Die schwerste politische Niederlage Philipp Amthors verhinderte vor gut sechs Jahren, was die schwerste politische Niederlage seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern nun erfordert: Er rückt an die Spitze seines Heimat-Landesverbandes. An die Spitze einer Partei, die sich im Nordosten in der außerparlamentarischen Opposition wieder aufrichten muss. Und wie schon in seiner ganzen politischen Laufbahn ist auch dieser Überlebenskampf verbunden mit dem Aufstieg der AfD. Mit dem Kampf gegen die Partei, die seine CDU zerstören will und in Schwerin damit schon recht weit gekommen ist. Gut sechs Jahre ist es her, da musste Amthor noch auf den Landesvorsitz verzichten. Kurz zuvor waren Berichte über seine zweifelhafte Lobbyarbeit bekannt geworden. Es hätte nach dem rasanten Aufstieg des 1992 geborenen und in Torgelow aufgewachsenen Amthor schon das Ende der Karriere sein können. Wurde es aber nicht. Dass der Jurist damals kurz vor dem Ziel seine Bewerbung um den Landesvorsitz zurückziehen musste, wurde in den eigenen Reihen zwar nicht nur bedauert. Trotzdem fing Amthor sich wieder, gestand Fehler ein, arbeitete weiter. Und er ist heute nicht nur im Land weit oben angekommen, sondern auch in Berlin. Amthor weiß, wie ernst die Lage ist Das macht seine Aufgabe allerdings nicht einfacher. Denn natürlich hat zum Absturz der CDU im Nordosten auch die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung, mit dem Kanzler in Berlin beigetragen. Bei diesem Bundeskanzler sitzt aber Amthor seit wenigen Wochen als Staatsminister im Kanzleramt, zuständig für die Bund-Länder-Koordination. Er hat seine politische Karriere mit dem Erfolg der Regierung Merz verknüpft. Damit dürfte nicht nur sein Terminkalender platzen: Es ist Amthor in Schwerin vor allem der in den Ländern gern gewählte Weg der Distanzierung von Bundesregierung und Parteizentrale versperrt. Amthor macht sich keine Illusionen, wie gefährlich die Lage für seine Partei im Nordosten und darüber hinaus ist, wie gefährlich die AfD für die CDU. Er hat die Gefahr stets benannt, den Kampf aufgenommen, schon seine erste aufsehenerregende Rede im Bundestag war ein Angriff auf die AfD. Ein Rezept gegen den Aufstieg hat aber auch er nicht gefunden. Amthor muss seit Jahren mit ansehen, wie die AfD geradezu übermächtig zu werden droht. In seinem Wahlkreis holte die AfD bei der Bundestagswahl 2025 mehr als 45 Prozent der Erststimmen, Amthor erhielt knapp 20. Jetzt führt Amthor, zumindest vorerst, einen Verband, der am Sonntag mit 4,9 zum ersten Mal in der Geschichte der CDU den Einzug in ein Landesparlament verpasst hat. Einen Verband, in dem nicht alle eine so klare Trennlinie zur AfD ziehen. Und er arbeitet im Machtzentrum einer Bundesregierung, die historisch unbeliebt ist. Viele Möglichkeiten zu Scheitern also für ihn. Sollte er es nicht, wäre der Beweis erbracht, dass Amthor mehr ist als nur ein Talent seiner Partei.
