FAZ 19.03.2026
16:25 Uhr

Persönliche Erklärung: Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen NRW-Ministerin


Nach einem Medienbericht über Vorwürfe des Machtmissbrauchs reagiert NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). Sie gesteht Fehler ein und gelobt Besserung.

Persönliche Erklärung: Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen NRW-Ministerin

Die nordrhein-westfälische Bau- und Digitalisierungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) hat nach von mehreren Mitarbeitern ihres Hauses erhobenen Vorwürfen des Machtmissbrauchs Fehler eingestanden: „Ich erkenne an, dass ich durch meine persönliche Arbeitsweise nicht jedem Mitarbeiter immer gerecht geworden bin. Dieser Verantwortung stelle ich mich“, schrieb Scharrenbach in einer längeren persönlichen Erklärung. Sie nehme die Kritik an und werde an ihrem Führungsverhalten arbeiten. Kurz zuvor hatte die Zeitschrift „Spiegel“ in ihrer Online-Ausgabe von einem dienstlichen Vermerk an den Chef der Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), berichtet. Darin heißt es, die Arbeitsatmosphäre in Scharrenbachs Ministerium sei von „Angst und Schrecken“ geprägt, es herrschten „gesundheitsschädliche Umgangsformen“ und ein „desaströses Führungsverhalten“. Ein namentlich nicht genannter ranghoher Landesbeamte wurde vom „Spiegel“ mit den Worten zitiert: „Diese Frau hat mich zerstört“. „Nehme die Kritik ernst“ Die Aussagen machten sie betroffen, schrieb die Ministerin in ihrer Stellungnahme. „Die Empfindungen der Mitarbeiter und ihre Kritik an der Zusammenarbeit nehme ich sehr ernst.“ Sie habe an sich selbst und die tägliche Zusammenarbeit im Ministerium hohe Ansprüche. Doch weder diese hohen Ansprüche noch Drucksituationen dürften dazu führen, dass sich Mitarbeiter nicht mehr wertgeschätzt oder gar unwohl fühlten. „Ich bedaure, dass es in der Vergangenheit offenkundig solche Situationen gegeben hat und sich Mitarbeiter durch mein Führungsverhalten verletzt gefühlt haben.“ Sie habe bereits konkrete Schritte veranlasst, um die Führungskultur in ihrem Ministerium zu verbessern. „Dazu gehört die Einrichtung einer Möglichkeit, Kritik an der Arbeits- und Feedbackkultur in meinem Haus anonym äußern zu können. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen ihre Erfahrungen und Erwartungen offen einbringen können.“ Zudem werde es zeitnah eine Personalversammlung geben. Nur durch ein ehrliches Benennen von Problemen könne eine bessere, respektvolle und vertrauensvolle Arbeitskultur entstehen. „Diesen Prozess werde ich aktiv vorantreiben, damit sich alle Beschäftigten in ihrem Arbeitsumfeld wertgeschätzt fühlen“, so Scharrenbach. Im vorigen Jahr Krebserkrankung öffentlich gemacht Frederick Cordes, der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen SPD, kritisierte, Scharrenbachs Erklärung entkräfte die Vorwürfe nicht. Solchen Vorwürfen begegne man nicht, „indem man sich selbst auf vermeintlich gute Absichten berufe, während andere den Preis dafür zahlen“. Scharrenbach habe die Schwere der Vorwürfe offenbar bislang nicht verstanden. „Ein ‚Kummerkasten‘, wie ihn die Ministerin einführen möchte, ist weder geeignet, Vertrauen wiederherzustellen, noch ermöglicht er eine Rückkehr zur Tagesordnung. Dieses Verhalten muss Konsequenzen haben – und die Verantwortung endet nicht bei ihr, sondern reicht bis in die Staatskanzlei.“ Die 49 Jahre alte Scharrenbach ist seit 2017 Bauministerin in NRW. Als Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Frauen-Union sowie als stellvertretende CDU-Landesvorsitzende zählt sie zum Führungszirkel ihrer Partei. Im Juni vorigen Jahres machte Scharrenbach öffentlich, dass sie an Krebs erkrankt ist. Bereits nach einer kurzen Auszeit absolvierte sie wieder öffentliche Termine. Im November berichtete Scharrenbach in einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“, dass die Chemotherapie nicht im erhofften Maße angeschlagen habe. „Noch bin ich nicht geheilt und weiß jetzt aus eigener Erfahrung: Krebs ist ein absolutes Biest.“