FAZ 11.09.2026
15:27 Uhr

Patienten gequält: Mehr als 100 Strafanzeigen gegen Frankfurter HNO-Arzt


Bei den Ermittlern haben sich inzwischen viele weitere Patienten gemeldet, die von einem HNO-Arzt während schmerzhafter Behandlungen sexuell genötigt worden sein sollen. Der Mann soll die Taten zudem aufgenommen haben.

Patienten gequält: Mehr als 100 Strafanzeigen gegen Frankfurter HNO-Arzt

Die Vorwürfe gegen den Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Frankfurt, der mehrere Patienten gequält und dabei sexuell missbraucht haben soll, weiten sich aus. Wie die „Hessenschau“ berichtet, sind bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft mittlerweile mehr als 100 Strafanzeigen gegen den 76 Jahre alten Mann eingegangen. Zudem seien bei den Durchsuchungen seiner Praxis- und Privaträume Beweismittel sichergestellt worden, die die Vorwürfe erweitern. Laut Hessenschau soll es sich dabei um Fotos und Videos handeln, auf denen er die Übergriffe auf seine Patienten festgehalten haben soll. Arzt soll in einigen Fällen auch gestöhnt haben Dem Arzt, der nach F.A.Z.-Informationen in einer Praxis im Stadtteil Sachsenhausen tätig war, werfen die Strafverfolger besonders schwere sexuelle Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Er soll durch die ärztlichen Behandlungen bewusst extreme Schmerzen bei einer Vielzahl männlicher Patienten hervorgerufen haben. Während der Behandlungen habe er sich auf die Patienten gelegt, wodurch er sich sexuell erregt haben soll. Die Taten soll er zudem mit einem Smartphone gefilmt haben. Betroffene, die sich an die Hessenschau gewandt haben, sollen berichtet haben, dass der Arzt ohne Vorwarnung mit einem Gerät durch die Nase in den Kiefer- oder Nebenhöhlen geschabt habe. Der Mediziner habe sich währenddessen über die Männer gebeugt, sich zum Teil auf sie gelegt. Dabei soll er sogar Stoßbewegungen gemacht, sich an den Patienten gerieben oder sie an Kopf und Beinen gestreichelt haben. Einige Betroffene berichten, dass er dabei gestöhnt habe. Mitte August wurde der Mann in Frankfurt festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft gibt als Haftgrund Wiederholungsgefahr an: Der Arzt soll Patienten privat bei sich zu Hause behandelt haben, obwohl er von den Vorwürfen wusste. Auch bei diesen Behandlungen besteht den Ermittlern zufolge der Verdacht, dass es zu weiteren Straftaten gekommen ist. Wie die Staatsanwaltschaft weiter bestätigt, haben sich auch Betroffene gemeldet, deren Taten bereits verjährt sind. Diese Fälle würden aber in die Gesamtwürdigung miteinbezogen werden.