Heise 08.09.2026
07:54 Uhr

Ein Start-up entfernt Verweigerung aus KI-Modellen und verdient daran


Abliteration AI entfernt Verweigerungsmechanismen aus KI-Modellen und bietet den Zugang als kostenpflichtigen Dienst an. Ein Geschäftsmodell mit Risiken.

Ein Start-up entfernt Verweigerung aus KI-Modellen und verdient daran

Abliteration AI bietet neuerdings eine modifizierte Version von Z.AIs leistungsfähigem Open-Weight-Modell GLM-5.3 an. Nach eigenen Angaben hat das Start-up GLM-5.3 selbst abliteriert und dabei das Verweigerungsverhalten des Modells abgeschwächt, damit es Aufgaben in offensiven Cyberoperationen, beim Red Teaming und bei Tests von KI-Agenten ausführt, die andere Modelle häufig ablehnen. Die modifizierten Gewichte werden nicht zum Download angeboten, stattdessen betreibt Abliteration AI das Modell selbst und verkauft den Zugriff über eine API.

Der Firmenname leitet sich von einem Verfahren ab, das in der Open-Weight-Szene zunehmend Verbreitung findet: Bei der Abliteration wird nach internen Mustern gesucht, die das Modell zum Ablehnen bestimmter Anfragen bewegen. Anschließend werden die Gewichte so verändert, dass diese Muster deutlich schwächer wirken.

GLM-5.3 eignet sich gut als Ausgangsmodell: Die Lizenz erlaubt die kommerzielle Weiterverwendung, zugleich zählt das Modell bei Coding, agentischen Aufgaben und Cybersecurity zu den stärksten Open-Weight-Modellen. Das Start-up verweist auf eigene Benchmarks, in denen die modifizierte GLM-5.3-Version hohe Coding- und Cyberwerte erreicht.

Abliteration AI ist nicht der erste kommerzielle Anbieter abliterierter KI-Modelle. Auch abliterierte Varianten von GLM-5.3 sind bereits öffentlich verfügbar. Abliteration AI gibt zwar an, GLM-5.3 selbst abliteriert zu haben, unabhängig überprüfen lässt sich das jedoch nicht. Das Geschäftsmodell beruht daher vor allem auf der Bereitstellung: Das Start-up hostet seine Version und ergänzt den API-Zugang um Funktionen für Unternehmenskunden. Über eine optionale Kontrollschicht können diese eigene Sicherheitsregeln festlegen und die Nutzung protokollieren.

Laut Abliteration AI gehört das Testen von KI-Agenten, wie sie Banken und große Unternehmen einsetzen, zu den ersten Bereichen mit starker Nachfrage. Dabei gehe es etwa darum, ob sich solche Agenten per Jailbreak oder Prompt Injection zu unerlaubten Aktionen bringen lassen.

Die geringe Verweigerungsneigung macht das Modell für solche Tests nützlich, kann aber auch Missbrauch erleichtern. Beim regulären Modellzugang speichert Abliteration AI weder Prompts noch Antworten, sondern nur operative Metadaten. Das reduziert bei legitimer Security-Arbeit die Menge sensibler Daten, die beim Anbieter gespeichert werden. Bei Missbrauch fehlen dann möglicherweise die nötigen Informationen für eine spätere Aufarbeitung. Eine klassische Identitätsprüfung verlangt das Unternehmen ebenfalls nicht. Abliteration AI hält solche Kontrollen für wenig geeignet, legitime von missbräuchlicher Nutzung zu unterscheiden, und warnt zugleich davor, kleinere Anbieter durch Zugangshürden auszuschließen.

Damit verschiebt Abliteration AI einen Teil der Verantwortung vom Modellanbieter auf die Nutzer. Sie sollen weitgehend selbst festlegen, welche Grenzen für den Einsatz gelten. Vollständig ungefiltert ist der Dienst aber nicht: Selbstverletzung und sexuelle Inhalte mit Kindern werden laut Abliteration AI weiterhin blockiert.

In einer früheren Fassung war nicht deutlich genug, dass bereits andere abliterierte GLM-5.3-Modelle verfügbar sind. Wir haben den Artikel entsprechend ergänzt und die Einordnung des Geschäftsmodells präzisiert.

(tobe)