Donald Trump spricht über Kuba, als gehe es um ein sanierungsbedürftiges Urlaubsresort. Den Journalisten beschrieb er die Insel als „schön“ und mit „schöner Landschaft“. Doch dieser schönen Insel ist das Geld ausgegangen. Sie ist seit Jahren heruntergewirtschaftet und wird durch Sanktionen zusätzlich getroffen. Das letzte Öl kam aus Venezuela. Doch diese Quelle ist inzwischen Teil jener Einflusszone, die Trump für sich beansprucht. Ein idealer Moment also, um zuzuschlagen. Vielleicht werde er die „Ehre“ haben, Kuba „in irgendeiner Form“ zu übernehmen, sagte der amerikanische Präsident. Er könne mit dem Land „alles tun“, was er wolle. Kaum jemand bezweifelt, dass Washington die Mittel dazu hätte, Kuba weiter in die Knie zu zwingen. Offen ist eigentlich nur noch, wann und in welcher Form die Schlüsselübergabe stattfindet. Kuba war für die USA nie ein beliebiger Nachbar. Im Kalten Krieg ging von der Insel die vielleicht größte militärische Bedrohung in der amerikanischen Geschichte aus, als die Sowjetunion dort Atomsprengköpfe stationieren wollte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR folgte dann der tiefe Absturz Kubas. Zwar hielten Moskau und später auch Peking enge Beziehungen zu Havanna, auch um den USA auf der Nase herumzutanzen. Doch sein Überleben verdankte das Regime vor allem seinen Freunden in Venezuela, Hugo Chávez und dessen Nachfolger Nicolás Maduro. Mehr als 25 Jahre lang versorgte Caracas die Insel mit Öl und Treibstoff. Nun ist auch diese Stütze entfallen. Seit drei Monaten ist laut Havanna kein Öl mehr in Kuba angekommen. Es fehlt an Treibstoff, Strom, Nahrungsmitteln und Medikamenten. Dass das Regime inzwischen die Aufnahme von Gesprächen mit Washington eingesteht, verdeutlicht den Ernst der Lage. Eine Diktatur als „perfektes Szenario“ Venezuela wiederum zeigt, wie eine Lösung nach Trumps Geschmack aussehen könnte. Anfang des Monats nannte er die Entwicklung dort ein „perfektes Szenario“. Tatsächlich hat Venezuela nach dem Sturz Maduros den Erdölsektor geöffnet und Dutzende politische Gefangene freigelassen, wie Trump es verlangt hatte. Doch das Regime, das sich lange mit Betrug und Gewalt an der Macht hielt, regiert weiter, nur in neuer Besetzung. Selbst eine Diktatur kann für Trump also ein perfektes Ergebnis sein, solange sie nach seiner Pfeife tanzt. Auch für Kuba hieße eine Öffnung unter diesen Vorzeichen wohl vorerst keinen demokratischen Neubeginn, sondern die Übernahme eines bankrotten Staatswesens durch eine neue, politisch genehme Besitzelite. Politologen vergleichen dieses Szenario mit Russland nach dem Ende der Sowjetunion: Nicht Institutionen ordnen den Wandel, sondern einflussreiche Akteure der alten Elite, die sich die entscheidenden Vermögenswerte sichern. In Kuba wären die Anwärter leicht auszumachen. Das von der Armee und damit vom innersten Machtzirkel um Raúl Castro kontrollierte Konglomerat GAESA beherrscht weite Teile der kubanischen Wirtschaft, vom Devisenhandel über Häfen bis zu Supermärkten. Seit Langem heißt es, dass die Offiziere an der Spitze dieser Holding ihre Privilegien höher gewichten als die Ideale der Revolution. Sofern sie Trump Zugang zu ihrer Insel gewähren, könnten so ausgerechnet jene Kräfte, die das System über Jahrzehnte getragen haben, zu den größten Profiteuren seines Zusammenbruchs werden.
