FAZ 18.09.2026
09:34 Uhr

Wohnen: Der geliebte Platz an der frischen Luft


Ein Garten oder auch ein Balkon gehört für viele Menschen zum Leben unbedingt dazu. Für Immobilienverkäufer ergeben sich so Chancen nicht nur auf einen besseren Preis. Doch dafür müssen sie auch etwas tun.

Wohnen: Der geliebte Platz an der frischen Luft

Ist dies nun endlich das Traumhaus – oder doch nicht? Ob eine Immobilie für einen Käufer attraktiv ist, hat meist vielerlei Gründe. Es geht um reine Zahlen wie den Preis, die laufenden Kosten oder das Geld für notwendige Renovierungen, aber auch um die Daten der Immobilie. Kaum weniger wichtig sind etwa Lage und Anbindung, Aussehen oder Zustand sowie Aufteilung der Räume. Einiges ist eher individuell, nicht immer rational und damit vom Verkäufer schwieriger zu beeinflussen. So kann schon einmal ein besonderer Ausblick den Ausschlag geben, der manch anderes vergessen macht – selbst den Preis. Aber auch der Straßenname, die Hausnummer oder ein gerade blühender Kirschbaum könnten das Zünglein an der Waage sein. Wie es um die Nachbarschaft bestellt ist, zeigt sich ohnehin erst später. Es gibt dennoch bestimmte Dinge, die Immobilienverkäufer ein Stück weit selbst in der Hand haben und mit denen sie punkten können. So zählen etwa Außenflächen wie ein Balkon, eine Terrasse oder ein Garten zu den wesentlichen Ausstattungsmerkmalen einer Immobilie. Sie tragen maßgeblich zu deren Attraktivität bei. Davon berichtet etwa das Maklerunternehmen von Poll Immobilien. Für viele Kaufinteressenten seien diese in der Suche entscheidende Faktoren und vor allem in den wärmeren Monaten ein zentrales Entscheidungskriterium für den Kauf. Neben der Größe komme es auf die konkrete Nutzbarkeit an, etwa für die Erholung oder das Arbeiten im Freien. Eigentümer, die das Potential ihrer Außenflächen erkennen und gezielt nutzen würden, schafften daher eine wichtige Grundlage für einen erfolgreichen Verkauf. Erster Eindruck zählt Natürlich zählt nicht allein das Vorhandensein von solchen Freiflächen und deren Dimension. Selbst für versierte und phantasievolle Hobbygärtner spielen der erste Eindruck und ein konkretes Bild des Möglichen eine Rolle, auch wenn die Gestaltung den eigenen Wünschen nicht entsprechen sollte. Gut gestaltete und gepflegte Außenbereiche könnten die Attraktivität einer Immobilie unmittelbar steigern, was sowohl den Kaufpreis positiv beeinflussen als auch die Vermarktungsdauer verkürzen könne, sagt Beata von Poll, Mitglied der Geschäftsleitung bei von Poll Immobilien. „Der Garten oder die Terrasse wird heute vielfach als Erweiterung des Wohnraums verstanden“ erläutert Beata von Poll. Für viele Interessenten sei es wichtig, einen privaten Rückzugsort im Freien zu haben, der sowohl Erholung als auch Alltagstauglichkeit biete. Kaufinteressenten legten dabei zunehmend Wert darauf, die Fläche vielseitig nutzen zu können – sei es für gemeinsame Mahlzeiten im Freien, als Rückzugsort oder als temporärer Arbeitsplatz im Grünen. Ein sonniger Balkon, eine geschützte Terrasse oder ein gestalteter Garten vermittelten Interessenten dabei schon zur Besichtigung ein Bild der möglichen Nutzung und könnten so den Ausschlag geben. Der Ratschlag des Maklers scheint daher naheliegend: Um das volle Potential einer Immobilie auszuschöpfen, empfehle es sich, die Außenflächen gezielt für die Vermarktung vorzubereiten, heißt es. Ein gepflegter Gesamteindruck, eine klare Struktur sowie eine dezente Möblierung würden dazu beitragen, dass sich Interessenten diese Nutzung besser vorstellen könnten. Saisonale Akzente durch Blumen und Pflanzen