FAZ 29.09.2026
15:20 Uhr

Rote Hilfe: Elif Eralp war bis 2025 Mitglied in einem linksextremistischen Verein


Der Verfassungsschutz stuft die Rote Hilfe als linksextremistisch ein. Die Berliner Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp gehörte dem Verein jahrelang an.

Rote Hilfe: Elif Eralp war bis 2025 Mitglied in einem linksextremistischen Verein

Die Berliner Bürgermeisterkandidatin Elif Eralp (Linke) war bis zum vergangenen Jahr Mitglied der Roten Hilfe. Der Verein wird vom Verfassungsschutz als „die größte und eine der wichtigsten Gruppierungen im deutschen Linksextremismus“ eingestuft. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht heißt es, „primäres Betätigungsfeld“ der Roten Hilfe sei „die Unterstützung linksextremistischer Straftäter“. Der Verein biete „einen Legitimationsrahmen für die Begehung von Straf- und Gewalttaten“. Verurteilte Straftäter mit linker Gesinnung können bei der Roten Hilfe die Erstattung ihrer Straf- und Bußgelder beantragen. Deren Sanktionswirkung wird so ausgehebelt. Die Zahlungen des Vereins sollen die Täter ermutigen, nicht mit Polizei und Gerichten zu kooperieren: Die Regularien der Roten Hilfe sehen vor, dass der Verein einen Unterstützungsantrag ablehnen kann, wenn der Antragsteller in einem Strafverfahren eine Aussage macht oder sich entschuldigt. Der Verfassungsschutz schreibt, Auswahl und Begründung der Unterstützungsfälle ließen erkennen, dass die Rote Hilfe „die Anwendung von Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung nicht nur befürwortet, sondern auch unterstützt“. Was sagt Elif Eralp zu ihrer früheren Mitgliedschaft in der Roten Hilfe? Eralps frühere Mitgliedschaft in dem Verein geht aus zwei früheren Auflagen des Handbuchs des Berliner Abgeordnetenhauses hervor. Sie sind im März 2022 und im Juli 2023 erschienen. Auch damals stufte der Verfassungsschutz die Rote Hilfe bereits als linksextrem und gewaltunterstützend ein. In der jüngsten Auflage des Abgeordnetenhandbuchs aus dem Oktober 2025 ist die Rote Hilfe bei den Vereinsmitgliedschaften Eralps nicht mehr erwähnt. Die Landesgeschäftsstelle der Linkspartei schrieb der F.A.Z. an diesem Dienstag, Eralp sei während ihres Jurastudiums in die Rote Hilfe eingetreten, weil „sie unterstützen wollte, dass Menschen einen juristischen Beistand haben, die sich für linke und soziale Themen engagieren, auch wenn sie selbst nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen“. Anschließend sei sie „über Jahre passives Mitglied“ gewesen. Über die Mitgliedschaft habe Eralp auf der Homepage des Abgeordnetenhauses „immer transparent“ informiert. Im vergangenen Jahr sei sie „wegen teilweise anderer politischer Ansichten“ ausgetreten – bevor sie Spitzenkandidatin zur Berliner Abgeordnetenhauswahl wurde. Die Berliner Linkspartei hatte die Wahl am 20. September gewonnen. Eralp will mit Grünen und SPD eine Regierung bilden. Sie war erst 2021 in das Abgeordnetenhaus eingezogen. 2022 und 2023 war die Politikerin noch wenig bekannt. Dies änderte sich, nachdem der Landesvorstand der Linken sie im Oktober 2025 als Spitzenkandidatin nominiert hatte. Vor einer solchen Personalentscheidung ist es in Parteien üblich, die Biographien von Kandidaten auf problematische Inhalte zu prüfen. Bereits im April 2025 hatte die F.A.Z. über Verbindungen von Linken-Bundestagsabgeordneten zur Roten Hilfe berichtet. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak ließ damals mitteilen, er sei nicht Mitglied des Vereins. Zuvor hatte er im Jahr 2022 zu einer Party mit „Solidrinks und Cocktails“ zugunsten der Roten Hilfe in sein Wahlkreisbüro eingeladen. Kocak steht derzeit wegen Kontakten zu einem Hamas-Unterstützer und einem Clankriminellen unter Druck. Seinen parlamentarischen Funktionen geht er deshalb nicht nach. Sympathien der Berliner Linkspartei für die Rote Hilfe zeigten sich auch im Wahlprogramm: Darin steht, „antifaschistische Vereine“ seien „steuerlichen Angriffen ausgesetzt oder ihre Konten werden geschlossen“ – die Rote Hilfe wird als Beispiel genannt. Anschließend heißt es: „Wir stehen entschieden an ihrer Seite.“