Frankfurt hat im Wettbewerb um Besucher aus Japan an Boden verloren. Dabei bleibt das fernöstliche Land für die Stadt und das Rhein-Main-Gebiet aber ein bedeutender Markt: 2025 entfielen nach Angaben von Thomas Feda, Geschäftsführer der Tourismus- und Congress GmbH Frankfurt, rund 110.000 Übernachtungen japanischer Gäste auf die Stadt. Nur München lag mit etwa 140.000 Übernachtungen davor, Berlin kam auf rund 80.000. Die Zahlen zeigen, dass Frankfurt weiterhin eine der wichtigsten deutschen Stationen japanischer Reisender, die Stadt von ihrer früheren Anziehungskraft aber noch weit entfernt ist. Diese Entwicklung steht im Kontrast zum Reiseverkehr in die andere Richtung. Deutsche Reisende zählen zu den Wachstumstreibern des Tourismus in Japan. Das fernöstliche Land meldete zuletzt einen Besucherrekord. Der schwache Yen macht Japan für deutsche Urlauber vergleichsweise günstig. Ein wachsendes Angebot an Direktflügen und Großereignisse wie die Expo 2025 in Osaka verstärken die Nachfrage. Zugleich versucht die Japan National Tourism Organization, den „Overtourism“ in Tokio, Kyoto und anderen Metropolen einzudämmen und Besucher stärker in ländliche Regionen zu lenken. Japaner geben vergleichsweise viel Geld aus Für Frankfurt ist die schleppende Erholung des japanischen Marktes besonders relevant, weil Japaner zu den ausgabefreudigsten Urlaubern zählen. Ihr Interesse gilt nicht allein den bekannten Großstädten, sondern besonders Kultur und Geschichte, Ferienstraßen (wie der Badischen Weinstraße, der Deutschen Märchenstraße oder der Deutschen Fachwerkstraße) sowie malerischen Schlössern und Burgen. Darin liegen Chancen für das gesamte Rhein-Main-Gebiet und für touristische Angebote über Frankfurt hinaus. Für ganz Deutschland betrachtet, erreicht die Zahl der Übernachtungen japanischer Gäste 2025 nach Angaben von Akira Nishiyama, dem Leiter der Außenstelle der Deutschen Zentrale für Tourismus in Japan, erst 58 Prozent des Vor-Corona-Niveaus von 2019. Damals wurden rund 1,2 Millionen Übernachtungen gezählt, zuletzt waren es etwa 700.000. „Japan ist kein Primärmarkt mehr für uns“, sagt Nishiyama. Das Ziel müsse es dennoch sein, die japanischen Besucherzahlen wieder in die Höhe zu treiben. Ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung der Japaner ist die Währungsentwicklung. 2019 kostete ein Euro rund 123 Yen, inzwischen müssen dafür etwa 185 Yen aufgebracht werden. Reisen nach Deutschland sind für japanische Urlauber damit deutlich teurer geworden. Gestiegene Flug- und Lebenshaltungskosten in Europa sowie ein verändertes Reiseverhalten verstärken den Effekt. Dennoch folgt auf die beliebtesten japanischen Auslandsziele – Südkorea und Taiwan – weiterhin bereits Europa. Politische Entwicklungen dürften das Reiseverhalten nach Einschätzung Nishiyamas kurzfristig nur begrenzt negativ beeinflussen. Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt werde in weiten Teilen der japanischen Bevölkerung neutral, teils sogar positiv bewertet – nicht zuletzt weil auch in Japan rechtsradikale und ausländerkritische Parteien an Einfluss gewännen. Persönlich sorgt sich Nishiyama jedoch, dass das Image Deutschlands als Reiseland langfristig Schaden nehmen könnte. Welche Bedeutung der Tourismus für Frankfurt inzwischen hat, zeigen die Gesamtzahlen, auf die Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) bei seiner sechstägigen Reise in die Frankfurter Partnerstadt Yokohama jüngst hinwies. 2005 wurden in Frankfurter Herbergen rund 4,6 Millionen Übernachtungen gezählt, im vergangenen Jahr waren es mehr als elf Millionen – verteilt auf etwa 6,8 Millionen Gäste. Rund 58.000 Vollzeit-Arbeitsplätze in Frankfurt hängen nach Angaben Josefs direkt oder indirekt vom Tourismus ab.
