FAZ 25.09.2026
13:04 Uhr

Protest gegen Netanjahu: Susan Sarandon in Handschellen


Die Oscarpreisträgerin Susan Sarandon ist für ihr politisches Engagement bekannt. Nun ist sie bei einer propalästinensischen Demonstration festgenommen worden.

Protest gegen Netanjahu: Susan Sarandon in Handschellen

Susan Sarandon hat ein weiteres Mal Handschellen zu spüren bekommen. Die amerikanische Oscar-Preisträgerin, die zu Hollywoods politisch aktivsten Vertretern gehört, wurde am Donnerstag bei einer Demonstration gegen die Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor den Vereinten Nationen in New York verhaftet. Mit etwa 250 Mitstreitern der jüdischen, antizionistischen und linken Organisation Jewish Voice for Peace (JVP) war die Neunundsiebzigjährige zuvor mit Bannern durch Manhattan gezogen, die ein Ende von Israels Militäreinsätzen in Gaza und das Einstellen von amerikanischen Waffenlieferungen an das Land forderten. Ob die JVP-Demonstration genehmigt wurde, blieb vorerst offen. Neben Sarandon, die vor 30 Jahren einen Oscar für ihre Rolle in dem Filmdrama „Dead Man Walking – Sein letzter Gang“ holte,  nahmen auch Prominente wie die Schauspieler Cynthia Nixon („Sex and the City“) und Elliot Page („Die Odyssee“) an den Protesten gegen Netanjahu teil. Angeblich gehörte die „Hacks“-Darstellerin Hannah Einbinder wie Sarandon zu etwa 100 Demonstranten, die zu einer Polizeiwache gebracht wurden. Sie sollen sich geweigert haben, nach der Aufforderung des New York Police Department Straßen und Kreuzungen zu räumen. Schon 1982 war Sarandon bei einem Protest festgenommen worden Sarandon, die wie ihre Mitstreiter ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Fund People Not Bombs“ trug, hatte Hollywood in der Vergangenheit wiederholt vorgeworfen, ihr wegen ihres politischen Engagements Rollen vorzuenthalten. „Einige Gruppen tragen anderen bis heute auf, mich nicht zu besetzen. Das liegt in der Natur der Macht“, sagte die New Yorkerin während der Filmfestspiele in Venedig vor einigen Wochen. Sarandon setze aber auf einen Sinneswandel in Hollywood und der amerikanischen Öffentlichkeit. Vor drei Jahren hatte sich die Künstleragentur UTA nach einer umstrittenen Rede bei einer propalästinensischen Demonstration abrupt von der Schauspielerin getrennt. „Es gibt heute viele Menschen, die als Juden Angst haben. Sie wissen jetzt, wie es sich anfühlt, in diesem Land Muslim zu sein“, ließ Sarandon damals wissen. Verhaftungen sind seit Jahrzehnten Zeichen von Sarandons Protest. Im Jahr 1982 wurde sie bei der Besetzung des Theaters Morosco am Broadway festgenommen, das abgerissen werden sollte. Knapp 20 Jahre später wurde sie bei Protesten nach den tödlichen Polizeischüssen auf den afrikanischen Einwanderer Amadou Diallo in Handschellen gelegt. Es folgten Verhaftungen bei Demonstrationen gegen die Einwanderungspolitik während Donald Trumps erster Amtszeit und für faire Löhne in der Gastronomie. Ob Sarandon nach der Festnahme am Donnerstag wie üblich mit einigen Stunden auf einer Polizeiwoche davonkommt oder zum ersten Mal verurteilt wird, blieb vorerst offen.