FAZ 01.10.2026
14:17 Uhr

Wegen Kapitalvorgaben: Investor fordert UBS zum Wegzug aus der Schweiz auf


Der Vermögensverwalter Artisan Partners hält die geplanten Kapitalvorgaben für „überzogen und unnötig“. Damit stärkt er der Großbank in der laufenden Regulierungsdebatte den Rücken.

Wegen Kapitalvorgaben: Investor fordert UBS zum Wegzug aus der Schweiz auf

Die Debatte um den künftigen Regulierungsrahmen für die UBS treibt weiter Blüten. Jetzt hat ein bedeutender Aktionär der Schweizer Großbank in deren Klagelied über die geplante Verschärfung der Eigenkapitalvorgaben eingestimmt. Der amerikanische Vermögensverwalter Artisan Partners hält die infolge des Untergangs der Credit Suisse vorgesehenen Kapitalauflagen für „überzogen und unnötig“. In einem offenen Brief fordert der Finanzinvestor den Verwaltungsrat der UBS deshalb auf, den Sitz der Bank in ein anderes Land zu verlagern. Die Schweiz sei für die UBS kein attraktiver Standort mehr. „Abgesehen von den vorübergehenden Reibungsverlusten und den Kosten eines Sitzwechsels gibt es für die UBS keinen zwingenden Grund, ein Schweizer Unternehmen zu bleiben“, schreibt Artisan, die nach eigenen Angaben für ihre Kunden mehr als 60 Millionen UBS-Aktien verwaltet. Das entspricht gut 1,8 Prozent des gesamten Aktienkapitals. Stein des Anstoßes ist die jüngste Entscheidung der kleinen Kammer des Parlaments (Ständerat), wonach die UBS ihre ausländischen Beteiligungen künftig zu 90 Prozent mit hartem Kernkapital unterlegen soll. Diese Vorgabe liegt nur leicht unterhalb der Vorstellungen der Schweizer Regierung, die eine hundertprozentige Eigenkapitalunterlegung gefordert hatte. Die UBS hingegen hatte gehofft, dass sich der Ständerat zu einer größeren Entlastung durchringen würde. Im Dezember wird sich nun die große Kammer (Nationalrat) mit der Sache beschäftigen. Vorstoß spielt UBS in die Karten Bis dahin wird die UBS-Führung ihre Lobbyarbeit in Bern gewiss weiter fortsetzen. Dabei spielt ihr der Vorstoß von Artisan Partners in die Karten. Genau wie zuvor schon die UBS selbst moniert der Finanzinvestor, dass die Bank auf Basis des aktuellen Vorschlags zusätzliches Kernkapital von 16 Milliarden Dollar aufbauen müsste. Dieses Kapital werfe keine Rendite ab, während die Bank in einem anderen Rechtsraum damit eine Rendite von 15 Prozent erzielen könnte, rechnet der Vermögensverwalter vor. Das würde jährlich einen zusätzlichen Nettogewinn von 2,4 Milliarden Dollar bringen. Artisan beziffert den dadurch entgehenden Börsenwert auf 36 Milliarden Dollar oder rund 23 Prozent des aktuellen Werts der UBS. Die Bank wiederum nahm den offenen Brief „zur Kenntnis“. „Wie wir stets gesagt haben, ist es unser Ziel, weiterhin erfolgreich als globale Bank aus der Schweiz heraus tätig zu sein“, teilte die UBS auf Anfrage mit. Man setze sich für eine zielgerichtete, verhältnismäßige und international abgestimmte Regulierung ein. Nach der jüngsten Entscheidung des Ständerats sprach die UBS von einer „exzessiven Verschärfung“ der Eigenkapitalvorgaben, die ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen würde. Die Schweizer Finanzministerin Karin Keller-Sutter hält die Vorgaben hingegen für vertretbar und verkraftbar. Sie sieht die Regierung in der Verantwortung, Lehren aus dem Untergang der Credit Suisse zu ziehen, die vor gut drei Jahren von der UBS übernommen wurde. Keller-Sutter weist immer wieder auf das Klumpenrisiko hin, das aus der Bildung dieses Bankriesen entstanden ist. Dessen Bilanzsumme übersteigt die Wirtschaftsleistung der Schweiz um das Eineinhalbfache. Die Bevölkerung sei nicht mehr bereit, für Risiken, die die UBS im Ausland eingehe, zu haften, sagte Keller-Sutter. In einer Krise sei das harte Kernkapital die erste Verteidigungslinie einer Bank. Branchenkenner halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die UBS ihren Sitz wegen schärferer Kapitalvorgaben verlegt. Viele reiche Kunden sind vor allem deshalb bei ihr, weil sie ihren Sitz in der neutralen, sicheren und politisch stabilen Schweiz hat. Ein Umzug ginge zudem mit hohen Kosten und Steuerzahlungen einher. Außerdem ist die Großbankenaufsicht in anderen Ländern eher strenger als in der Schweiz.