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07.09.2026
09:28 Uhr
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Die deutsche Dermatologin und Beauty-Influencerin Emi Arpa war in Südkorea unterwegs, denn hier werden die Trends der Kosmetikbranche gemacht. Auch ohne Lidfalten-OP eine einschneidende Erfahrung.

Medizinerin mit Strahlkraft im Netz: Emi Arpa
Foto: Tim Loebbert
Schönheit ist ein hartes Geschäft, und wer sich beruflich damit auseinandersetzt, kommt irgendwann nicht um eine Reise nach Südkorea herum. Emi Arpa ist gerade aus Seoul auf der Durchreise in Tokio angekommen, in einem Hotel, das aussieht wie ein sehr schickes Museum. Vier Wochen war sie mit ihrem Mann und dem einjährigen Sohn zuvor in Südkorea, um dort über Kosmetik und kosmetische Chirurgie zu recherchieren, zwei Bereiche, in denen das kleine Land weltweit führend ist.
Die Vogue bezeichnete Emi Arpa vor drei Jahren als „Deutschlands führende Hautärztin“. Die 37-Jährige betreibt eine dermatologische Praxis in Berlin-Charlottenburg, hat eine eigene Kosmetiklinie aufgebaut und ist aktiv auf Social Media in Sachen Schönheitsberatung. Mit derzeit 691000 Followern auf Instagram könnte man sie als Influencerin bezeichnen, obwohl sie einige Kriterien ausdrücklich nicht erfüllt, die man mit diesen Persönlichkeiten verbindet. Dazu gleich mehr.
Im Moment ist Dr. Emi, wie sie bei ihren Followern heißt, vor allem noch sehr erstaunt über all das, was sie im gelobten Land der Beautybranche erlebt hat. Sie nippt an ihrem stillen Wasser, streicht immer mal wieder die dicken Haare nach hinten und erzählt von der Zukunft. „Ich habe da superviele Kliniken besucht, wo sie Lidfalten-OPs in 20 Minuten machen, die bei uns zwei Stunden brauchen“, sagt sie. „Die sind halt in allem, was Beauty betrifft, wahnsinnig weit vorne.“ Ein südkoreanischer Kollege hatte Arpa eingeladen, sich mal anzusehen, was sie so machen. Auch alle anderen Kliniken und Firmen, die sie anschrieb, waren sehr offen für einen Besuch.
Freddie Mercury und Mary Austin waren sieben Jahre lang ein Paar, bevor er sich als homosexuell outete. Nun veröffentlicht die 75-Jährige Songtexte, die sie in seinem Haus fand. Ein Gespräch über die Last seines Erbes und Liebe über den Tod hinaus.
In Südkorea ist man überaus stolz auf die landeseigene Kosmetikindustrie. Im vergangenen Jahr wurde Frankreich als bisheriger Beauty-Exportweltmeister mit Ausfuhren von mehr als elf Milliarden Dollar pro Jahr überholt. K-Cosmetic ist mittlerweile ein Gattungsbegriff wie K-Pop, von BTS bis Blackpink, oder K-Drama, von „Squid Game“ bis „Crash Landing on You“.
Wer in der Innenstadt von Seoul durch die Straßen spaziert – und zwar egal durch welche –, wird beispielsweise an einem Olive-Young-Kosmetikshop vorbeikommen, wo Touristinnen tatsächlich säckeweise Produkte rausschleppen. Sogar die Säcke bekommt man bei Olive Young. Es buchen laut einem Bericht der Korean Times auch immer mehr Touristen Termine in dermatologischen Kliniken in Seoul, „dank Beauty-Content auf Youtube, Instagram und Tiktok sind junge Menschen weltweit mit koreanischer Hautpflege, Kliniken und Apothekenprodukten vertraut“, wie die Zeitung schrieb.
Laut der Koreanischen Tourismusorganisation gaben ausländische Besucher allein im Mai dieses Jahres mehr als zwei Billiarden Won (etwa 1,12 Milliarden Euro) für Schönheit aus. Die Ausgaben in Hautpflegegeschäften stiegen im Vergleichszeitraum zum Vorjahr um 153,9 Prozent, dermatologische Kliniken verzeichneten einen Zuwachs von 85,5 Prozent, die Ausgaben in Apotheken stiegen sogar um 206,1 Prozent. Emi Arpa ist also nicht allein mit ihrem Interesse an den Schönheitsangeboten aus Südkorea.
Natürlich war sie in einigen Olive-Young-Geschäften, „wo die Produkte vor allem fancy aussehen, da ist aber viel Käse dabei“. Sie war auch in Apotheken, wo man Produkte findet, die in Deutschland schwer zu bekommen sind, allein wegen der Zulassungsbestimmungen. „Man muss den Menschen eigentlich sagen: Geht in die Apotheken in Korea und holt euch die Sachen dort, weil die finde ich richtig gut“, erzählt Emi Arpa, was noch mal deutlich macht, warum sie keine Influencerin im klassischen Sinn ist. Dafür ist sie schlicht zu ehrlich.
