Heise 28.08.2026
09:58 Uhr

Google macht Android 17 sicherer: ECH-Unterstützung und 2G-Abschaltung


Mit Android 17 führt Google neue Netzwerksicherheitsfunktionen ein. Diese sollen Verbindungen absichern und die Privatsphäre im heimischen WLAN schützen.

Google macht Android 17 sicherer: ECH-Unterstützung und 2G-Abschaltung

Mit Android 17 führt Google eine Reihe neuer Netzwerksicherheitsfunktionen ein, die laut Konzern Verbindungen absichern, vor Sicherheitslücken im Mobilfunknetz schützen und dazu beitragen, die Privatsphäre des Heimnetzwerks zu bewahren.

Eine der neuen Sicherheitsfunktionen ist die Unterstützung der TLS-Erweiterung „Encrypted Client Hello“ (ECH), die die IETF im März als RFC 9849 standardisiert hat. Es geht dabei hauptsächlich darum, nicht mehr wie bisher beim Verbindungsaufbau etwa zu einer HTTPS-Seite den Namen des aufgerufenen Servers im Klartext zu übertragen. Dieser wird damit nur noch – wie der Rest der Verbindung – verschlüsselt und damit für Lauscher unlesbar gesendet.

Der Servername ist ein notwendiger Teil des Verbindungsaufbaus, da unter einer IP-Adresse sehr viele Web-Server erreichbar sein können. Um zu vermeiden, das ECH-geschützte Verbindungen aus dem normalen TLS-Verkehr herausstechen, sollen Apps und Browser einen Trick namens ECH GREASE einsetzen. Der besteht darin, dass die ECH-fähigen Clients auch an Server, die kein ECH unterstützen, zufällige ECH-Parameter senden. Damit sehen für einen außenstehenden Beobachter alle Verbindungen gleich aus.

Darüber hinaus könne Verschlüsselung zwar bereits einen Großteil des Datenverkehrs vor neugierigen Blicken schützen, doch gab es lange Zeit eine weitere Lücke, erklärt Google: das DNS. „Noch bevor wir überhaupt mit der Übertragung dieser Daten beginnen, muss das DNS die IP-Adresse des Servers nachschlagen, den wir erreichen wollen, und dieser Vorgang erfolgte bisher unverschlüsselt – jeder, der Ihren Webverkehr ausspionierte, konnte den Namen der Website sehen, die Sie aufrufen wollten“, führt Google aus. Die unverschlüsselten DNS-Daten könnten zur ebenso Erstellung von Nutzerprofilen verwendet oder von böswilligen Akteuren für gezielte Phishing- und Betrugsaktionen ausgenutzt werden. Deshalb kombiniert Google ECH mit „private DNS“. Dahinter verbirgt sich DNS over TLS, welches die unverschlüsselten DNS-Anfragen in eine verschlüsselte TLS-Verbinung einpackt. Das ist bereits seit Android 9 verfügbar.

Der eigentlich neue Teil ist folglich die bislang noch wenig verbreitete Nutzung von Encrypted Client Hello. Google arbeitet eigenen Angaben zufolge mit Branchenführern, Dienstleistern und App-Entwicklern zusammen, um die Einführung von ECH voranzutreiben. Weitere technische Hintergründe erläutert Jigsaw in einem Blogartikel.

Sollten App-Entwickler sich entschließen, die modernen Netzwerkbibliotheken zu nutzen und Best Practices umzusetzen, sollten sie auf OkHttp 5.5.0 aktualisieren und ECH aktivieren. Ferner sagt Google, dass Entwicklerinnen und Entwickler, die Netzwerkstacks erstellen oder konfigurieren, die technischen Empfehlungen auf GitHub zur Optimierung von HTTPS-RR-Abfragen studieren sollten.

Eine weitere Sicherheitsneuerung betrifft das Heimnetzwerk: Wenn Nutzerinnen und Nutzer ihr Smartphone mit dem heimischen WLAN verbinden, nutze das Smartphone das Netzwerk gemeinsam mit anderen Geräten wie Smart-TVs, Überwachungskameras oder der Spielkonsole, führt Google aus. Bisher konnten Apps das lokale Netzwerk scannen und ohne die Nutzererlaubnis herausfinden, welche weiteren Geräte verbunden waren. Dies konnte etwa dafür genutzt werden, Profile des Haushalts zu erstellen.

Mit Android 17 wird dieser Schnüffelei mit der Funktion Local Network Protection ein Riegel vorgeschoben. Apps müssen zum Scannen des Heimnetzwerks oder für den Verbindungsaufbau mit anderen Geräten im Netzwerk die Erlaubnis einholen. Zudem sagt Google, dass Entwickler für alltägliche Aufgaben wie das Streamen eines Videos auf den Fernseher auf vorhandene und sichere Systemtools setzen sollten, mit denen Nutzer etwa einen bestimmten heimischen Fernseher auswählen können – ohne dass eine App die Erlaubnis benötigt, andere Geräte im Haushalt einzusehen.

Eine weitere Maßnahme ist das standardmäßige Erwingen von Certificate Transparency (CT) für die Plattform. Alle Zertifikate für gesicherte TLS-Verbindungen müssen bereits seit Längerem in einem öffentlichen Register erfasst werden. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit sinken, dass Nutzern möglicherweise gefälschte Zertifikate untergejubelt werden, etwa wenn Zertifizierungsstellen geknackt wurden und bösartige Akteure darüber gefälschte Zertifikate ausstellen, um den Datenverkehr abzufangen und Schaden anzurichten. Mit Certificate Transparency soll die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Angriff unbemerkt bleibt, deutlich sinken, so Google.

Der Chrome-Browser lehnt nicht CT-konforme Zertifikate bereits seit längerem ab. Neu ist, dass Android dieses Prinzip jetzt auf Plattformebene für Apps zum Default macht. Alle über das Android-API aufgebauten TLS-Verbindungen werden nicht bei CT registrierte Zertifikate also zukünftig als fehlerhaft monieren.

Eine weitere Android-17-Netzwerkfunktion ermöglicht Mobilfunkanbietern, die 2G-Konnektivität für ihre Kundinnen und Kunden mit einer „Zero-Click-Lösung“ standardmäßig zu deaktivieren. Nutzer können das unsichere 2G/GSM bereits seit Android 12 manuell abschalten. Damit soll „SMS Blaster“-Angriffen entgegengewirkt werden, die „Smartphones in der Nähe dazu zwingen, ihre LTE- oder 5G-Verbindungen zu unterbrechen und auf weniger sichere, veraltete 2G-Netze zurückzugreifen“, so Google. Im Anschluss können Phishing-Nachrichten an die betroffenen Geräte gesendet werden.

Deutsche Netzanbieter haben bereits angekündigt, ihre unsicheren 2G-Netze, die noch als Fallback genutzt werden, bis 2028 abzuschalten. O2 kündigte im Juni dieses Jahres an, 2G im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2028 in Deutschland abzuschalten. Die Mitbewerber Vodafone und Deutsche Telekom haben das Ende von 2G ebenfalls für 2028 festgelegt.

Erläuterungen zu den einzelnen Protokollen und Erweiterungen wie DNS, ECH und CT verbessert.

(afl)