Heise 27.07.2026
16:44 Uhr

Podcast: Berliner Social-Start-up Wedium startet TikTok-Alternative


Ein deutsches Start-up wagt sich an einen Markt, den globale Plattformen dominieren. Der Zugang zu Wedium setzt eine Verifikation per Personalausweis voraus.

Podcast:  Berliner Social-Start-up Wedium startet TikTok-Alternative

Die Zukunft des sozialen Netzes steht hochkant: Kurze, vertikale Videos prägen das Format, an dem sich inzwischen fast alle etablierten Plattformen orientieren. Instagram und zuletzt auch Facebook nähern sich TikTok an, indem sie eine algorithmisch kuratierte „For You“-Startseite in den Vordergrund rücken. Hier zählt nicht mehr, wer wem folgt, sondern was der Algorithmus ihnen zutraut zu mögen.

Parallel dazu wird in Europa über digitale Souveränität gestritten und darüber, ob ein weiteres nationales Plattform-Silo der Unabhängigkeit nützt oder ihr eher schadet. In diese Debatte hinein positioniert sich das Berliner Start-up Wedium: als europäische Alternative mit Hochkant-Videofeed, Altersverifikation und Servern in Europa.

Hinter dem Projekt stehen Fullstack-Entwickler Andreas Hacker, Werbefachmann Johannes Meissner, die Medienwissenschaftlerin Nele Meissner, Digitalstratege Sebastian Wilke und Kommunikationsberater Lukas Backhaus.

Zum Start erhalten ausschließlich Volljährige Zugriff auf die App. Geplant ist zudem eine „Eltern-Kind-App“: Verifizierte Eltern sollen Kinder-Accounts anlegen und dabei etwa begrenzte Nutzungszeiten sowie feste Nachtruhezeiten festlegen können.

Dass die Zielgruppe damit weniger die Jugendlichen selbst sind, räumt Mitgründer Johannes Meissner im c’t-Podcast „Haken dran“ offen ein: „Wir haben das Gefühl, dass das Angebot, das wir machen, für freiheitsliebende Jugendliche und Kinder nicht wahnsinnig attraktiv erscheint – aber für Eltern schon.“ Eltern, denen die mentale Gesundheit ihrer Kinder am Herzen liege, griffen ein solches Angebot auf nach dem Motto: „Okay, also entweder das oder gar nichts.“

Auch ein Erlösmodell hat das Unternehmen bereits skizziert. Ab Herbst will Wedium Werbung ausspielen und den Creatorn auf der Plattform die Hälfte des Netto-Werbeumsatzes überlassen.

Der offene Start ist für Freitag, den 31. Juli, angekündigt. Nach eigenen Angaben zählt die Warteliste bereits über 15.000 Interessierte. Wer die App nutzen will, muss sich per Personalausweis verifizieren.

Über ihr Vorhaben hat Gründer Johannes Meissner in der aktuellen Episode des c’t-Podcasts „Haken dran – das Social-Media-Update“ gesprochen.

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(Gavin Karlmeier)