Heise 18.06.2026
12:45 Uhr

Linuxer ärgert sich über AMD wegen Abschaltung der RAM-Verschlüsselung TSME


Neuere Versionen der UEFI-BIOS-Komponente AGESA schalten bei manchen AMD-Ryzen-Prozessoren eine Funktion ab, die sie nie haben sollten – das verärgert manche.

Linuxer ärgert sich über AMD wegen Abschaltung der RAM-Verschlüsselung TSME

Viele Prozessoren von AMD – aber nicht alle – können den Arbeitsspeicher transparent ver- und entschlüsseln. Diese Funktion namens Transparent Secure Memory Encryption (TSME) schützt vor sehr wenigen und sehr speziellen physischen Angriffen auf Computer. Dabei geht es vor allem um sogenannte „Cold Boot“-Attacken, für die physischer Zugriff auf den Rechner nötig ist, um im RAM gespeicherte Informationen zu ergattern.

TSME ließ sich bis vor kurzem auf manchen Mainboards auch bei einigen Ryzen-Prozessoren für Desktop-PCs aktivieren, für die AMD die Funktion nicht zugesichert oder beworben hat. Mit einer neuen Version der AMD-Firmware-Komponente AGESA entfällt diese Möglichkeit nun. Das verärgert einige Besitzer solcher Prozessoren. Einer davon hat deshalb im GitHub-Repository für AMD Secure Encryted Virtualization (AMD SEV) eine Fehlermeldung eingestellt.

Vermutlich wird sich AMD allerdings nicht erweichen lassen, TSME für sämtliche Ryzen-Prozessoren wieder freizuschalten. Denn die 2016 angekündigte Funktion ist vor allem für Server, manche Embedded Systems, Business-PCs und -Notebooks gedacht. AMD aktiviert sie daher nur bei den CPU-Baureihen Epyc, manchen Embedded-CPUs sowie den „PRO“-Versionen der Ryzens für Desktop-PCs und Notebooks.

Einst bewarb AMD TSME als Bestandteil von „Memory Guard“, das wiederum Teil von „Guard MI“ war und das wiederum Teil der Vorteile von PRO-Ryzens im Vergleich zu normalen. Diese Marketing-Idee ist auf dem AMD-Server jetzt nicht mehr zu finden.

Mittlerweile erwähnt AMD TSME im Zusammenhang mit dem „Infinity Guard“-Funktionspaket der Epyc-Prozessoren für Server.

TSME lässt sich ohnehin nur aktivieren, wenn das (UEFI-)BIOS des jeweiligen Computers mitspielt. Dazu muss nicht unbedingt eine Option im BIOS-Setup vorhanden sein, falls das UEFI-BIOS TSME einfach einschaltet.

In diesem Sinne ist TSME eine typische Funktion für Business-Geräte, deren jeweiliger Hersteller bei der Implementierung eng mit AMD zusammenarbeitet und das Feature auch ausdrücklich im Datenblatt des jeweiligen Geräts erwähnt.

Ob TSME bei einem laufenden System tatsächlich aktiv ist, lässt sich bisher nur unter Linux prüfen, etwa durch Abfrage des Model Specific Register MSR_AMD64_SYSCFG mit dem Befehl rdmsr. AMD stellt ein weiteres Tool via GitHub bereit.

Es wirkt seltsam, dass der Nachweis der Funktion eines fast zehn Jahre alten Features nur unter Linux funktioniert, obwohl es auch die Sicherheit von Business-Rechnern mit Windows stärken soll.

Auf der Website AMD Secure Encrypted Virtualization (SEV) stellt AMD Informationen zu den diversen RAM-Verschlüsselungsfunktionen zusammen.

Beim Cold-Boot-Angriff startet ein Angreifer den laufenden Rechner durch einen Reset neu und bootet darauf sofort ein speziell präpariertes Betriebssystem, das den RAM-Inhalt ausliest. 2008 wiesen Sicherheitsforscher nach, dass das tatsächlich funktioniert.

TSME erschwert diesen Angriff deutlich, der allerdings in der Praxis extrem selten vorkommen dürfte. Zudem gibt es auch andere Schutzmethoden, etwa das Löschen des RAM vor jedem Bootvorgang (TCG Platform Reset Attack Mitigation Specification).

(ciw)