könnten die Wirkung verstärken und die Attraktivität zusätzlich erhöhen. Hochwertige Exposés und professionelle Bilder, die Außenbereiche in guten Lichtverhältnissen zeigten, könnten dies unterstützen. Überschaubarer Aufwand für deutlich bessere Wirkung In der Vermarktung zeige sich immer wieder, dass Außenflächen besonders dann überzeugten, wenn sie gepflegt und gestaltet seien, sagt Beata von Poll. Viele Interessenten orientierten sich auch daran, ob sie die Flächen unmittelbar nutzen könnten. Schon mit überschaubarem Aufwand lasse sich hier oft eine deutlich bessere Wirkung erzielen. Balkone und Co. können dabei nicht nur beim Immobilienverkauf eine Rolle spielen, auch viele Mieter legen Wert auf dieses Mehr an Wohnraum und Lebensqualität. Gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie mit ihren Beschränkungen wurde dies deutlich. In einer Analyse hat Immoscout24 nun festgestellt, dass Balkone für den Kauf mehr zählen als zur Miete. Ausgewertet wurden Bestandswohnungen in den 118 deutschen kreisfreien Städten, die im zweiten Quartal 2026 auf der Onlineplattform für Wohn- und Gewerbeimmobilien angeboten wurden, im Vergleich zum Jahr 2023. Demnach ist die Nachfrage nach Eigentumswohnungen mit Balkon gestiegen, während für Mietobjekte inzwischen andere Faktoren wichtiger seien. Beim Kauf zeige sich ein klarer Vorteil für Wohnungen mit Balkon: Eigentumswohnungen mit erhielten zuletzt durchschnittlich 19 Prozent mehr Anfragen je Inseratstag als Wohnungen ohne Balkon. Vor drei Jahren sei dieser Vorsprung mit sechs Prozent noch deutlich geringer gewesen. Für Mietwohnungen habe sich das Bild dagegen gedreht, der Balkon habe an Bedeutung verloren. Wohnungen mit erhielten nun zwei Prozent weniger Anfragen am Tag als diejenigen ohne Balkon. Vor drei Jahren hätten diese noch drei Prozent vorn gelegen. Und wie schlägt sich dies in den Kosten nieder? Der Mietpreisaufschlag für das Wohnen mit Balkon habe sich von durchschnittlich acht Prozent im Jahr 2023 auf aktuell fünf Prozent reduziert, heißt es. Immoscout24 wertet dies als ein Symptom des angespannten Mietmarktes, in dem Wohnungen ohne Balkon teurer vermietet werden könnten. Zuletzt wurden Wohnungen mit Balkon auf Immoscout24 im Median für 12,09 Euro je Quadratmeter angeboten, ohne Balkon für 11,49 Euro. Mit Blick auf Eigentumswohnungen ist der Preisabstand demnach stabil geblieben. Für eine Wohnung mit Balkon wurden im zweiten Quartal im Median 4.381 Euro je Quadratmeter verlangt, ohne Balkon waren es 3.903 Euro. Die Differenz betrage weiterhin rund zwölf Prozent und befinde sich damit auf dem Niveau von vor drei Jahren, heißt es. Die Preisunterschiede ließen sich allerdings nicht nur auf den Balkon zurückführen. Auch Lage, Größe, Baujahr, Zustand und weitere Ausstattungsmerkmale können sich zwischen den Angeboten unterscheiden. Rosenheim ist Deutschlands Balkonhauptstadt Wo finden sich zumindest, gemessen an den Inseraten, die meisten Balkone? In den 118 untersuchten Städten verfügen laut Analyse 78 Prozent der angebotenen Eigentumswohnungen und 68 Prozent der Mietwohnungen darüber. Rosenheim hat mit 82 Prozent den höchsten Anteil an Wohnungen mit Balkon, in Gelsenkirchen sind es nur 42 Prozent. Ein klares regionales Muster zeigt sich jedoch nicht. „Beim Kauf gewinnt der Balkon an Bedeutung, bei der Miete rücken Preis und Verfügbarkeit klar in den Vordergrund“, fasst Gesa Crockford, Geschäftsführerin von Immoscout24, die Beobachtung zusammen. Angesichts von 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen in Deutschland werde Ausstattung für viele Suchende zur Nebensache.