SZ 29.09.2026
14:33 Uhr

(+) Kunst: Lady Gaga am See Genezareth


Engel und Teufelin: Keine andere Frau der christlichen Hagiografie vereint so viele Projektionen wie Maria Magdalena. Das Frankfurter Städel macht aus 20 Jahrhunderten einen fabelhaften Kunstgottesdienst.

(+) Kunst: Lady Gaga am See Genezareth
Auch die Moderne nimmt sich Maria Magdalenas an: „La sfida (Die Herausforderung)“ von Nieves González aus dem Jahr 2025.
© Nieves González Leihgabe aus Privatbesitz, VG Bild-Kunst, Bonn 2026.

Maria Magdalena gibt es nicht. Die heilige Hure mit Fellbesatz, Flagellanten-Peitsche und Fußfetisch, die mit Jesus Kinder zeugte, seine Kreuzigung bezeugt und ihn bei der Auferstehung überrascht hat, die später 30 Jahre ohne Wasser und Brot in der Provence in einer Höhle lebte und siebenmal pro Tag von Engeln in den Himmel eskortiert wurde, um sich vom göttlichen Gesang zu ernähren, die Tote erwecken konnte und Schutzpatronin der Schüler, Weinhändler, Friseure, Dirnen und Bleigießer ist, diese Frau ist eher so etwas wie eine künstliche Intelligenz, die alles darstellen kann, was man von ihr verlangt. Sündig und büßig, feministisch und lasziv, intellektuell und devot, die Maria aus Magdala am See Genezareth, der Jesus sieben Dämonen ausgetrieben haben soll, hat sie alle und noch viele mehr wieder in sich vereint – eine Verschmelzung bizarrer Phantasien über Jahrhunderte, ideal für eine fantastische Ausstellung.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verfügt im Alleingang, dass der „Erinnerungsort“ zum Kolonialismus nach Bremen kommen soll. Politiker, Historiker und Aktivisten fühlen sich aus der Debatte ausgeschlossen.

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