SZ 02.10.2026
17:07 Uhr

(+) Kleiner Knigge für Oktoberfest-Neulinge: Mit diesen acht Dingen outen Sie sich sofort als Wiesn-Tourist


In Dirndl und Lederhose wirkt selbst der Isarpreuße wie ein waschechter Münchner. Doch an diesen Ausrutschern merkt der Kenner gleich, wer noch nie auf der Festwiese war.

(+) Kleiner Knigge für Oktoberfest-Neulinge: Mit diesen acht Dingen outen Sie sich sofort als Wiesn-Tourist
Wer ist Tourist, wer Einheimischer? Kleine Nuancen können das verraten. Am Ende ist es aber auch: egal beim Feiern.
Maryam Majd/Reuthers

Die Wiesn ist ja mittlerweile ein Fest der Gleichmacherei. Waren in früheren Jahren Lederhose und Dirndl verpönt, strömen Mann und Frau, Alt und Jung, Bayer und Preuße mittlerweile fast ausschließlich in Tracht aufs größte Volksfest der Welt. Unterschiede sind rein optisch also kaum auszumachen. Doch es gibt Fallstricke, über die Auswärtige immer wieder stolpern – was Münchnern niemals passieren würde, den meisten zumindest nicht.

Die „Wiesen“ – nie im Plural

Unter den Zuagroasten im Büro, im Stammstreckentunnel oder im Restaurant hat sich nicht überall herumgesprochen, dass das Oktoberfest keine Blumenwiese ist. Und auch nicht: Dass die Wiesn zwar jeden Tag eine Vielzahl an Menschen beherbergt, aber keinen Plural hat. „Auf den Wiesn hat es uns gut gefallen.“ Mag ja sein, aber für Münchner unerträglich.

Die „Maaaß“

Die Massen strömen auch in diesem Jahr wieder zur Mass und es soll sogar welche geben, die Maß nehmen, ob auch gut eingeschenkt ist. So ist es korrekt. Zugegeben, bei der Süddeutschen Zeitung haben Redakteurinnen und Redakteure lange Zeit die „Maß“ mit scharfem S geschrieben.

Doch nach der Rechtschreibreform trudelten zur Wiesnzeit von Jahr zu Jahr mehr Beschwerdebriefe ein – und die Leserinnen und Leser hatten natürlich recht. Hermann Unterstöger notierte schließlich im Jahr 2014 endgültig: „Wir werden künftig ‚Mass‘ schreiben, analog zum Fass, aus dem sie kommt.“ Der Grund: Zwar bezieht sich der Ausdruck auf ein Hohlmaß, doch „die Sprache ist von dieser Quelle phonetisch so weit weggegangen, dass aus der Maß die Mass geworden ist“. Ein Bayer bestellt seine Mass stets mit kurz gesprochenem Vokal. Das hat auch die SZ mittlerweile verstanden.

Am letzten Tag des Oktoberfestes versammeln sich um Punkt 12 Uhr traditionell 60 Böllerschützen an der Bavaria, um das Ende des größten Volksfests der Welt einzuläuten. Der Tag dürfte größtenteils sonnig werden.

Das kleine Helle bestellen

Apropos Massen und Maße: Es gibt alle Jahre wieder Menschen, die von den Dimensionen der Bierkrüge auf dem Oktoberfest überrascht sind. Sicher: Man hat zum Beispiel als Rheinländer bestimmt schon mal davon gehört. Weil man aber ein Kölsch gewöhnlich aus 0,2-Liter-Stängelchen süffelt (das entspricht etwa der Menge, die bei einer schlecht eingeschenkten Wiesnmass fehlt) und ein Pils aus 0,3-Tulpen, mag es manchen auf der Wiesn einfallen, sich mit einem „kleinen Bier“, also einer Halben, langsam an den bevorstehenden Rausch heranzutasten. Halbe gibt’s natürlich auf der Wiesn nicht, genauso wenig wie ein „Helles“.

Wer aus 0,5-Liter-Gläsern trinken will, muss ein Weißbier bestellen, etwa in einem der Weißbiergärten auf dem Festgelände, was den Nachteil hat, dass es eben Weiß- und kein Wiesnbier ist. Kleine Biere gibt es vor und in den Zelten nur inoffiziell: Das Noagerl, also die lack gewordene Restmenge, lassen viele ohnehin stehen. Ist die Mass dann auch von vorneherein mies eingeschenkt, fließen netto nur rund 0,6 Liter die Gurgel runter. Aus fünf Mass (nach Zahlenangabe ohne Pluralendung -en) werden so drei, die Leber wird’s einem danken, der Geldbeutel eher nicht.

Noagerl-Zuzeln im Festzelt

Mancherorts sieht man Noagerl-Zuzler, die sich den abgestandenen Rest Bier noch reinwürgen, bevor sie eine neue Mass bestellen. Oder, was noch schlimmer anzusehen ist: Sparfüchse, die sich das Noagerl in die frische Mass kippen. Ja, solche Leute gibt es. Um Wiesnprofis oder Biersommeliers dürfte es sich dabei höchstwahrscheinlich nicht handeln.

