Donald Trump war wütend darüber, Kaitlan Collins zu sehen. Als die CNN-Reporterin ihm am Dienstag bei den Vereinten Nationen eine Frage zum Irankrieg stellte, giftete er: „Sie sollten gar nicht hier sein, um über mich zu berichten!“ Zuvor hatte Trump CNN, MS Now und das Magazin „Politico“ aus dem Weißen Haus verbannt. Daraufhin hatten sich etliche Fernsehsender aus der Pool-Berichterstattung zurückgezogen, in deren Rahmen sie rotierend Material miteinander teilen. CNN stoppte damit nicht generell die journalistische Arbeit über Trump, und natürlich hatten die Vereinten Nationen Collins akkreditiert, nicht die amerikanische Regierung. Ihr Arbeitgeber klagt währenddessen gemeinsam mit den anderen beiden Medien gegen den Ausschluss. Die Regierung bekräftigte vor Gericht die Linie des Präsidenten: Der Zugang zum Weißen Haus sei ein Privileg, kein Recht. CNN kurz vor der Übernahme Für CNN kommt dieser Konflikt zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Mutterkonzern Warner Bros. Discovery steht unmittelbar vor der Übernahme durch Paramount Skydance, dessen Führung gute Beziehungen zu Trump pflegt. Larry Ellison, Vater von CEO David Ellison, ist ein langjähriger Unterstützer des Präsidenten. Der machte keinen Hehl daraus, dass ihn an den Fusionsplänen der Ellisons besonders CNN interessiert, das er regelmäßig als „Fake-News-Medium“ beschimpft. Und auch Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte im Frühjahr, je früher David Ellison CNN übernehme, desto besser. Trumps Kriegsminister hatte sich über kritische Fragen zum Angriff auf Iran geärgert. Kürzlich endete das Verfahren gegen die ursprünglich rund 110 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery. Zwölf Bundesstaaten beendeten ihren Versuch, den Plan gerichtlich zu stoppen. Die journalistische Unabhängigkeit soll laut dem erzielten Vergleich bei der Fusion gewahrt werden. Paramount Skydance muss ein „News Editorial Independence Board“ einrichten, das die Einhaltung von Standards überwachen und Konflikte zwischen dem Management, CNN und CBS News lösen helfen soll. CBS News gehört seit der Fusion von Skydance und Paramount im vergangenen Jahr ebenfalls zu dem Konglomerat und gilt nach der Ernennung von Bari Weiss zur Chefredakteurin als regierungsfreundlich. Konzern soll sich selbst kontrollieren Etliche Medienrechtler und Journalisten kritisieren, dass das neue Gremium trotz Vorgaben zur Überparteilichkeit letztlich von dem Konzern eingesetzt wird, den es kontrollieren soll. „Das wird niemals funktionieren“, zitierte der „Guardian“ den ehemaligen CNN-Anchor Jim Acosta, den Trump immer wieder angegriffen hatte. „Sie werden anfangen, Journalisten und bestimmte andere Leute zu feuern, um eine Botschaft zu senden, und der Rest wird sich entweder anpassen oder gehen müssen“, sagte Acosta. Die Techjournalistin und CNN-Kommentatorin Kara Swisher kündigte in ihrem Podcast „Pivot“ an, ihre Zusammenarbeit mit dem Sender möglichst schnell zu beenden. Sie habe ihren Agenten gebeten, einen Ausweg aus ihrem Vertrag mit CNN zu finden. Das neue Kontrollgremium bezeichnete sie als Feigenblatt. „Fuck these guys!“, lautete Swishers Reaktion auf das Ende des juristischen Streits. Bei CNN fürchten viele Mitarbeiter um ihre Jobs. Paramount rechnet mit jährlichen Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Dollar. „Die Leute sind sehr nervös“, sagte ein CNN-Mitarbeiter der „New York Post“. „Es ist düster.“ Die Situation fühle sich an wie ein Hurrikan, den man vor der Küste heranziehen sehe, zitierte die Zeitung. Ein Manager sagte demnach: „Ein Blutbad kommt auf uns zu.“ CEO Mark Thompson erklärte bei einer Mitarbeiterversammlung, er wolle in seiner Position bleiben. Gleichzeitig räumte Thompson ein, nicht viel über die Pläne von Paramount Skydance mit dem Sender zu wissen. „Variety“ berichtete von einer ähnlichen Stimmung in Hollywood bei Warner Bros. Viele Mitarbeiter fürchteten Massenentlassungen. Für zusätzliche Unruhe sorgen allerlei Spekulationen. Der Branchendienst „Semafor“ etwa will erfahren haben, dass Paramount Skydance Elon Musk als Investor umwerbe. Bestätigt ist das bislang nicht, Larry Ellison und Musk haben aber eine lange geschäftliche Beziehung. Oracle-Gründer Ellison investierte 2022 eine Milliarde Dollar in Musks Twitter-Übernahme und saß im Verwaltungsrat von Tesla. Für Musk könnte die Beteiligung an der Konzernmutter zweier Nachrichtensender politisch reizvoll sein.
