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07.07.2026
13:23 Uhr
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Monotone Roboterstimmen und schiefe Sätze: Amazon hat den Thriller „Deadly Patient“ wegen seiner KI-Synchronisierung aus dem Prime-Video-Angebot entfernt.

Amazon hat den Thriller „Deadly Patient – Tödlicher Patient“ wegen seiner missratenen KI-Synchronfassung aus dem Prime-Video-Angebot entfernt. Zuvor hatten sich Nutzer in sozialen Netzwerken tagelang über die monotonen Computerstimmen und schiefen Übersetzungen lustig gemacht, berichtet das Medienmagazin DWDL.
Der 2018 in den USA erschienene Film war bei Prime Video seit Kurzem mit einer offensichtlich KI-generierten deutschen Tonspur abrufbar, berichtet DWDL. Die Stimmen klangen ausdruckslos, auch die Dialoge wirkten maschinell übersetzt: „Die Sanitäter fanden Euch im Bett“, sagt eine Figur dem Bericht zufolge an einer Stelle. Die Antwort: „Ich sollte da gestorben haben.“ Am Montag zog Amazon die Konsequenz und nahm den Film offline. „Die deutsche Synchronisation des Films ‚Deadly Patient – Tödlicher Patient‘ entsprach nicht den Qualitätsstandards von Prime Video. Der Film ist vorerst nicht mehr bei Prime Video verfügbar“, teilte ein Prime-Video-Sprecher dem Medienmagazin mit.
Öffentlich gemacht hatte den Fall unter anderem der Synchronsprecher Sven Plate: „Amazon Prime – Ist das euer Ernst?“, schrieb er auf Instagram. Sein Beitrag, in dem er die KI-Synchronspur kritisiert, wurde binnen weniger Tage mehr als 10.000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert. Auf TikTok und Instagram kursieren weitere Ausschnitte mit Stilblüten aus der Synchronfassung.
Amazon will für die Tonspur nicht selbst verantwortlich sein: Die Synchronisation sei nicht im Auftrag von Prime Video erstellt worden, heißt es von dem Unternehmen. Der Film dürfte laut DWDL über das Programm „Prime Video Direct“ auf die Plattform gelangt sein, über das externe Anbieter eigene Inhalte bei dem Streamingdienst veröffentlichen können. Warum keine Qualitätskontrolle griff, ist unklar.
Mit der Löschung von „Deadly Patient“ ist das Problem nicht aus der Welt: Das Filmportal Filmstarts hat zahlreiche weitere Filme mit offensichtlichen KI-Synchronfassungen auf Prime Video gefunden. Sie werden dort demnach im Namen des Anbieters Reel One International angeboten.
Unabhängig davon experimentiert Amazon längst selbst mit KI-Vertonung: Anfang 2025 startete Prime Video ein Pilotprogramm mit KI-Synchronstimmen, zunächst auf Englisch und in lateinamerikanischem Spanisch. Es umfasst lizenzierte Filme und Serien, die andernfalls keine Synchronfassung erhalten hätten.
Anfang 2025 entfernte die Deutsche Telekom die polnische Viaplay-Serie „Murderesses“ aus ihrem MagentaTV-Angebot, nachdem Zuschauern die monotone KI-Vertonung aufgefallen war. Für den größten Konflikt um KI-Stimmen sorgt allerdings Netflix: Seit Januar weigern sich zahlreiche deutsche Synchronsprecher, für den Streamingdienst zu arbeiten. Hintergrund ist eine Vertragsklausel, mit der sich Netflix das Recht einräumen lassen will, Synchronaufnahmen für das Training von KI-Systemen zu nutzen.
Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) ruft zum Streik auf und stützt sich auf ein Rechtsgutachten, nach dem zentrale Klauseln unwirksam oder rechtswidrig sind. Die Schauspielergewerkschaft BFFS kritisiert den Boykott dagegen und verteidigt die von ihr mit Netflix ausgehandelten KI-Regeln. Eine Lösung ist in dem Streit nicht absehbar.
(dahe)