Laut Kalender hat der Herbst begonnen, aber das Wetter ist noch trocken, die Landschaft färbt sich bunt: Das sind beste Bedingungen zum Wandern, wie auch der Vorsitzende des Deutschen Wanderinstituts mit Sitz in Marburg, Klaus Erber, bestätigt: „Das ist ein Spektakel, das man das ganze Jahr über nicht hat.“ Wer es ausgiebig genießen will, sollte früh starten, denn die Tage werden nun merklich kürzer. „Wenn ich nur durch Wald laufe, kann es doch schon düster werden“, sagt Erber und empfiehlt Touren durch Wald und Feld. Diese sechs Routen wären also genau die richtigen für die nächsten Wochenenden: Wandern durch den „Freistaat Flaschenhals“ Auf der Route durch den „Freistaat Flaschenhals“ im Hintertaunus wird es historisch. Wanderer erfahren auf dem Themenrundweg viele – teils kuriose – Details zum selbst ernannten Freistaat, der vor etwa 100 Jahren in der Region bestand. Das Gebiet existierte zwischen 1919 und 1923 als Folge einer Aufteilung zwischen den beiden Siegermächten Frankreich und USA nach Ende des Ersten Weltkrieges. Das Niemandsland war politisch und wirtschaftlich isoliert und somit auf sich allein gestellt. Der gut elf Kilometer lange Weg führt zunächst durch das liebliche Dörsbachtal bis zur „Grenzstation“. Weiter geht es teils über einen verschlungenen Schmugglerpfad, der durch tiefe Wälder führt und erahnen lässt, wie abenteuerlich die Versorgung in jener Zeit war. Der Start- und der Endpunkt sind in Heidenrod-Laufenselden. Die schönsten Ziele und Ausblicke im Kellerwald erwandern Bei den Wegen der „Kellerwald-Juwelen“ wurde laut Naturpark Kellerwald-Edersee besonders darauf geachtet, dass die Wanderer auf schmalen Pfaden unterwegs sind, es malerische Waldwege und schöne Ausblicke gibt. Eine Route führt unter dem Motto „Ab ins Kloster“ über eine knapp 15 Kilometer lange Runde südlich von Lichtenfels-Immighausen im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Höchster Punkt auf dieser Wanderung ist der 490 Meter hohe Höhnscheid mit Panoramablick. Zu den Highlights zählt das ehemalige Kloster Gut Schaaken, dessen imposante Ruine man besichtigen kann. Die Höhen des Steigers sind leicht erklommen Wirklich steigen muss man auf den Hohen Steiger im nordhessischen Habichtswald nicht, sein Gipfel liegt auf rund 320 Metern. Diese rund zehn Kilometer lange Tour, die in Breuna startet, bietet dennoch schöne Weitblicke – bei einem Wechsel von Wiesentälern, Wald, Trockenrasen, Feldern und Naturschutzgebieten. Auf mittlerer Höhe des Steigers geht es durch Mischwald. Später führt die Route zum Berg der Kugelsburg, der auf der Nordseite umrundet wird. Die Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Volkmarsen. Vom einstigen Bergfried eröffnet sich eine Rundumsicht weit in das Waldecker Land, die Warburger Börde und den Naturpark Habichtswald. Zuvor lohnt sich auf dem „Eselsweg“ ein Abstecher zum Naturdenkmal „Scharfer Stein“. Das ist ein bizarrer Fels aus urzeitlichen Seelilien. Auf dem Herkulespfad im Odenwald durch römische Geschichte laufen Im Süden Hessens, im Odenwald, führen sechs Rundwanderwege durch die römische Geschichte der Region. Gleich zwei Abschnitte der Befestigungslinie Limes können entdeckt werden: der Obergermanisch-Raetische Limes und der ältere Odenwaldlimes. Einer der Römerpfade ist der 14 Kilometer lange Herkulespfad, der am Forsthaus Hettingen startet. Auf der Route wird auch der Dolinenpfad passiert – mit Informationen über geologische Besonderheit der trichterförmigen Hegenich-Doline, einer Einsturzsenke im Boden. Über Wiesen und Felder geht es vorbei an der Kapelle am Bubenrat zum Lausenberg mit einem Palisadennachbau und einer schönen Rastmöglichkeit. Auf dem letzten Wegstück bis zum Ausgangspunkt werden zwei römische Wachtturmreste und das Kleinkastell Hönehaus passiert. Eine weitere Wanderung durch den Odenwald hat die F.A.Z. schon vor einer Weile in ihrer wöchentlich erscheinenden Rubrik F.A.Z. Wandertipps vorgeschlagen. Bornschisserweg führt über einen der längsten Highwalks Deutschlands Der Bornschisserweg bei Rotenburg an der Fulda gehört zu den zertifizierten Premium-Spazierwegen. Diese Auszeichnung gibt es vom Deutschen Wanderinstitut für kurze Rundwanderwege „mit besonders hohem Erlebniswert“. Den gibt es auf dieser knapp sechs Kilometer langen Route zweifelsohne – denn es ist mit dem Highwalk eine der längsten Hängebrücken Deutschlands dabei. Sie führt auf mehr als 600 Metern Länge bis zu 60 Meter über das Kottenbachtal. Ein besonderes Naturerlebnis verspricht ein Waldabschnitt, an dem stattliche Buchen ein dichtes, schützendes Blätterdach formen. Zu den historischen Highlights der Route zählen die Burgruine Rodenberg sowie ein Jagdschlösschen. Seinen ungewöhnlichen Namen hat der Weg vom Bornschisser, einer Sagengestalt Rotenburgs an der Fulda. Drei-Seen-Tour im Vogelsberg Bei dieser Wanderung im Vogelsberg geht es ans Wasser: Die Drei-Seen-Tour nahe Freiensteinau führt über lange Strecken an Ufern entlang. In den Feldern lassen sich mit etwas Glück seltene Vogelarten wie Wiesenpieper oder Neuntöter beobachten, auf dem Wasser und im Röhricht haben Haubentaucher und Teichrohrsänger ihr Revier. Erste Etappe der rund zwölf Kilometer langen, familienfreundlichen und flachen Wanderung ist der Nieder-Mooser See. Teils auf Graspfaden geht es dann mitten in den Wald zu dem ruhigen Rothenbachteich. Nach einem abwechslungsreichen Weg durch Wiesen, Weiden und Wald kommt dann das dritte und letzte der drei Gewässer: das Naturschutzgebiet Ober-Mooser See.
