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11.03.2026
10:58 Uhr
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Das nicht genehmigte Engagement beim Fußball-Rekordmeister hatte sein Ergebnis in der ersten Runde der Oberbürgermeister-Wahl belastet. Wie hoch die bisherige Vergütung war und was nun damit geschehen soll.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) legt seine Posten im Aufsichtsrat und im Verwaltungsbeirat des FC Bayern mit sofortiger Wirkung nieder. Die Einkünfte, die er aus den Funktionen bisher erhalten hatte, will er spenden. Das hat Reiter am Mittwochvormittag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.
„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht für mich über allem“, erklärte Reiter. Die Entscheidung, die Ämter niederzulegen, sei ihm „als Bayern-Fan seit Kindheit definitiv nicht leicht gefallen“.
Nach Wochen der öffentlichen Kritik und mehreren öffentlichen Entschuldigungen versucht Reiter damit, einen Schlussstrich unter die FC-Bayern-Debatte zu ziehen. Sie hatte ihm bei der Kommunalwahl am Sonntag ein überraschend niedriges Ergebnis von 35,6 Prozent eingebracht. Am 22. März muss er sich nun einer Stichwahl gegen seinen derzeitigen Stellvertreter, den Zweiten Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) stellen, der am Sonntag auf 29,5 Prozent gekommen war.
Die Einkünfte, die Reiter seit Ende 2021 für seine Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat erhalten hatte, beziffert der OB auf 90 000 Euro, die er versteuert habe. Nun aber werde er „den gesamten Betrag“ an die sozialen Projekte „Mini München“ und „Bunt kickt gut“ spenden.
„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate oder Vergütungen“, erklärte Reiter weiter. „Ich hoffe sehr, dass das durch diese Entscheidung deutlich wird.“
Reiter war seit 2017 Mitglied des Verwaltungsbeirats beim FC Bayern. Dabei handelt es sich um ein Beratungsgremium, dem unter anderem auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) angehören, beide erhalten für ihre Tätigkeit keine Vergütung.
Mitglied des Beirats ist auch Josef Schmid, CSU-Landtagsabgeordneter und ehemalige Reiter-Stellvertreter als Münchner Bürgermeister. Er hat auf der Internetseite des Landtags bekannt gemacht, dass er als Verwaltungsbeirat 20 000 Euro pro Jahr bekomme. Die Linke im Stadtrat hatte deshalb Reiter am vergangenen Donnerstag gefragt, wie es um seine Vergütung bestellt sei. Daraufhin gab er noch am selben Tag bekannt, seit Ende 2021 auch 20 000 Euro pro Jahr bekommen zu haben.
Die Regierung von Oberbayern prüft ein Disziplinarverfahren gegen Dieter Reiter, Experten halten Konsequenzen für unausweichlich. Nun taucht auch noch ein erstaunliches Schreiben mit seiner Unterschrift auf.
Damit könnte Reiter, der als OB den Status eines kommunalen Wahlbeamten hat, gegen seine Dienstpflichten verstoßen haben. Denn Beamte müssen sich Nebentätigkeiten ab einer Vergütung von 10 000 Euro pro Jahr genehmigen lassen. Zuständig dafür wäre in Reiters Fall der Stadtrat. Eine solche Genehmigung hatte Reiter nicht. Die Regierung von Oberbayern prüft deshalb die Einleitung eines Disziplinarverfahrens.
In Gang gekommen war die Debatte, nachdem Reiter im Februar zum Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats des FC Bayern bestimmt worden war, als Nachfolger des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Mit dieser Funktion ist auch ein Sitz im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG verbunden.
Wie viel Geld er für diese Funktion bekommen sollte, hat Reiter trotz mehrerer Nachfragen aus dem Stadtrat und von Medien bisher nicht bekanntgegeben. In der Vollversammlung des Stadtrats am vergangenen Mittwoch erklärte er: „Ich kann gar nicht sagen, ob und in welcher Höhe es eine Aufsichtsrats-Entschädigung gibt.“ Laut Jahresabschluss der FC Bayern AG erhielten die neun Mitglieder im Geschäftsjahr 2024/2025 insgesamt 680 000 Euro pro Jahr.
In seiner Pressemitteilung vom Mittwoch erklärte Reiter: „Die Informationen zu allen weiteren Fragen bezüglich FC Bayern werden gerade gesammelt und in der Beschlussvorlage für den Stadtrat sowie gegenüber der Regierung von Oberbayern beantwortet.“
Das Anzapfen auf dem Oktoberfest meistert Dieter Reiter souverän, doch im Münchner Rathaus ging zuletzt viel daneben. Nun muss der SPD-OB mit einem historisch schlechten Ergebnis in die Stichwahl gegen einen jungen Grünen. Wie konnte das passieren?
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