Wer Dr. Emi auf Instagram folgt, bekommt rückhaltlos Botox-Injektionen empfohlen, denn das findet sie gut, auch schon für jüngere Frauen. Falten müsse man quasi an der Entstehung hindern. Dass man auf Arpas sehr heller Haut kaum eine Falte entdeckt, versteht sich fast von selbst. Allerdings unterscheidet sie präzise zwischen medizinischen und ästhetischen Problemen. Immerhin wollte sie früher mal in die Forschung gehen und sich mit chronischer Schuppenflechte auseinandersetzen, dagegen gibt es nichts Wirksames bei Olive Young. Arpa bewertet allerdings auch regelmäßig Drogerieprodukte, sagt also auch deutlich, was gar nichts oder wenig bringt und hat sich so ihre Gefolgschaft im Netz erarbeitet.
Da wäre zum Beispiel die Sache mit der Hyaluronsäure, „die hat unterschiedliche Molekülgrößen. Die langkettige Variante beispielsweise eine relativ hohe Molekülgröße von etwa 1300 Kilodalton, das passt gar nicht durch die Hautbarriere. Es gibt sie aber auch als kurzkettige Varianten, da sind die Moleküle viel kleiner. Die können Studien zufolge tiefer in die Haut eindringen, aber auch nicht besonders doll“, erklärt Arpa in einer Mischung aus akademischer Genauigkeit und Plauderton. Man erziele also für ein paar Stunden einen „pralleren Hauteffekt“, aber: „Füllt es wirklich eure Hyaluronsäurespeicher, die ihr über die Jahre verloren habt? Nein. Das ist ein Mythos.“
Aussagen wie diese sind selten im Beauty-Business. Frauenzeitschriften berichten fast ausschließlich vom Nutzen der Produkte, denn immer noch sind die Verlage abhängig von den Anzeigen der großen Kosmetikhersteller. Und die meisten Beauty-Influencer sind noch schlimmer, weil sie im Grunde dafür bezahlt werden, etwas, das früher als Werbung bezeichnet worden wäre, als eigene Meinung auszugeben. Emi Arpa hat von Anfang an keine Werbung auf Social Media gemacht, als approbierte Ärztin unterliegt sie da engen gesetzlichen Richtlinien.
Sie wollte aufklären, ihr dermatologisches Wissen teilen, „dafür muss man allerdings authentisch bleiben.“ Das führte dazu, dass sie Anrufe von Kosmetikherstellern bekam, die ihr klarmachen wollten, dass sie solche Sachen doch lieber mal nicht mehr sagen sollte, wenn sie weiterhin auf Kongresse eingeladen werden will. „Natürlich nur durch die Blume und nie schriftlich“, sagt Arpa und rollt mit den Augen. Kongresse allerdings gebe es genug, und im Zweifelsfall fühlt sie sich ihren Kundinnen und Kunden mehr verpflichtet – und eben auch den Menschen, die ihr auf Social Media folgen und vertrauen. Menschen, die vielleicht gar keinen guten Hautarzt in der Nähe haben.
Mit ihrer Praxis hat sie sich vor fast sechs Jahren selbständig gemacht, kurz darauf ging die Pandemie um die Welt, und Emi Arpa hatte plötzlich Zeit, sich mit Social Media auseinanderzusetzen. Sie fing an zu experimentieren, wie lange dürfen Beiträge sein (kurz), wie persönlich sollten sie sein (sehr). Daraus hat sie eine Insta-Persönlichkeit entwickelt, die wie eine coole Freundin spricht, die zufällig Medizin studiert und sechs Jahre lang ihren Facharzt in Dermatologie gemacht hat. „Es gab Kollegen, die fanden das cool, aber die Mehrheit hat es belächelt.“
Sie ermitteln Puls, Herzfrequenz und Atmung, aber nicht alle messen präzise. Ein Schlafwissenschaftler hat sieben Tracker für die Nacht getestet.
Dabei folgt sie eigentlich dem bewährten wissenschaftlichen Prinzip, dass man seine Kenntnisse teilt, zum Wohle aller und auch um sich durch Austausch stetig weiterzuentwickeln. Dass sie das in einem „Sex and the City“-Tonfall tut, sollte einen nicht davon ablenken, dass sie blitzgescheit und kompetent ist.
Als die Pandemie vorüber war, hatte Emi Arpa bereits mehrere Hunderttausend Follower und einen vollen Terminplan in ihrer Praxis, in der sie mittlerweile noch drei Ärzte angestellt hat. Auch ihrer eigenen Kosmetiklinie half die Social-Media-Präsenz, „obwohl ich immer noch in einer Mietwohnung wohne und ein Leasing-Auto fahre“, wie sie selbst ganz erstaunt sagt und lacht. Während viele Freunde aus dem Studium längst ein Eigenheim und ein eigenes Auto besitzen, gehe es halt nicht so schnell, wenn man nicht nur eine Praxis, sondern auch noch eine Marke aufbauen will, bei der mittlerweile mehr als 70 Menschen arbeiten. Das kostet Geld.