Auf dem Hügel hinterm Festzelt eine Pause machen

Es ist wieder schön zu beobachten. Auf dem Hang hinter den Zelten und zu Füßen der Bavaria lassen sich Besucherinnen und Besucher nieder, um sich ein wenig vom Festzelttrubel auszuruhen. Dort ist es schattig, sie sitzen dicht gedrängt. Doch plötzlich verliert ein sitzender Lederhosenträger, Typ Superschwergewicht, die Balance. Er kugelt auf seinen Nachbarn, der ebenso eine beträchtliche Summe für Bier ausgegeben haben muss, denn auch der setzt sich in Bewegung. Welch Glück, dass sie unten Platz genommen haben, sonst wäre am Hügel mal wieder eine Partie Auswärtigen-Domino gespielt worden.

Ein Einheimischer, hat er auch noch so viele Mass Wiesnbier in sich hineingeschüttet, würde nie auch nur eine Minute auf dem Hang des Grauens pausieren. Denn er weiß: Auch wenn es ihm gelingen sollte, einem purzelnden 100-Kilo-Koloss auszuweichen, einige Milliliter Bier werden ihn mit ziemlicher Sicherheit treffen – und die werden nicht frisch gezapft serviert.

In den Promi-Zelten winken sie mit 500-Euro-Scheinen, dann knien sie auf dem versifften Klo, um eine Line zu ziehen. Und die Fahnder? Lauschen, schlagen zu –  und blicken oft in menschliche Abgründe.

Eine „Riesenbrezel“ bestellen

Die Riesenbreze gehört für Münchner zum Wiesnbesuch dazu wie der Hendlhut für Touristen. Außen herrlich resch, innen himmlisch weich. Doch manchmal passiert es, dass dem Einheimischen das Schmankerl gehörig vermiest wird. Nämlich dann, wenn jemand eine „Brezel“ bestellt.

Der passende Merksatz einer preußischen Kollegin, um diesen Fauxpas zu vermeiden: „Das L darf nicht nach Bayern einreisen.“ Auch eine Bretzel gibt es in München nicht. Unerträglich für ein Münchner Ohr ist es zudem, wenn jemand zwei „Brezen“ haben möchte. Im Plural geht das zweite E verloren wie die rund 3500 anderen Dinge, die jedes Jahr im Wiesnfundbüro landen.

Die Kleinkarierten

Es gibt ja viele echte oder falsche Modeexperten, die das weiße Hemd zum Nonplusultra der männlichen Wiesntracht erhoben haben – ob nun mit Stehkragen oder mit klassischem Kragen, ob mit Knöpfen aus echtem oder falschem Horn. Diesem Diktat der Weißhemden beugen sich aber nicht alle Männer.

Ex-Skistar Felix Neureuther etwa, des Isarpreißntums völlig unverdächtig, ließ sich schon (nicht auf der Wiesn) mit Karohemd fotografieren. Das erwies sich mit Weste und Lederhose als durchaus kleidsam und zeigte, dass Karohemd nicht gleich Karohemd ist. Seines war keines jener meist rot-weißen Exemplare, die aussehen wie Geschirrtücher, gerne mit Lederhosenimitaten aus Kunststoff kombiniert werden und deren Trägern man am liebsten spontan einen Stapel schmutziger Teller zum Spülen reichen würde. Aber mei: Jeder soll so rumlaufen, wie er sich wohlfühlt, gerne auch kleinkariert. Alles gut, solange die Herren sich nicht so verhalten, wie sie sich kleiden.

In der Rikscha zum Hauptbahnhof

Für manche mag es der eleganteste und bequemste Weg zur Wiesn sein: die Fahrt in der Rikscha. Und umweltfreundlich ist die Anreise in einem dieser dreirädrigen Fahrzeuge auch noch, schließlich werden sie von Menschen angetrieben respektive angetreten. Ein Münchner würde dennoch niemals in eines dieser Gefährte steigen, besteht doch die berechtigte Gefahr, zum Fotomotiv von Auswärtigen und Touristen zu werden. Selbst die Münchner Instagram-Schickeria, die auf dem Oktoberfest keine Gelegenheit auslässt, sich fototechnisch gekonnt in Szene zu setzen, würde sich niemals auf einem Dreirad der Lächerlichkeit preisgeben. Und der normale Münchner Wiesnbesucher mit lediglich einer Handvoll Followern bevorzugt ohnehin die klassische Anreise: mit der S-Bahn und anschließendem Fußmarsch über die Hackerbrücke oder in der vollkommen überfüllten U-Bahn. Nur so stellt sich das echte Wiesn-Feeling beim Weg auf das Oktoberfest ein.

Sie filmen heimlich unters Dirndl und stellen die intimen Aufnahmen auf Onlineplattformen: Allein beim Facebook-Konzern Meta sind 32 000 derartige Clips zu finden. Über die bislang unbekannte Dimension der Vorfälle auf dem Teufelsrad – und die Masche, mit der Profit gemacht wird.

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