SZ 07.06.2026
21:40 Uhr

(+) Film: Jafar Panahi erneut zu Haftstrafe verurteilt


Der iranische Regisseur war trotz Kriegs nach Teheran zurückgekehrt – und hatte auf eine anderslautende Entscheidung des Revolutionsgerichts gehofft. Ihm wird „Propaganda gegen das Regime“ vorgeworfen.

(+) Film: Jafar Panahi erneut zu Haftstrafe verurteilt
„Ich war immer außerhalb des Systems“, sagte Jafar Panahi im Dezember im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Friedrich Bungert/Friedrich Bungert

Je mehr das iranische Regime unter Druck gerät seit Beginn der Bombardierungen durch Israel und die USA, desto härter agiert es gegen seine Kritiker. Ein Revolutionsgericht in Teheran hat eine gegen den Filmemacher Jafar Panahi verhängte einjährige Haftstrafe bestätigt. Im Dezember vergangenen Jahres war Panahi in Abwesenheit wegen „Propaganda gegen das Regime“ verurteilt worden. Panahi war nach der Oscarverleihung, bei der sein Film „Ein einfacher Unfall“ nominiert war, nach Teheran zurückgekehrt, wo die Anklage vom vergangenen Jahr nun neu verhandelt wurde. Außer der Haftstrafe wurde ein Reiseverbot gegen Panahi verhängt, sagte sein Anwalt der iranischen Nachrichtenagentur Emtedad. Außerdem dürfe er keiner politischen Vereinigung beitreten. Eine Berufung ist noch möglich.

In der Anklage hatte es unter anderem geheißen, Panahi habe Proteste unterstützt, außerdem wurde ihm Regimekritik durch den Film „Ein einfacher Unfall“ vorgeworfen, den er heimlich gedreht hat. In dem Film geht es um mehrere ehemalige politische Gefangene, die einen Mann entführen, von dem sie glauben, er sei der Folterknecht, dem sie in Haft begegnet sind. Es entspinnt sich daraus eine Diskussion über Rache. Die Gruppe beginnt sich zu fragen, ob sie sich genauso verhalten sollten wie das Regime, das sie verfolgt.

Für „Ein einfacher Unfall“ hatte Panahi im Mai 2025 in Cannes die Goldene Palme bekommen, danach war er bei mehreren westlichen Filmfestivals. Frankreich hatte den Film für die Oscars 2026 eingereicht – und kurz darauf, Ende März, reiste Panahi nach Iran, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Krieg bereits begonnen hatte. Panahi ist in den vergangenen zwanzig Jahren mehrere Male verurteilt worden, zuletzt war er 2023 im berüchtigten Gefängnis Evin in Haft. Diese Zeit, erzählte er im Interview, sei die Inspiration gewesen für „Ein einfacher Unfall“.

Panahi gehört zu den renommiertesten iranischen Regisseuren. Angefangen hat er als Regieassistent des legendären Abbas Kiarostami. Panahi, 1962 geboren, verwendete auch ein Drehbuch von Kiarostami für seinen ersten Spielfilm, „Der weiße Ballon“, der 1995 bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Caméra d’or für das beste Debüt ausgezeichnet wurde. Panahi hat inzwischen auch frn Goldenen Löwen in Venedig (2000, für „Der Kreis“) und den Goldenen Bären bei der Berlinale gewonnen (2015, für „Taxi Teheran“).  Seine Vorgeschcihte mit der iranischen Justiz ist so lang wie die Liste seiner Auszeichnungen. Schon 2006 war er zu Hausarrest verurteilt worden, außerdem verhängte das Gericht ein Berufsverbot. Panahi drehte trotzdem weiter, in der Dokufiktion „Taxi Teheran“ sitzt er selbst am Steuer und diskutiert mit seinen Fahrgästen, unter anderem steigt auch die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh bei ihm ein.

Der iranische Filmjournalist Mansour Jahani hat über die Verurteilung berichtet. „Man muss einen wichtigen Punkt betonen: Der Text der Anklage und das Urteil selbst zeigen, dass Jafar Panahi keiner besonderen politischen Bewegung, Partei und keinem Spektrum angehört“, schrieb Jahani. „Die Liste der Anklagepunkte beinhaltet Unterstützung für individuelle Personen und Standpunkte.“ Genau das könnte man auch über den Film „Ein einfacher Unfall“ sagen.

Panahi hatte im Verlauf des vergangenen Jahres mehrfach beteuert, dass er nach Iran zurückkehren werde. „Ich war immer außerhalb des Systems“, sagte Panahi im Dezember im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Das ist so, wenn man Filme macht, die inspiriert sind von der Gesellschaft. Man ist unabhängig. Und das bedeutet auch, dass man nicht den Geschmack eines anderen bedient.“

Iranische Nachrichtenagenturen und der Filmjournalist Jahani hatten übereinstimmend vorab berichtet, dass Panahi wieder in Teheran vor Gericht gestellt werde.

Der iranische Filmemacher Jafar Panahi hat in seiner Heimat Berufsverbot. Während es in Teheran wieder schwere Unruhen gibt, kommt sein neuer Film „Ein einfacher Unfall“ in die Kinos. Eine Begegnung mit einem, der trotzdem in sein Land zurückkehren will.

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