Im Vietnamkrieg wurde ein Flugfeld in Ban Keun von den USA einst für Lufteinsätze genutzt. Nun bekommt das Gebiet um den einst als „Lima Site-44“ bekannten Platz eine neue Funktion. Vergangene Woche eröffneten dort laotische und chinesische Militärvertreter ein gemeinsames militärisches Logistik- und Ausbildungszentrum. Aufnahmen der chinesischen Presse von der Zeremonie zeigten Uniformierte, die militärisch diszipliniert und fast regungslos auf ihren Stühlen saßen. Aufgrund der veränderten geopolitischen Lage wurde die Eröffnung in Südostasien mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt. Soweit bekannt, handelt es sich dabei um die erste chinesische Infrastruktur im Ausland mit klarem Bezug zur Luftwaffe. In Dschibuti am Roten Meer unterhält Peking seit 2017 bereits einen großen Militärstützpunkt, in Kambodscha ist China seit 2025 zudem an einer Marinebasis beteiligt. Engere Zusammenarbeit zwischen China und Laos Ob die Anlage in Laos nun der Grundstein einer dritten Basis sein könnte, ist offen. Sie dürfte Chinas maritime Präsenz in Kambodscha allerdings um eine Luftwaffenkomponente ergänzen und Pekings Einfluss über das südostasiatische Festland ausdehnen. Darauf wiesen chinesische Staatsmedien selbst offen hin: „Zusammen decken sie den Luftraum im Landesinnern der Indochina-Halbinsel und den maritimen Bereich im Golf von Thailand ab“, hieß es im Parteiblatt „Global Times“. Chinesische Analysten betonen zudem die Hoffnung, dass sich die laotische Luftwaffe jetzt künftig bei chinesischen Herstellern bedienen werde. Das Projekt ist auch im Kontext einer engeren Zusammenarbeit zwischen China und dem kleinen Nachbarland zu sehen. Im Juni hatten Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und der laotische Präsident Thongloun Sisoulith in Peking eine stärkere militärische Zusammenarbeit beschlossen. Aus chinesischer Sicht liegt die Anlage günstig. Die Hauptstadt Vientiane liegt nur etwas mehr als 60 Kilometer entfernt. Damit ist auch die vor mehr als fünf Jahren eröffnete, grenzübergreifende chinesisch-laotische Eisenbahnstrecke gut zu erreichen. In Nachbarländern wie Vietnam und Thailand hingegen weckt der neue Militärstandort gleichsam direkt vor der Haustür Befürchtungen. Beide Staaten unterhalten zwar enge Wirtschaftsbeziehungen zu China, fürchten aber auch das chinesische Hegemonialstreben in der Region. Ein Sprecher des thailändischen Verteidigungsministeriums erklärte jetzt, dass man „die Lage und die Entwicklungen weiterhin beobachten müsse, insbesondere mit dem Ziel, gegenseitiges Vertrauen zu stärken“. Vor allem Vietnam, das mit China im Hoheitsstreit um Inselgruppen im Südchinesischen Meer steht, könnte „ernsthafte Gründe zur Sorge“ haben, sagte Nguyen Khac Giang von der singapurischen Denkfabrik ISEAS der Agentur Bloomberg. Ein vollwertiger Luftwaffenstützpunkt in Laos könnte China im Fall eines Konflikts ermöglichen, Vietnams Versorgungswege zu überwachen und einzuschränken. Landebahn bietet Möglichkeit zum Betrieb von Kampfflugzeugen Das Verteidigungsministerium in Peking betonte dagegen, die Einrichtung richte sich „gegen keine dritte Partei“. Den Darstellungen zufolge sollen an dem Standort in erster Linie Piloten ausgebildet werden. Satellitenbilder zeigen eine Startbahn von 2000 Metern, an der nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters seit Ende 2025 gebaut wird. Diese Infrastruktur könnte dort demnach auch größere Flugbewegungen anbieten als nur die für eine Flugschule. Nach Einschätzung des taiwanischen Sicherheitsspezialisten Su Tzun-yun werde die Volksbefreiungsarmee von ihrem Stützpunkt in Laos aus ihre Macht auf das Südchinesische Meer, den Indischen Ozean und die Straße von Malakka ausweiten. So gehe es auch darum, in Malakka einer möglichen Blockade dieser Meerenge entgegenzuwirken, sagte Su jetzt gegenüber taiwanischen Medien. Zudem könnte China im Falle eines Konflikts im Südchinesischen Meer oder in der Taiwanstraße von der Basis in Laos aus Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe abfangen, die vom US-Stützpunkt in Diego Garcia im Indischen Ozean von Westen nach Osten über den Festlandteil Südostasiens herangeflogen kämen. Die Landebahn des Flughafens in Laos biete mit seiner zwei Kilometer langen Startbahn bereits Möglichkeiten zum Betrieb von Kampfflugzeugen. Gleichzeitig könnte China aber versuchen, sie auf drei Kilometer zu verlängern, sagte Su, der im Taiwanischen Institut für Nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung arbeitet. Dann könnte China in Laos auch größere Flugzeuge wie Bomber, Transportflugzeuge und Tankflugzeuge stationieren.
