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05.08.2026
14:11 Uhr
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Marvel nutzt das Rathaus in Memmingen als Vorlage für einen Superschurken-Videoclip. Oberbürgermeister Jan Rothenbacher nimmt die Vorlage an, verkleidet sich – und lädt die Bosse des Filmimperiums ins Allgäu ein.

Oberbürgermeister Jan Rothenbacher präsentiert sich in dem Video im Dr.-Doom-Kostüm vor seinem Rathaus. Foto: Stadt Memmingen
Von einem gewaltverherrlichenden Alleinherrscher ist Jan Rothenbacher ungefähr so weit entfernt wie die Allgäuer Kleinstadt Memmingen davon, Schauplatz eines Marvel-Superhelden-Films zu werden. Und trotzdem hat sich der Oberbürgermeister jetzt eine Superschurkenmaske aufgesetzt, hat sich vor die Kamera gestellt – und hat darauf geantwortet, dass Marvel tatsächlich das Rathaus von Memmingen als fiktiven Herrscherpalast des Staates Latveria erkoren hat: als Heimat von Doctor Doom, ikonischer Charakter im Marvel-Universum, mit zentraler Rolle im kommenden Film „Avengers: Doomsday“.
„Welcome to Doomstadt“ dröhnt es also in einem Clip, den Memmingen in sozialen Netzwerken veröffentlicht hat. „Nee, nicht wirklich“, sagt Oberbürgermeister Rothenbacher dann, nimmt die Maske ab und grinst in die Kamera. „Herzlich willkommen bei uns im Memminger Rathaus.“
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Rothenbacher spielt damit auf ein Video an, das Marvel vor Wochen bereits über seine Kanäle ausgespielt hat, sozusagen als Appetithappen für den kommenden Film, der im Dezember in die Kinos kommen soll: In dem Comedy-Clip lockt Doctor Doom Touristen mit einer eher gewöhnungsbedürftigen Marketingkampagne in seinen Kleinstaat Latveria, wo Gäste, nun ja, nicht unbedingt pfleglich, dafür blutrünstig behandelt werden. Und reihenweise verschwinden. Groß zu sehen dabei als Herrscherzentrale: das Memminger Rathaus, per Computer animiert, mit grünen Bannern und bewacht von Kampfrobotern.
Eine bessere Werbung kann sich der Allgäuer Ort kaum wünschen, deshalb schlachten sie es im echten Rathaus nun noch einmal so richtig aus: Der SPD-Oberbürgermeister hat seinen Clip gedreht, und er hat auch einen offenen Brief an die Marvel Studios geschickt, per Post, wer weiß, ob der überhaupt ankommt in New York, 1290 Avenue of the Americas.
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Falls ja, werden die Bosse des berühmten Filmstudios mit Sicherheit ein wenig lächeln über die Zeilen des „Lord Mayor of the City of Memmingen“, der herzlich einlädt, doch vielleicht die Deutschland-Premiere des Films im Memminger Rathaus stattfinden zu lassen.
Rothenbacher schreibt, auf Englisch und mit Augenzwinkern, ihm hätten sich ein paar Ideen aufgedrängt, um das Rathaus aufzuwerten: Vielleicht macht sich so ein Thronsaal ja tatsächlich ganz gut, vielleicht auch ein paar der Doombots, der Roboter aus dem Film. Er könne sich jedenfalls eine Kooperation vorstellen: Das Rathaus temporär in „Doomstadt“ zu verwandeln, oder eine „Doomstadt meets Memmingen“-Installation, da würde er schon mitmachen.
Er bewundere die Welten, die Marvel kreiert, schon lange, schreibt der Oberbürgermeister. „Falls unser Rathaus tatsächlich einen kleinen Beitrag zu Doomstadt geleistet haben sollte, wäre es doch nur logisch, wenn es auch Gastgeber der Premiere würde.“
Rothenbacher würde jedoch nicht Memmingen vorstehen, wenn er nicht auf ein kleines Detail hinweisen müsste: Der Herrscherpalast eines brutalen Diktators, da gäbe es geeignetere Orte als ausgerechnet Memmingen, Stadt der Freiheitsrechte. Und so erläutert Rothenbacher den Bossen der Marvel-Studios in seinem offenen Brief, was sie bestimmt schon immer wissen wollten: Dass im Jahr 1525 in Memmingen die Zwölf Artikel formuliert wurden, so etwas wie Europas erste Grundrechtserklärung.
Memmingen in Doomstadt zu verwandeln, das stellt Rothenbacher unmissverständlich klar, könne also nur temporär angelegt sein. Die Verpflichtung zur Freiheit sei für die Stadt der Freiheit nicht verhandelbar.
Ein abgedrehter Marvel-Videoclip zu Doctor Doom ist natürlich kein Kinofilm. Sie sind sich deshalb in Memmingen schon klar darüber, dass es nicht ganz realistisch sein dürfte, die Premiere des kommenden Films „Avengers: Doomsday“ mit Robert Downey Jr. als Doctor Doom in Memmingen stattfinden zu lassen. Aber zumindest haben sie die Welt jetzt wissen lassen, dass Memmingen einen Spaß versteht – und dafür auch Kontakt in die Weltmetropole New York aufnimmt.
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