Heise 22.08.2026
15:34 Uhr

Mega-Fahrzeugrückruf in China: Tesla und weitere Marken betroffen


Tesla und weitere Autobauer müssen Millionen Fahrzeuge in China zurückrufen. Es gab Tote und Verletzte wegen elektrischen Türgriffen.

Mega-Fahrzeugrückruf in China: Tesla und weitere Marken betroffen

Ein massiver Fahrzeugrückruf beschäftigt derzeit Tesla und acht weitere Autohersteller. Die chinesische Regierung wies sie an, insgesamt rund 4,27 Millionen E-Autos zurückzurufen. Allein rund drei Millionen davon entfallen auf Tesla. Hintergrund sind mehrere Unfälle mit Teslas, bei denen Insassen wegen versagender elektrischer Türgriffe in ihren Fahrzeugen verbrannten oder schwere Verbrennungen davontrugen. Ähnliche Fälle gab es auch schon in Deutschland.

Betroffen sind nur Fahrzeuge, die in China hergestellt und zugelassen wurden. Teslas elektrisch betriebene und in die Fahrzeugtüren eingelassene Türgriffe könnten bei manchen Unfällen zur Gefahr werden, zitiert die US-Nachrichtenagentur Bloomberg aus einer Mitteilung des chinesischen Verkehrsministeriums. Nämlich dann, wenn dabei die Stromversorgung unterbrochen würde und man nicht mehr aus dem Autowrack herausklettern könne. Nach Unfällen bei hoher Geschwindigkeit, die Betroffene eigentlich hätten überleben können, hätten diese mehrfach schwere Verbrennungen in den Flammen ihres Autowracks erlitten. In einigen Fällen wurde es laut der Behörde sogar zur Todesfalle.

Fällt die Stromversorgung der Tesla-Griffe zum Beispiel bei einem Unfall aus, müssen Insassen mechanische Türöffner wie Hebel oder Seile finden und betätigen. Von Modell zu Modell unterschiedlich können sie sich hinter Türverkleidungen oder unterhalb von Sitzen befinden, was gerade bei Unfällen Probleme bereiten kann.

Laut der Regierungsmitteilung, welche sich nur auf Tesla bezieht, bringt der Hersteller kostenlos Warnhinweise an den betroffenen Fahrzeugen an. Zudem soll die Software per Over-the-Air-Update (OTA) aktualisiert werden zwecks einer automatische Fensterabsenkung nach einem Unfall. Das soll Sicherheitsrisiken minimieren. Fahrzeuge, die bereits mit Warnhinweisen ausgestattet sind, müssen diese im Rahmen des Rückrufs nicht erneut bekommen, heißt es. Laut der Nachrichtenagentur Reuters bringen alle betroffenen Autohersteller die Warnhinweise an, die meisten von ihnen führen demnach auch OTA-Updates durch. Bloomberg beruft sich auf Rückrufzahlen des Ministeriums, wonach insgesamt neun Hersteller betroffen sind:

In China hatten laut Bloomberg schon mehrere Unfälle von Xiaomi-Fahrzeugen für Aufsehen gesorgt, bei denen es zu Bränden gekommen war. Als Reaktion verbot China besagte Türgriffe. Eine neue Anforderung besagt, dass Autotüren von innen und außen mechanisch geöffnet werden können müssen. Das gilt für neu homologierte Autos ab 2027, für Modelle, welche die Behörden bereits genehmigt hatten und kurz davorstehen, auf die Straße zu kommen, müssen die Hersteller bis 2029 umrüsten.

Tesla ist laut Bloomberg zudem von einem weiteren Rückruf auf dem chinesischen Markt betroffen. Es geht dabei um 2,7 Millionen Autos, dabei handelt es sich um einen separaten Rückruf, er ist nicht in den obigen Zahlen enthalten. Laut dem Bericht geht es dabei um Vorrichtungen, die die Aufmerksamkeit der Nutzer von Teslas Fahrassistenztechnologien überwachen sollen.

Die Kritik an Teslas Türgriffen ist nichts Neues. Schweizer Polizisten steckten wegen Problemen damit schon während eines Einsatzes in ihrem Streifenwagen fest. Aber auch andere Hersteller bauen derartige Mechaniken, nicht nur in China, auf ähnliche Griffe setzen hierzulande BMW und einige mehr. In mindestens einem Fall kosteten elektrische Türgriffe auch auf deutschen Straßen Menschenleben: Nach einem Unfall bei Schwerte in Nordrhein-Westfalen konnten ein Mann und zwei Kinder die Türen ihres Teslas nicht öffnen, der Feuer fing. Sie starben in den Flammen. Ermittlungen und ein Gutachten führten zu den versagenden Türgriffen als Ursache.

Artikel mit weiteren Einzelheiten ergänzt.

(nen)