Die Comedyserie „Jerks“, die 2017 Premiere hatte, erzählt von den Fernsehschaffenden und Freunden Christian Ulmen und Fahri Yardım, gespielt von Christian Ulmen und Fahri Yardım. Die beiden, und so ließe sich „Jerks“ auch übersetzen, sind Vollidioten: egoistisch, verlogen, rückgratlos, chauvinistisch, völlig unverdient gesegnet mit wundersam nachsichtigen Partnerinnen, welche sie ohne Skrupel hintergehen und betrügen. Es geht viel um Geschlechtsorgane und um Sex in dieser Serie, die gezielt an Geschmacks- und Schmerzgrenzen geht. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und von der Kritik, auch in der F.A.Z. und auch von diesem Autor, gefeiert, weil sie sehr lustig war und aufzeigte, wozu Menschen fähig sind; am Ende jeder Folge fliegen die Schandtaten der beiden Protagonisten in peinlichster Weise auf, ohne dass sie je daraus lernen würden. Über Christian Ulmen, der bei sämtlichen „Jerks“-Folgen auch Regie führte, schreibt der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe, er habe darin „eine überzeichnete Version seiner selbst“ gespielt. Es ist Teil einer großen Titelgeschichte über Ulmen und seine Ex-Frau Collien Fernandes, die erschütternde Anschuldigungen gegen ihn erhoben hat. Jeder Satz jener Geschichte wird akribisch geprüft worden sein und dürfte weiterhin die Juristen beschäftigen; laut Ulmens Anwälten handelt es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“, außerdem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“. Vor dem Hintergrund all dessen, was Ulmen laut ihren Aussagen seiner Ex-Frau jahrelang angetan hat, wird man zumindest diesen Satz anzweifeln müssen: Eine überzeichnete Version seiner selbst dürfte es bei „Jerks“ dann kaum gewesen sein. Fernandes berichtet von erniedrigenden Inhalten Fernandes zufolge hat ihr früherer Mann gestanden, hinter Fakeaccounts zu stecken, von denen jahrelang gefälschte Nacktbilder und Sexfilme von Fernandes verschickt wurden. Hunderte Männer hätten solche Dateien bekommen, mit 30 Männern habe der Absender mit durch KI verstellter Stimme eine „Online-Affäre“ begonnen. Auch sei eine Sexgeschichte mit für sie erniedrigenden Inhalten versandt worden. Die Degradierung, schreibt Fernandes auf Instagram, habe „ihm Lust bereitet“; er habe „aus einer Art Besitzdenken heraus“ gehandelt. In Spanien, wo das Paar zuletzt lebte, hat Fernandes gegen Ulmen Anzeige erstattet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Fernandes hat als Moderatorin im Musikfernsehen begonnen, sie ist Bordärztin auf dem „Traumschiff“ und hat sich in den vergangenen Jahren vielfältig gesellschaftlich engagiert: für Kinderrechte, für eine Erziehung, die keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern macht, und gegen den digitalen Missbrauch, der vor allem Frauen trifft; im Jahr 2024 schilderte sie in einer Doku ihre eigenen Erfahrungen. Sie hat von sexuellen Übergriffen erzählt, die sie schon mit 13 Jahren erlitt, und von frauenfeindlichen Begegnungen in ihrer Branche. Die Frau als Ex-Frau Mit Christian Ulmen ist Fernandes 14 Jahre lang verheiratet gewesen; in Interviews und Werbespots hatten die beiden wohldosierte Einblicke in ihr Eheleben gegeben. Beide schlau und lustig, galten sie lange als Vorzeigepaar, bis im Herbst 2025 die Trennung verkündet wurde. Ulmen kam bei allen offensichtlichen, von ihm selbst gern thematisierten Mängeln lange als ein Mann rüber, der anders war, er nannte sich selbst Feminist und „Jerks“ die „anti-sexistischste Serie im weltweiten Fernsehen“. Auch Collien Fernandes spielte darin mit, und zwar – zu einer Zeit, als beide verheiratet waren – als Ulmens Ex-Frau, worin dieser nicht nur einen weiteren subversiven Gag sehen wollte: Diese Konstellation helfe ihnen bei der Bewahrung von „Intimität“ und „Restwürde“. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter. In der Fernsehbranche galt Ulmen als viel bewunderter Grenzgänger, auch wenn sein Schaffen stets umstritten war. Schon das Reality-TV-Format „Mein neuer Freund“ von 2005, in dem junge Frauen Geld gewinnen konnten, wenn sie ihrem Umfeld glaubhaft vermittelten, dass Ulmen (in wechselnden schwer erträglichen Männerrollen) ihr neuer Partner sei, konnte man als soziales Experiment betrachten – oder als sadistisches Schauspiel, das die Kandidatinnen zur Verzweiflung trieb. Später moderierte Ulmen in einer dieser Rollen die Sendung „Who wants to fuck my girlfriend?“ Was auch immer bei der juristischen Auseinandersetzung herauskommen wird: Die Serie „Jerks“ wird man nie wieder mit Freude anschauen können. Ulmens Ruf und seine Karriere dürften irreparabel beschädigt sein. Was Collien Fernandes, sollte ihre Schilderung auch nur in Teilen zutreffen, durchgemacht hat, das kann man sich kaum ausmalen – und ebenfalls nicht, was sie nun, wo die Sache in der Welt ist, durchmacht. Kein Missbrauchsopfer strebt es an, als Heldin wahrgenommen zu werden, allein schon diese Rolle öffentlich anzunehmen, erfordert großen Mut. Von vielen Frauen, aber auch von Männern hat Fernandes auf ihren Instagram-Post emphatischen Zuspruch bekommen.
