Die Sendung dauerte schon über eine Stunde, und Jean-Marie Le Pen, der Chef des rechtsextremen Front National, begann sich offenbar zu langweilen. Immer wieder hatten ihn Journalisten mit kritischen Fragen zu seiner Vergangenheit konfrontiert, mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen sowie den Vorwürfen, er habe während des Algerienkriegs gefoltert. Nun war es ihm offenbar genug. Le Pen erhob sich und verkündete, eine Schweigeminute für die Opfer der kommunistischen Diktatur abhalten zu wollen. Er stand und schwieg, einige seiner Anhänger im Publikum taten es ihm nach. Die Herren gedachten der Opfer des Gulag, doch der Journalist Albert du Roy blieb sitzen und fragte, wie Le Pen die französischen Werften retten wolle. Die industriepolitische Frage ging in der Erinnerung an die Sendung unter; die Schweigeminute wurde zum Bild des Abends. Millionen Menschen sahen zu. Der Auftritt am 13. Februar 1984 in „L’Heure de vérité“ wurde zu einem Schlüsselmoment des medialen Aufstiegs Jean-Marie Le Pens und seiner Bewegung.
