FAZ 10.03.2026
14:13 Uhr

Skurriles Tier entdeckt: Ein Blindfisch aus dem Brunnen


Fische, die im Boden leben: Das gibt es tatsächlich. Eine besonders ungewöhnliche Art ist in Nordostindien entdeckt worden – durch einen Zufall.

Skurriles Tier entdeckt: Ein Blindfisch aus dem Brunnen

Es ist nur zwei Zentimeter lang, hat keine Schädeldecke, ist blind und lebt im Grundwasser: Dieses skurrile Geschöpf haben Senckenberg-Forscher in Indien entdeckt. Bei der Kreatur handelt es sich um einen Fisch, genauer gesagt eine Schmerle. Gefunden hat ihn eine Biologie-Doktorandin beim Wasserholen aus einem selbst gegrabenen Brunnen im Bundesstaat Assam. Die bisher unbekannte Art bekam den Namen Gitchak nakana. Sie gehört zu einer Gruppe von Tieren, über die bisher sehr wenig bekannt ist: Fische, die in wasserführenden Gesteinsschichten leben. Von den mehr als 37.000 bekannten Fischarten hat sich rund ein Prozent an unterirdische Lebensräume wie etwa Höhlen angepasst. Von diesen wiederum haben weniger als zehn Prozent Wasseradern im Boden besiedelt, wie der Dresdner Senckenberg-Forscher Ralf Britz berichtet. Solche Spezies würden extrem selten entdeckt, und wenn, dann geschehe das – wie im Fall der kleinen Schmerle – meist zufällig. Nach Worten von Britz ist dieser Fisch so ungewöhnlich, dass er eine eigene Gattung bildet. Die untersuchten Individuen haben stark zurückgebildete oder komplett fehlende Augen, sind durchscheinend und besitzen kein knöchernes Schädeldach: Ihr Gehirn wird nur durch die Haut geschützt. Bisher sind in Indien 21 unterirdisch lebende Fischarten beschrieben worden; besonders im Nordosten des Subkontinents kommen diese Tiere häufig vor.