Glimpflich ist am Wochenende ein weiterer mutmaßlicher Brandanschlag auf einen Kiosk im Frankfurter Stadtteil Niederrad abgelaufen. Wie die Polizei erst am Sonntag berichtet, hatten Anwohner den Notruf am Samstagmorgen gegen 3 Uhr alarmiert, nachdem sie von einem lauten Knall geweckt worden waren. Als die Streife am Kiosk eintraf, sei ein Auto „schlagartig geflüchtet“, vor dem Geschäft habe eine Flüssigkeit gebrannt. Bis auf leichte Rußablagerungen seien am Gebäude keine Schäden entstanden. Auch dieser Vorfall werde nun von der Task-Force „Violence as a Service“ des Landeskriminalamts bearbeitet, heißt es weiter. Ob er in einem Zusammenhang mit der Anschlagserie aus der vergangenen Woche steht, könne „derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden“, so die Polizei. Im Falle dieser Serie, bei der innerhalb einer Woche fünf Brandsätze an Lokalen sowie einem Wohnhaus in Frankfurt und Offenbach gezündet wurden, führt die Spur in die Niederlande. Nach Informationen der F.A.Z. liegt das Motiv der Taten in einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppierung aus dem Rhein-Main-Gebiet und einer aus den Niederlanden, die über ein Drogengeschäft in Streit geraten sind. So soll eine größere Menge Rauschgift entwendet worden sein. Darauf hatte bereits der Schriftzug mit dem Wort „Drogendieb“ hingewiesen, der an einem der Tatorte hinterlassen worden war. Die Brandanschläge, für die nach dem Muster des Phänomens „Violence as a Service“ eigens Täter aus den Niederlanden rekrutiert wurden, waren demnach als Droh- und Racheaktion gemeint. Offenbar hatte die niederländische Gruppierung mit den Explosionen die deutsche Gruppierung veranlassen wollen, die Drogen wiederzubeschaffen und ihnen zurückzugeben. Auch in den Niederlanden hat es Brandanschläge gegeben. Die niederländische Zeitung „De Limburger“, die detailliert über die dortigen Anschläge berichtet hatte, spricht von einem „internationalen Drogenkrieg“. Die Zeitung verweist auf den jüngsten Anschlag auf ein Café in Blerick, einem Stadtteil von Venlo, der sich in der Nacht zu Mittwoch ereignet habe. Außerdem werden weitere Taten in Amsterdam erwähnt. Spekulation über „gestohlene Drogenlieferung“ Die Zeitung spekuliert ebenfalls über eine „gestohlene Drogenlieferung“, die von der deutschen Gruppierung ausgegangen sei. Als mutmaßlichen Drahtzieher der „Racheakte“ in Deutschland nennt die Zeitung einen Mann aus Blerick mit dem Spitznamen „Tiger“, der in dem Konflikt „eine zentrale Rolle“ spielen soll. Die niederländischen Behörden, so schreibt die Zeitung weiter, lehnten eine Stellungnahme aufgrund der laufenden Ermittlungen ab. Auch die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Frankfurt äußerten sich auf Anfrage der F.A.Z. vorerst nicht. Inwiefern weitere Brandanschläge mit der Auseinandersetzung zwischen der deutschen und der niederländischen Gruppierung in Verbindung stehen, wird dem Vernehmen nach geprüft. Die Zeitung „De Limburger“ berichtet unter anderem von einem Anschlag auf ein Geschäft in Osdorp, einem Stadtteil von Amsterdam. Zudem sei in Blerick „eine Gruppe deutschsprachiger Männer“ gesichtet worden, die mehrere Lokale aufgesucht hätten, in denen der mutmaßliche Drahtzieher verkehre. Eine Bestätigung dafür gibt es jedoch nicht. Die Explosionen in Frankfurt und Offenbach haben sich zwischen dem 13. und 17. September ereignet. Betroffen waren zwei Shishabars, ein Kiosk, ein Acai-Bowl-Laden sowie ein Wohnhaus. Die Frankfurter Polizei nahm zwei Tatverdächtige im Alter von 15 und 17 Jahren fest. Offenbar waren sie von Hintermännern für die Taten rekrutiert worden.
