Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat im vergangenen Jahr 393 Todesfälle in deutschen Gewässern verzeichnet und damit 18 Tote weniger als im Jahr zuvor. Das ist der erste Rückgang seit 2021. DLRG-Präsidentin Ute Vogt führt diese Entwicklung auf das schlechte Wetter der Sommermonate zurück: „Wäre es in der Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen.“ Denn auch wenn die Zahlen gesunken sind – fast jeder Fall sei vermeidbar. Zu häufig wird die eigene Leistungsfähigkeit überschätzt, oder es werden wenige bis gar keine Vorkehrungen vor dem Badegang getroffen. Ein einfaches Abkühlen vor dem ersten Wasserkontakt, das Tragen von Rettungswesten auf Booten, ein ehrliches Einschätzen der eigenen Schwimmfähigkeit und vor allem das Schwimmen in ausschließlich überwachten Gebieten können viele Unfälle verhindern. Wie auch in den vorherigen Jahren fanden die meisten tödlichen Unfälle (88 Prozent) in Binnengewässern wie Seen und Flüssen statt. Viele Städte am Rhein hatten auf die hohen Ertrinkungszahlen mit einem verschärften Badeverbot reagiert – mit Bußgeldern von bis zu 1000 Euro. Die DLRG unterstützt dieses Vorgehen: „Wir plädieren dafür, dass es an vielen Flüssen Stellen mit absolutem Badeverbot gibt“, betont Frank Villmow, Leiter für Verbandskommunikation der DLRG. Übermut und Selbstüberschätzung Was besonders heraussticht: 82 Prozent der Ertrunkenen sind Männer. Damit schließt sich die Geschlechterverteilung an die Vorjahre an. „Ertrinken ist ein männliches Problem“, bestätigt Villmow. Gerade unter jungen Männern seien Übermut und Selbstüberschätzung leider weit verbreitet, ebenso wie der Konsum von Alkohol, ergänzt die DLRG-Präsidentin. In der Altersgruppe der 11- bis 17-Jährigen hätte es einen „besorgniserregenden“ Anstieg um elf Todesfälle gegeben. Trotzdem sind die meisten der Toten über 60 Jahre alt. Auch hier sei die Überschätzung der körperlichen Fähigkeiten häufig eine Ursache. Im Bundesvergleich verzeichnete Bayern mit 85 Fällen die meisten Ertrunkenen. Landespräsident Manuel Friedrich zeigt sich mit dieser Entwicklung unzufrieden. Er sagt: „Wir würden uns wünschen, dass in Bayern keine Schwimmbäder mehr geschlossen werden.“ Denn ohne Schwimmbäder gebe es keine Möglichkeit zur Ausbildung von Schwimmern und Rettern. Eine positive Entwicklung: Mit 13 Fällen fiel die Zahl der ertrunkenen Kinder deutlich niedriger aus als im Durchschnitt der letzten 25 Jahre. Dennoch seien die Schwimmfähigkeiten vieler Kinder nicht ausreichend, um sie als „sichere Schwimmer“ zu bezeichnen, erklärt Villmow. Das Seepferdchen sei zwar ein guter Anfang für junge Schwimmer, aber erst der „Freischwimmer“, also das Bronze-Abzeichen, könnte ein sicheres freies Schwimmen bescheinigen. Trotzdem: Die Verantwortung für ihre Kinder tragen die Eltern – auch wenn das Kind sicher schwimmt und die Badestelle bewacht wird. Wer sich und seine Kinder in den Schwimmfähigkeiten testen möchte, kann vom 13. bis zum 21. Juni an den jährlichen Schwimmabzeichentagen teilnehmen.
