FAZ 10.09.2026
10:07 Uhr

Petrihaus an der Nidda: Stadt Frankfurt erwirbt Brentanos Sommerhaus


Private Spender haben das denkmalgeschützte Petrihaus in Frankfurt-Rödelheim einst gerettet. Nun soll es ins Eigentum der Stadt übergehen.

Petrihaus an der Nidda: Stadt Frankfurt erwirbt Brentanos Sommerhaus

Die Stadt will das Petrihaus in Rödelheim von dem gleichnamigen Förderverein erwerben. Der Verein, der das denkmalgeschützte Gebäude auf eigene Kosten saniert und mehr als zwei Jahrzehnte gepflegt und betrieben hatte, war zuletzt in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Magistrat hat dem Erwerb des Erbbaurechts und damit des Gebäudeensembles samt Inventar schon zugestimmt. Der Beschluss der Stadtverordneten steht noch aus. Den Kaufpreis will die Stadt nicht öffentlich nennen, die Vorlage ist vertraulich. Das Petrihaus ist ein Kulturdenkmal und ein Zeugnis der Romantik. Es liegt gegenüber dem Brentanopark an der Nidda und geht auf den Kaufmann und Bankier Georg Brentano zurück, der das Anwesen 1819 erwarb. Der Ort wurde zu einem Treffpunkt des kulturellen Lebens der damaligen Zeit. Schriftsteller wie Clemens Brentano und Bettine von Arnim hielten sich dort auf. Der Förderverein Petrihaus unter dem Vorsitz des früheren Fraport-Vorstandsvorsitzenden und Rödelheimers Wilhelm Bender hat sich in den vergangenen knapp drei Jahrzehnten um das Kulturdenkmal verdient gemacht. Bender hatte den Förderverein 1998 gegründet und den Verfall des Hauses verhindert. Mithilfe privater Spender sanierte der Verein das leer stehende Gebäude denkmalgerecht und machte es 2003 wieder zugänglich. Heute finden dort sowie in einem 2019 errichteten Atelierhaus Konzerte, Lesungen und Führungen durch die Ausstellung statt. „Ein besonderer Teil meiner Heimat“ „Dieser Ort ist ein besonderer Teil meiner Heimat, der mir am Herzen liegt“, sagte Bender. Dank vieler Unterstützer sei es gelungen, das Petrihaus zu retten und zu einem Begegnungsort zu machen. „Ich bin der Stadt dankbar, dass sie dieses Engagement würdigt und nun Verantwortung für die Zukunft übernimmt.“ Baudezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen) bezeichnet den Kauf des Petrihauses als „gute Investition in unsere Stadt“. Das Ensemble sei identitätsstiftend für Frankfurt, stehe für ein wichtiges Kapitel der Kulturgeschichte und sei zugleich ein lebendiger Begegnungsort für Rödelheim. „Wenn ein solcher Ort in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, darf die Stadt nicht einfach zuschauen“, sagte Siefert. Er danke dem Förderverein für seinen jahrzehntelangen Einsatz und dafür, dass er sich um das langfristige Fortbestehen des Projektes gekümmert habe. Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig und die bisherige Baudezernentin Sylvia Weber (beide SPD) hätten sich für die nun gefundene Lösung eingesetzt. Die Stadt will jetzt einen Betreiber für das Atelierhaus suchen, um das Veranstaltungsgebäude sowie das Petrihaus als Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort für Rödelheim und ganz Frankfurt zu erhalten. Der Förderverein kann das Petrihaus an bis zu 20 Tagen im Jahr und das Atelierhaus an bis zu zehn Tagen im Jahr unentgeltlich nutzen.