sollen die Verhandlungen mit Russland unter US-Vermittlung laut Selenskijs Stabschef Kyrylo Budanow weitergehen, wie das Portal Axios mit Bezug auf ukrainische Medien meldet. Zuletzt haben die gegenseitigen Angriffe mit Drohnen und Raketen weiter zugenommen. Das russische Militär attackiert immer heftiger die ukrainische Hauptstadt Kiew und trifft häufig zivile Ziele. So traf ein Luftangriff kürzlich ein Kinderkrankenhaus, mindestens 16 Menschen wurden getötet.
Die Ukraine leidet mittlerweile unter einem Mangel an Luftabwehrraketen, am Freitag schlug eine russische Drohne im Hauptquartier des Geheimdienstes ein. Ukrainische Flugkörper wiederum treffen immer mehr Raffinerien und Logistikzentren in Russland. Auch warnte Selenskij vor Folgen für den russischen Flugverkehr – der ukrainische Luftraum ist für zivile Maschinen längst geschlossen –, „die Zeiten, in denen der russische Luftraum sicher war, sind vorbei“, sagte er. Putin nannte das „Aufruf zum Staatsterrorismus“ und sagte, dass „man mit Terroristen nicht verhandelt“. Allerdings seien Trumps Vertreter stets willkommen.
Am Samstag ordnete Putin aus Anlass der Begegnung mit den Amerikanern eine drei Tage lange Waffenruhe an, die jedoch nur für Moskau und Kiew gilt. „Welcome to Moscows Peacemakers“, schrieb Dmitrijew zu einem Foto, das ihn beim Empfang von Witkoff und Kushner am Flughafen Wnukowo zeigt. Sie fuhren zunächst zum Lunch, auf der Fassade des Restaurants stand „Alles für den Sieg!“ Es war der Jahrestag der Gründung von Moskau – „happy holiday“ gratulierte Kushner dem Gastgaber Putin dann im Kreml zur Begrüßung, schreibt die New York Times.
Aus Russland kommen zweifelhafte Erfolgsmeldungen. Die russischen Drohnen werden immer gefährlicher. Wie ist die Lage? Der Überblick in Karten.
Putins Sprecher Dmitrij Peskow berichtete vom „guten Willen der Amerikaner“, sie würden ihre Vermittlungsbemühungen fortsetzen. Russland verlange aber weiterhin, dass die Ukraine ihre Truppen aus den östlichen, bereits weitgehend russisch kontrollierten Bezirken Donezk und Luhansk abziehe, bevor ein Waffenstillstand in Kraft treten könne. Das lehnt die Ukraine ab. Die drei Stunden dauernde Unterredung lobte Kreml-Berater Juri Uschakow als „konstruktiv, äußerst offen und vertrauensvoll“. Witkoff und Kushner hätten „eine Reihe von Ideen zu möglichen Wegen zu einer Einigung vorgelegt“.
Nach einem Durchbruch klingt das nicht. Putin hatte am Donnerstag erklärt, dass sich Russland und die Ukraine zunächst untereinander einigen müssten. An diesem Sonntag kamen Witkoff und Kushner dann mit dem Zug in Kiew an – zunächst hatten sie, geschützt durch den Waffenstillstand, mit dem Flugzeug landen wollen. Doch noch am Freitag waren die beiden Flughäfen der ukrainischen Hauptstadt beschossen worden.
„Wir setzen uns für ein Ende des Krieges ein“, schrieb Selenskij auf Telegram. „Frieden ist notwendig. Sicherheitsgarantien sind notwendig. Ein würdevoller Frieden nach dem Krieg ist notwendig. Unsere Vorschläge liegen vor.“ Man werde sehen, „welche Vorschläge Steve und Jared vorlegen und welche Antworten sie in Moskau darauf erhalten“, hatte der ukrainische Präsident in einem Video auf X gesagt, ehe er Witkoff und Kushner mit einer Umarmung begrüßte.
Aber auch er wird mitbekommen haben, wie vor allem Witkoff im Auftrag des US-Präsidenten bei Putin auftrat. „Wenn wir in den Ruhestand gehen, werden wir all diese unglaublichen Geschichten und Erinnerungen haben“, sagte er, „und Ihre wird ganz oben auf der Liste stehen.“ Bei seiner Huldigung meinte der Amerikaner den Mann im Kreml, der für den schlimmsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich ist.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde in einer früheren Version veröffentlicht und seitdem überarbeitet und aktualisiert.
Die hochrangigen US-Vertreter besuchen erstmals die ukrainische Hauptstadt. Für die Zeit ihres Aufenthaltes hat der russische Präsident eine Waffenruhe angeordnet, die nur für Kiew gilt. Andere Ziele werden weiterhin attackiert.
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