|
13.07.2026
08:33 Uhr
|
Emissionsmessungen mit einer Gulfstream G800-Maschine im Flug sollen zeigen, wie Flugkraftstoff zukünftig noch nachhaltiger gestaltet werden kann.

In einem Testflug hat das Luftfahrtunternehmen Gulfstream Aerospace reinen, nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel – SAF) getestet, um dessen Auswirkungen auf Partikelemissionen in Höhen von bis zu 50.000 Fuß (etwa 15.240 m) zu untersuchen. Die Emission von Partikeln fördert die Bildung von Kondensstreifen.
Bei dem Testflug kam eine Gulfstream G800 zum Einsatz. Das Flugzeug ist mit einem Pearl-700-Triebwerk von Rolls-Royce ausgestattet, das zu 100 Prozent mit SAF betrieben werden kann. Gulfstream schreibt, dass es sich dabei um den ersten Flug einer G800 und dem Rolls-Royce-Triebwerk gehandelt hat, der mit reinem SAF stattfand. Die Tests wurden zusammen mit dem Center of Excellence der US-amerikanischen Flugaufsicht Federal Aviation Administration (FAA), der US-Weltraumbehörde NASA, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Rolls-Royce, Aerodyne Research, der Missouri University of Science and Technology, Montana Renewables und World Fuel Services durchgeführt.
Der dabei durchgeführte Messflug war kniffelig: Eine speziell mit Messinstrumenten für Emissionen ausgerüstete Gulfstream G700 musste im engen Formationsflug mit der G800-Testmaschine fliegen. Dem Testflug waren monatelange Vorbereitungen vorausgegangen. Die Piloten der beiden Maschinen hatten dazu ein intensives Flugtraining im Simulator absolviert, um die Flugzeuge so dicht beieinander halten zu können, dass die Emissionen im Nahbereich zuverlässig erfasst werden konnten. Zudem wurden Emissionen in mehreren Kilometern Abstand hinter dem Flugzeug erfasst, um die Entwicklung der Kondensstreifen aufzeichnen zu können.
Die G700 war dazu mit Messinstrumenten ausgerüstet worden, die das Erfassen von Emissionen während des Fluges ermöglichen. So konnten erstmals praxisnahe Emissionsmessungen mit der erforderlichen hohen Präzision in großen Höhen bei der Verwendung von 100 Prozent SAF durchgeführt werden.
Konkret verglichen die beteiligten Unternehmen herkömmliches Jet-A-Kerosin mit schwefelarmen Jet-A sowie reinem, im HEFA-Verfahren (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids) hergestelltem SAF. Das SAF enthielt weder Schwefel noch Aromaten.
Die während des Testfluges gesammelten Daten sollen von der Luftfahrtbranche und in der Atmosphärenforschung verwendet werden. Erste Auswertungen deuten bereits auf eine messbare Verringerung der partikelbedingten Kondensstreifenbildung beim Einsatz von reinem SAF hin. Das Ziel ist es, mit den Daten Analysemodelle zu präzisieren, um auf deren Grundlage zukünftige Kraftstoffnormen zu erarbeiten. Damit sollen Betriebsstrategien entwickelt werden, die zu einer Verringerung der Auswirkungen der Luftfahrt auf die Umwelt führen.
Gulfstream Aerospace engagiert sich seit mehreren Jahren im Bereich der nachhaltigen Luftfahrt. So hat das Unternehmen bereits 2011 einen ersten Transatlantikflug mit SAF durchgeführt. 2023 folgte dann ein weiterer Transatlantikflug mit 100 Prozent reinem SAF. Nach Angaben von Gulfstream haben deren Flugzeuge bisher mehr als 3 Millionen Seemeilen mit verschiedenen SAF-Mischungen zurückgelegt.
(olb)