Ihr Mann Sebastian, der zu ihrem Leidwesen Sonnencreme hasst und immer mal als Basti in ihren Insta-Stories auftaucht, führt die Firma, sie leitet die Praxis und die Forschung. Sie kennen sich seit Schulzeiten, er schiebt während des Interviews den kleinen Sohn durch die Hotellobby in Tokio und macht in keiner Sekunde den Eindruck, dass er sich dabei irgendwie schlecht behandelt fühlt. Die beiden sind ein Team, das gemeinsam an der Marke „Dr. Emi Arpa Skin“ arbeitet. Er ist Halbjapaner, später besuchen sie noch seine Familie, damit die Großeltern ihren jungen Enkel erleben können.
Emi Arpa kommt aus einfachen Verhältnissen, die Eltern sind aus der Türkei eingewandert, als Emi sieben Jahre alt war. Bis zur Scheidung betrieb die Familie einen Friseursalon in Hannover. Heute unterstützt Arpa ihre Mutter finanziell, ihren Studienkredit musste sie auch erst abzahlen, „ich erzähle das alles, weil ich finde, die Leute sollen ruhig wissen, was für ein struggle das war. Das kann anderen Menschen mit Migrationshintergrund und anderen Frauen vielleicht Mut machen“.
In Südkorea war sie zum ersten Mal in ihrem praktischen Jahr, nachdem sie das Studium abgeschlossen hatte. Sie sah, dass ästhetische Operationen dort schon in sehr jungen Jahren üblich sind und „dass es kein so Tabuthema war“. Vor allem im Vergleich zu Deutschland, wo Menschen sich auch mal drei Wochen Urlaub nehmen, um danach mit gestrafften Lidern wieder zur Arbeit zu erscheinen und den Kolleginnen und Kollegen dann zu erzählen, dass man sich halt endlich mal richtig entspannen konnte. In Südkorea hingegen erscheinen die Menschen zwei Tage nach einer OP wieder in der Arbeit, mit Pflastern auf den Lidern. Es gehört zum Karriere-Lifestyle, sich zu optimieren.
„Ich finde das Konservative in Deutschland gar nicht so schlecht“, sagt Emi Arpa. Dass man sich sehr genau überlegt, was man eigentlich machen lassen möchte. Dass man nicht ganz so früh anfängt. In Südkorea fasziniert sie vor allem die Maschinerie dahinter, wie die Ärztinnen und Ärzte ihr Wissen teilen und sich gegenseitig pushen. In Deutschland hingegen habe sie das Gefühl, dass der Markt für ästhetische Behandlungen eher „ein Haifischbecken ist und dass Wissen gar nicht so gern geteilt wird.“ Immerhin gibt Emi Arpa mittlerweile auch Webinare zu dem Thema, wie man sich auf Instagram vermarktet. Sie selbst teilt ihr Wissen gern, auch mit Kolleginnen und Kollegen.
In Südkorea leben etwa 51 Millionen Menschen, es ist ein Land in feindlicher Umgebung, umringt von Nordkorea, China und Russland. Um das Land wirtschaftlich groß und wehrhaft zu machen, begann die Regierung in den 1990er-Jahren, nach jahrzehntelanger Militärherrschaft, Firmen zu fördern, die in Zukunftsmärkten aktiv sind. Das zahlt sich heute aus und könnte durchaus ein Beispiel sein für Deutschland, wo man bislang vor allem bestehende Industrien gefördert hat.
Emi Arpa war auch in großen koreanischen Kosmetik-Laboren unterwegs, „in denen jede mir bekannte Beauty-Marke hergestellt wird“. Bei diesen Firmen kann man sich, wenn man beispielsweise sehr berühmt ist, schnell eine eigene Linie zusammenrühren lassen, die man dann weltweit in die Regale stellen lässt. Oder eben kleine, exklusive Marken mit empfindlichen Zusatzstoffen aufbauen – alles nur eine Frage des Investments.
Für Emi Arpa ist das keine Option. Anfang 2027 will sie eine größere Klinik in Berlin eröffnen, da soll die Schuppenflechte genauso behandelt werden wie hängende Lider. Das kostet erst mal wieder mehr Geld, als man damit verdienen kann. Das eigene Labor ist teuer im Unterhalt, „aber ich will halt immer ganz genau wissen, was drin ist“. Sie weiß, dass ihre Authentizität ein Wert ist, der sich nur schwer simulieren und schnell zerstören lässt. Dann doch lieber weiter in die Zukunft investieren und erst mal kein Eigenheim kaufen.
Nicolai Bergmann ist ein Meister der Floristik. Mit 19 Jahren wanderte der Däne nach Japan aus und erobert von dort aus die Welt.
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